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5. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Lulas Karten, drei Tage vor der Wahl: Seltene Erden zwischen Trump und Peking

5. Oktober 2026 — — Kastner

Drei Tage vor einer Wahl, die alles entscheiden kann, sprach Luiz Inácio Lula da Silva in einen Podcast, und was er sagte, klang wie die Ouvertüre zu einem Stück, das noch niemand vollständig gelesen hat. Auf Flow, einem der meistgehörten Formate des Landes, nannte der brasilianische Präsident China einen möglichen Partner für seine Pläne mit kritischen Mineralien — am Donnerstagabend, am Samstag darauf würde das Volk an die Urnen gehen, und am Sonntag, so heißt es, liege alles wieder auf dem Tisch.

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Lula sagte, Brasilien solle aufhören, rohes Erz zu verschiffen. „Wir wollen sie hier in Brasilien verarbeiten“, sagte er über die Mineralien. Das klingt nach Industriepolitik, nach Souveränität, nach dem alten Traum eines Landes, das seine Bodenschätze nicht länger als bloße Fracht begreift. Aber es klingt auch nach einem Mann, der zwei Türen gleichzeitig öffnet, damit der Wind nicht zu stark aus einer einzigen Richtung weht.

Gefragt, ob China in diese Pläne passe, antwortete Lula, das Land könne ein Partner sein, der „Technologie zu uns bringt“ — und dasselbe gelte für die Vereinigten Staaten. „[Donald] Trump muss wissen, dass er sich um die Vereinigten Staaten kümmert. Ich kümmere mich um Brasilien." Ein Satz, der wie Diplomatie klingt, in Wahrheit aber Architektur ist: zwei Säulen, ein Dach, eine offene Frage im Fundament.

Brasilien verfügt nach China über die zweitgrößten Seltene-Erden-Reserven der Welt, und sowohl Washington als auch Peking suchen Lieferketten außerhalb der jeweils anderen Kontrolle. Dass Lula, während er mit Trump über Seltene Erden verhandelt, chinesische Investoren als „mutige Konkurrenten" lobt, ist kein Zufall und kein Versehen. Es ist ein Hebel, und Hebel funktionieren nur, wenn das Material, an dem sie ansetzen, ein Gewicht hat.

Doch die zweite Stimme im Chor kommt aus einer anderen Ecke. Dort ist nicht mehr von Geopolitik die Rede, sondern von Bilanzen, Dividendenrenditen, chinesischen Anlegern, die sich in ihrem eigenen Markt nach Werten mit hohen Ausschüttungen umsehen. Was hat eine Dividendenrendite mit einem Erz in Minas Gerais zu tun? Mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Denn wenn chinesisches Kapital sich stärker an Hauskäufern und Konsumwerten orientiert als an Übersee-Minen, dann ist die Bereitschaft, in lateinamerikanische Aufbereitungsanlagen zu finanzieren, eine andere Größe, als die Rhetorik vermuten lässt.

Die offenen Fragen stehen unausgesprochen im Raum. Welche Technologie soll nach Brasilien kommen — die der Verarbeitung, die der Trennung, die der Permanentmagneten, die der Recyclingschleifen? Zu welchen Konditionen? Mit welchen Auflagen, welcher lokalen Wertschöpfung, welchem Anteil an geistigem Eigentum? Lula sprach von beiden, dem Westen und dem Osten, als seien sie austauschbar. Sie sind es nicht. Wer seine Rohstoffe veredelt, gibt die Kontrolle über den Stoff ab und gewinnt die Kontrolle über den Prozess — oder auch nicht. Es kommt auf die Verträge an, und Verträge sind, das hat man in Genf gelernt, das Papier, auf dem die Wahrheit am längsten überlebt.

Dass Brasiliens Senator Flavio Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten, parallel in Washington die Nähe zu Trump sucht, während Lula in einem Podcast die Türen nach Peking offenhält, gehört zur Mechanik dieser Wahl. Es ist keine Doppelzüngigkeit. Es ist Doppelstrategie, und Doppelstrategie verlangt, dass man weder den einen noch den anderen Partner vollständig vor den Kopf stößt.

Drei Tage, zwei Namen, ein Bodenschatz. Was folgt, ist kein Handelsabkommen im klassischen Sinn. Es ist die Vorzeichnung einer Infrastruktur, in der die Drähte der nächsten Computergeneration, der nächsten Rüstungsgüter, der nächsten Windräder verlaufen werden — und wer sie legt, legt die Zukunft. Lula weiß das. Peking weiß das. Washington weiß das. Und Brasilien, das Land zwischen den Kontinenten, spielt einmal mehr den Mittler, den der eine den Freund und der andere den Schurken nennt.

Am Ende, so darf man vermuten, wird weder „mutig" noch „Partner" das letzte Wort sein, das in den Vertrag geschrieben wird. Es wird ein technischer Anhang sein, ein Passus zur Übertragung von Know-how, ein Hinweis auf die Dauer der Lizenz. Die Mineralien bleiben im Boden. Die Verarbeitung kommt — oder kommt nicht. Und die Wähler, die am Sonntag entscheiden, werden sich vermutlich an anderen Sätzen orientieren als an denen über Seltene Erden. Aber die Maschine läuft. Die Verträge werden vorbereitet. Und die Handschuhe, mit denen unterschrieben wird, sind längst aus Leder.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 4 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Lula praised Chinese investors as 'bold rivals' during negotiations on rare earths with Trump

    „Brazil’s Lula hails ‘bold’ Chinese investors as rival pitches rare earths to Trump“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT China und die USA könnten Technologie nach Brasilien bringen

    „it could be a partner “bringing technology to us”, as could the United States.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZITAT China's investors are turning to companies with high dividend yields in the Chinese market

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Lula suggested Brazil should process minerals locally rather than exporting raw ore

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „Brazil should stop shipping out raw ore. “We want to transform them here in Brazil,” he said of the minerals.“

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 2 davon belegt · 4 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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