Die Choctaw und der Präsident: Eine Seltenheit und ihre Inszenierung
Es gibt Orte in diesem Land, an denen die politische Landkarte leiser wird. Durant, Oklahoma, gehört dazu. Eine Kleinstadt im Südosten des Staates, auf dem Boden der Choctaw Nation. Am Donnerstagabend um sieben Uhr Eastern Time wird hier ein Mann auf einer Bühne stehen, der in fünfundvierzig Tagen keine einzige Stimme auf dem Stimmzettel haben wird — und der dennoch so spricht, als gelte sein Name noch jedem Wahlzettel, der im November gedruckt wird.
Donald Trump hält dort eine Wahlkampfkundgebung ab, im Choctaw Nation Event Center. Eingeladen hat, offiziell, ein republikanischer Gouverneurskandidat aus Oklahoma. Der Boden, auf dem die Veranstaltung stattfindet, gehört einem Volk, dessen Beziehung zur amerikanischen Präsidentschaft älter ist als die meisten Flaggen, die heute in dieser Stadt wehen.
Denn Stammes-Delegationen reisen seit der Frühen Republik nach Washington. Sie haben Audienzen erbeten, Verträge unterzeichnet, gehört und nicht gehört worden. Was selten geschah — und bis heute selten geschieht — ist die Gegenbewegung: dass ein Präsident den Weg in die andere Richtung nimmt, hinauf in das Land der Choctaw, hinüber in die Reservation.
Trumps geplante Kundgebung wird, so berichten mehrere Quellen übereinstimmend, die jüngste in einer Reihe derart seltener Besuche sein. Es ist der dritte amtierende U.S. Präsident, der in Durant und auf dem Boden der Choctaw Nation Station macht. Das Wort „amtierend" trägt dabei einiges an Gewicht: Es bezeichnet einen Präsidenten im Amt, nicht einen Kandidaten. Dass nur zwei seiner Vorgänger diesen Weg fanden, ist eine statistische Aussage, die mehr verrät als jede Sonntagsrede über nationale Einheit.
Die Stadt Durant bereitet sich vor. Die Mechanik des modernen Wahlkampfs nimmt ihren gewohnten Gang, ohne Rücksicht auf den Boden, auf dem sie stattfindet.
Chief Gary Batton, das gewählte Oberhaupt der Choctaw Nation, hat den Präsidenten in einer offiziellen Erklärung willkommen geheißen. Er äußerte die Hoffnung, der Besuch biete Trump eine Gelegenheit, mehr über die Stammesouveränität zu lernen. Man kann diese Worte lesen als das, was sie sind: eine diplomatische Geste zwischen einer anerkannten souveränen Nation und einem Staat, der sie einst unterwarf. Man kann sie aber auch im Kontrast lesen zu dem, was die Veranstaltung ihrem Wesen nach ist — eine Wahlkampfkundgebung im Endspurt der midterm-Saison, ein weiterer Halt auf einer Marathon-Tour.
Genau an dieser Stelle öffnet sich eine Bruchlinie in der Berichterstattung. Während die einen Quellen den Besuch als politische Veranstaltung im Stammesgebiet rahmen, betonen andere den Bildungsauftrag, den der Präsident angeblich wahrnehmen soll. Die eine Lesart: eine Bühne unter vielen in einem Zweiunddreißig-Tage-Rhythmus, gesteuert aus dem Weißen Haus. Die andere: ein Akt der Anerkennung auf historischem Boden. Beide können nicht zugleich vollständig zutreffen. In diesem Spalt sitzt die Frage, die dieser Abend aufwirft.
In Ohio, achthundert Meilen nordöstlich, hat Trump am Wochenende bei einer Kundgebung in Vandalia den Charakter seiner Auftritte selbst deutlich gemacht. „Stellt euch vor, ich stehe zur Wahl", sagte er. „Wenn ich kandidiere, gewinnen wir." Am selben Tag, so berichtet die New York Post, hatten 1.400 Mitarbeiter des Navistar-Lastwagenwerks in Springfield ihre Kündigung erhalten. Einer von ihnen, Kyle Bos, dreißig Jahre alt, dreifacher Trump-Wähler, sagte der Zeitung, er sei fertig mit dem Präsidenten. Diese beiden Sätze gehören nicht direkt zur Geschichte der Choctaw Nation. Aber sie zeigen, was eine Wahlkampfkundgebung in diesem Zyklus ist: ein Versprechen, das in der gleichen Woche an einer anderen Adresse bereits bricht.
Trump pries in Ohio Investitionen an — 400 Millionen Dollar von Stellantis, 850 Millionen von Electra Aerospace, 2,2 Milliarden von Bayer. „Euer Staat boomt", sagte er. „Jeder Staat boomt." Man darf diese Sätze im Kopf behalten, während man an die 1.400 Arbeiter denkt. Man darf sie auch lesen, ohne sie zu kommentieren.
Zurück nach Durant. Die Uhrzeit der Kundgebung: 19 Uhr Eastern, 18 Uhr Central. „Watch Live", schreiben die Quellen, als handele es sich um ein Spektakel, das man nicht verpassen dürfe. Die Stadt rüstet sich. Der Präsident kommt. Die Halle öffnet sich. Die Kameras werden rollen.
Was die Bilder zeigen werden, ist ein Mann auf einer Bühne im Land der Choctaw. Was sie nicht zeigen werden, ist die Frage, die Chief Batton in seiner Erklärung leise aufgeworfen hat — in der Sprache der Diplomatie, jener Sprache, die zwischen Souveränen gesprochen wird, wenn keine Seite zugeben will, worüber gerade verhandelt wird.
Die Frage ist nicht neu. Sie lautet: Was bedeutet es, wenn die mächtigste Person des Landes auf den Boden einer anderen souveränen Nation tritt, nicht als Gast einer Regierung, sondern als Kandidat einer Partei? Wessen Souveränität wird an diesem Abend sichtbar? Und wie lange wird es dauern, bis der nächste Präsident den gleichen Weg findet?
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