Vierzig Prozent Schweigen: Die vergessenen Akten der Operation Allies Welcome
In Indiana starb eine Mutter. Ihr Name steht nicht in den Protokollen, die das Land liest, und doch ist ihr Tod die einzige Wahrheit, die zählt — die Wahrheit, die zwischen den Zeilen der Pressekonferenzen nicht gesagt wird, weil sie nicht gesagt werden darf. Ein illegaler Migrant, der während der chaotischen Stunden eines Rückzugs ins Land kam, der nie hätte stattfinden dürfen, soll am Steuer eines Wagens gesessen haben, als die Frau ihr Leben verlor. Die Polizei spricht von DUI, von Fahrerflucht. Die Behörden schweigen zu den Umständen seiner Einreise. Das ist der Anfang jeder Geschichte, die Amerika derzeit nicht erzählen will.
Das Department of Homeland Security hat am Montag einen Bericht vorgelegt, der diese Geschichte fortschreibt — mit Zahlen, die klingen wie das Inventar einer Katastrophe. Ein Inspektorengeneral, ein Watchdog mit dem nüchternen Blick eines Buchhalters und der Geduld eines Archivars, hat 678 Asylanträge aus dem Programm Operation Allies Welcome geprüft. Das Ergebnis: In vierzig Prozent der Akten fand er Fehler. Nicht kleine. Nicht Marginalien. Sondern 303 fehlende Aliasnamen, 23 nicht durchgeführte Sicherheitsüberprüfungen, 45 ungelöste Datensätze und mehr als 150 weitere Dokumentationsmängel.
Vier von zehn Akten also. Bei 75.000 Afghanen, die zwischen 2021 und 2022 in amerikanische Gemeinden verteilt wurden — manche ohne persönliche Befragung, wie der Bericht festhält —, bedeutet das Zehntausende Dossiers, in denen möglicherweise Namen fehlen, die zu Personen gehören, die auf keiner Liste stehen sollten. Zehntausende Akten, die USCIS nach eigenem Bekunden nicht immer einem Supervisor zur Gegenkontrolle vorlegte. Und in mindestens zwei Fällen, so der Bericht, ging es um Personen, die "möglicherweise aus terrorismusbezogenen Gründen nicht zugelassen waren" — eine Formulierung, die in jedem anderen Kontext eine rote Linie wäre, hier aber zwischen den Akten verschwindet.
Operation Allies Welcome war der Name, den eine Regierung einer Operation gab, die kein Mensch so genannt hätte, hätte er sie vorher gesehen. Im September 2023 erzwang ein Gerichtsurteil — die Vereinbarung im Fall Ahmed v. DHS — eine schnellere Bearbeitung der Asylanträge, als die Mitarbeiter von USCIS für nötig hielten. Die Beamten hatten gewarnt. Die Warnung verhallte. Die Akten wurden schneller unterschrieben, als sie gelesen werden konnten.
Die Republikaner im Kongress fragen seit Jahren. Im September 2022 hatte der gleiche Watchdog bereits berichtet, dass einige der resiedierten Afghanen "nicht vollständig überprüft" worden seien und "ein Risiko für die nationale Sicherheit" darstellen könnten. Senator Chuck Grassley wollte wissen, wie viele der Eingereisten auf der No-Fly-Liste standen. Die höchsten Beamten der Biden-Regierung verweigerten die Auskunft. Die New York Post berichtete im November vergangenen Jahres, dass mehr als 5.000 der über OAW ins Land gekommenen Afghanen wegen "nationaler Sicherheit" markiert worden seien.
Die Liste der Taten, die diesen Markierungen folgten, liest sich wie das Drehbuch einer Serie, die niemand bestellt hat: Im November letzten Jahres erschoss Rahmunallah Lakanwal die Spezialistin Sarah Beckstrom, 20, und verletzte Staff Sergeant Andrew Wolfe, 24, in Washington schwer — Beckstrom starb. Im Dezember wurde Luqmaan Khan verhaftet, weil er einen Massenanschlag geplant haben soll. Jaan Shah Safi wurde in Waynesboro, Virginia, festgenommen, weil er ISIS-K unterstützt haben soll. Mohammad Dawood Alokozay wurde in Fort Worth, Texas, verhaftet, weil er Anschläge auf Ziele in der Region geplant haben soll. Nazira Haji Zada wurde deportiert, weil sie an einem ISIS-inspirierten Komplott für den Wahltag 2024 beteiligt gewesen sein soll. In Oklahoma wurde ein 27-jähriger Afghane festgenommen, der einen Terroranschlag am Wahltag geplant haben soll — auch er war über OAW ins Land gekommen. Ein früherer Pentagon-Offizieller sagte im April 2023 vor dem Kongress aus, einige der nicht überprüften Afghanen seien in Afghanistan in das Legen von Sprengsätzen gegen amerikanische Soldaten verwickelt gewesen.
Vierzig Prozent. Die Zahl steht jetzt im Raum, und mit ihr die Frage, die sich von selbst stellt: Wie viele Mütter in Indiana, wie viele Soldatinnen in Washington, wie viele Wähler in Oklahoma, wie viele Passanten in Texas — wie viele dieser Taten wären vermeidbar gewesen, hätten die Akten jene Aliasnamen enthalten, jene Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen, jene Supervisor-Sicht erfahren, die der Watchdog nun vermisst?
Und dann ist da das Schweigen der Stellen, die für das Schweigen bezahlt werden. Es heißt, es liege "kein kriminelles Fehlverhalten" vor. Eine Formulierung, die so präzise wie nichtssagend ist — sie unterscheidet sauber zwischen dem, was ein Strafgesetz verlangt, und dem, was eine Verwaltung schuldig ist. Sie bedeutet nicht, dass keine Fehler gemacht wurden; der Bericht zählt sie Seite um Seite. Sie bedeutet nicht, dass niemand zur Verantwortung gezogen werden könnte. Sie bedeutet nur, dass die juristische Schwelle, die ein Strafverfahren erfordert, bislang nicht überschritten wurde. Was zwischen Missmanagement und krimineller Fahrlässigkeit liegt, ist eine Frage, die das Land jetzt beantworten muss — oder weiterhin in den Formulierungen verstecken.
Die Indiana-Mutter hat dieses Schweigen mit ihrem Leben bezahlt. Ihr Name gehört in die Akten, die das Land jetzt lesen muss. Nicht in vierzig Prozent von ihnen. In allen.
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