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Terminal Tribune

5. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Moncloa, fünfter Oktober — die Eröffnung einer Niederlage

5. Oktober 2026 — — Kastner

Madrid, fünf Uhr drei. Die Stunde, in der die Welt noch schläft und die Ministerpräsidenten wach sind. Pedro Sánchez, acht Jahre im Amt, drei Legislaturperioden lang, ohne je eine eigene Mehrheit zu erringen, trat vor die Kameras von Moncloa und eröffnete eine Partie, deren Ausgang er nicht kennen kann, deren Mechanik ihm aber so vertraut ist wie kaum einem anderen. Der neunundzwanzigste November als Wahltag: das ist die Antwort auf ein Parlament, das ihm am Freitag die Wohnungsdekrete verweigerte; auf eine Straße, die am Samstag mit siebzigtausend Menschen gegen ihn aufstand; auf eine Frau von siebenundachtzig Jahren, die sieben Jahrzehnte in derselben Wohnung lebte, bis ein internationaler Investitionsfonds das Haus kaufte und die Miete erhöhte. Ihr Name, notiert von Reuters und Al Jazeera, wird in dieser Geschichte stehen bleiben, auch wenn er in Moncloa nicht fallen wird: Marai del Carmen Abascal.

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Sánchez sprach von Fehlern. „Ich weiß, dass ein Teil dieser sozialen Mehrheit heute unzufrieden ist", sagte er, und wer die Eröffnung solcher Fernsehansprachen kennt, weiß, dass dieses Eingeständnis beides sein muss — Eingeständnis und Programm. „Wir müssen die Unterstützung der Menschen erneuern", sagte er weiter, „wir müssen eine viel größere progressive Mehrheit im Parlament gewinnen, eine, die es uns erlaubt, die vested interests zu überwinden." Der Mann ist ein Fuchs. Füchse reden auch dann mit klarer Stimme, wenn der Wald um sie herum brennt, und sie reden besonders klar, wenn sie wissen, dass ihnen nur noch eine Richtung bleibt.

Diese eine Richtung hat in den Dossiers der Meinungsforschungsinstitute einen Namen: Volkspartei und Vox in einer Koalition. Erstmals seit dem Tod Francos würde damit eine rechtsextreme Partei in die spanische Zentralregierung einziehen. Die Umfragen halten diese Konstellation für das wahrscheinlichste Ergebnis. Sánchez selbst hat das Spiel einmal in umgekehrter Richtung gespielt, als er den konservativen Mariano Rajoy stürzte, nachdem Korruptionsskandale die Volkspartei erschütterten. Nun droht ihm, was er damals einem anderen zufügte — nur ohne Korruptionsanklage, nur mit einer versagten Abstimmung über Mieten.

Was Sánchez sagt, ist das eine. Was er nicht sagt, ist das andere. Er sagt nicht, dass seine Koalition aus Sozialisten, Separatisten und der äußersten Linken seit 2023 keinen Haushalt mehr verabschiedet hat. Er sagt nicht, dass die spanische Wirtschaft dennoch eine der am besten performenden der entwickelten Welt ist, was das politische Versagen umso deutlicher konturiert. Er sagt nicht, dass ihm seine internationalen Positionen — die Anerkennung Palästinas, die Verteidigung multilateraler Institutionen, das Vorgehen gegen die „Tech Oligarchs" — in New York und Brüssel Applaus einbrachten, ihm in Spanien selbst aber Wähler kosteten. Er sagt nicht, dass das Zentrum in Europa schrumpft und die Ränder wachsen, eine Welle, die Spanien nun erreicht, und dass er es wusste, als er Rajoy stürzte, und dass er es weiß, seit er diese Wahl ansetzt.

Die Nachricht selbst erreichte uns über AFP und Reuters, aufgegriffen vom Straits Times, weitergetragen von Al Jazeera, am Vorabend bereits von Bloomberg antizipiert, am Montag von der Deutschen Welle als vollzogen bestätigt. Die ursprüngliche Pressemitteilung aus dem Amt des Ministerpräsidenten ist so glatt, wie Pressemitteilungen es sind, wenn sie aus dem Amt eines Ministerpräsidenten kommen, der gerade eine Wahl ausruft. Konsultationen mit den engsten Beratern habe es gegeben, schreibt die Deutsche Welle. Wir erinnern uns: Konsultationen sind in solchen Fällen keine Beratungen. Sie sind Bestätigungen dessen, was ohnehin beschlossen wurde.

Am neunundzwanzigsten November wird gewählt. Bis dahin werden die Handschuhe getragen, die Reden gehalten, die Sätze zitiert, die man später nicht mehr hören wird. Die Eröffnung ist gemacht. Das Ende ist eingeplant.

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