Hundert Millionen umgeleitet — die Dächer blieben offen
Zwei Hurrikane zogen über North Carolina, Matthew im Jahr 2016, Florence zwei Jahre später. Sie hinterließen, was Hurrikane hinterlassen: zerbrochene Dächer, aufgeweichte Fundamente, Menschen in Notunterkünften. Was die Verwaltung des damaligen Gouverneurs Roy Cooper, Demokrat, mit den Mitteln tat, die der Bund für die Wiederherstellung bereitstellte, ist nun Gegenstand einer Analyse, deren Ergebnisse eine schlichte, unbequeme Frage aufwerfen — wem die Hilfe eigentlich galt.
Nach einer Untersuchung der John Locke Foundation, eines marktliberalen Think Tanks im Bundesstaat, lenkte das North Carolina Office of Recovery and Resiliency, kurz NCORR, rund hundert Millionen Dollar aus dem Katastrophenfonds in Projekte des bezahlbaren Wohnraums. Dies geschah in einer Phase, in der die Behörde, deren Gesamtetat bei etwa einer Milliarde Dollar liegt, nach eigener Darstellung unter einer klaffenden Budgetlücke litt. Die Anwohner der betroffenen Gebiete warteten derweil auf das, wofür das Geld ursprünglich bestimmt war: die Reparatur oder den Ersatz ihrer zerstörten Häuser. Hunderte, nach anderen Erhebungen mehr als tausend Familien, fanden sich in provisorischen Unterkünften wieder, als die Stürme längst weitergezogen waren.
Eines dieser geförderten Projekte trägt den beinahe poetischen Namen Starway Village. Eine Anlage mit 278 Einheiten, neun Millionen Dollar schwer, errichtet für Menschen mit einem Jahreseinkommen von etwa fünfundvierzigtausend Dollar, zwölf Meilen vom Strand entfernt. Die Bewohner müssen keine Hurrikanopfer gewesen sein, um dort einziehen zu können. Diese Bedingung geht aus den Programmanforderungen hervor, und sie ist die Einzelheit, die in der Architektur der gesamten Hilfsmaßnahme auffällt: die Dringlichkeit der geflüchteten Familien und die Förderwürdigkeit der bezahlbaren Wohnungen sind zwei Stränge, die einander nicht notwendigerweise berühren.
Die Administration des Gouverneurs, der inzwischen für einen umkämpften Senatssitz kandidiert, lehnte eine Stellungnahme ab. Das NCORR seinerseits verteidigte die Mittelverteilung. Man habe, so eine Sprecherin, die Programme in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wohnungswesen und Stadtentwicklung, HUD, festgelegt, unter Einhaltung aller bundesrechtlichen Vorgaben und nach Konsultation lokaler Regierungen, Gemeinschaftsorganisationen und öffentlicher Anhörungen. Es klingt nach Aktenmäßigkeit, nach einem sauberen Verfahren, nach dem, was eine Behörde sagt, wenn sie gefragt wird, warum sie tat, was sie tat. Man habe, so die Behörde weiter, ein abwechslungsreiches Programmportfolio anstreben müssen, wie von HUD empfohlen. Die Verfügbarkeit von Wohnraum sei ein Schlüsselelement der kommunalen Erholung.
Eine Reportage des Senders WHQR indessen fand Jahre nach den Stürmen heraus, dass über tausend Familien noch immer nicht in reparierten oder wiederaufgebauten Häusern lebten. Die Zahl steht im Raum, und mit ihr die Gegenfrage: Wenn das ReBuild-NC-Programm des NCORR nach eigener Auskunft 4240 Familien in sichere, widerstandsfähigere Wohnungen zurückgebracht hat — was geschah mit den übrigen? Wie viele dieser Familien gehören in die Statistik der Geförderten, wie viele blieben bei jenen, die zählten, ohne gezählt zu werden?
Es ist eine Frage, die sich nicht allein in den Bahnen einer Parteipolitik beantworten lässt, auch wenn die Tonlage in Wahlkampfzeiten eine andere sein mag. Republikanische Kritiker sprechen von Fehlleitung; Cooper tritt gegen einen republikanischen Gegenkandidaten an. Das NCORR hält dagegen, dass bezahlbarer Wohnraum zu den anerkannten Pfeilern einer Katastrophenerholung gehöre.
Was bleibt, ist die nüchterne Buchführung: hundert Millionen Dollar, die ihre Adressaten erreichten — verifizierbar, dokumentiert, in den Bilanzen verzeichnet. Daneben, ohne präzise Gesamterfassung, die Zahl derjenigen, deren Dächer noch immer nicht dort sind, wo sie hingehören. Über ihren Köpfen, nicht in den Akten einer Behörde.
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