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7. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Zahl 1.775 und das Telefonat, das noch nicht stattfand

7. Oktober 2026 — — Kastner

Manche Zahlen leben länger als ihr Anlass. Die 1.775 etwa, die in diesen Tagen durch die sozialen Medien geistert, war nie das, wofür man sie hielt — und doch hält sich das Gerücht mit der Hartnäckigkeit einer Legende, die niemand mehr überprüfen will.

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Die Fakten, nüchtern aufgezählt: Auf einer Wahlkampfkundgebung in Vandalia, Ohio, am 3. Oktober sprach der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, über jenen Betrag, den seine Regierung den Angehörigen der Streitkräfte als sogenannte „Warrior Dividend" zugesagt hatte. Die Summe, die ihm Beamte auf den Schreibtisch gelegt hatten, lautete 1.775 Dollar. Trump sagte, wie Snopes dokumentiert, in wörtlicher Rede: „Sir, wir können 1.7— Können Sie das glauben? Wir können 1.775." Im selben Atemzug pries er sich selbst als Person mit „sehr hoher Intelligenz" an, „unter den höchsten weltweit". Einige sozialen Medien schnitten die Stelle so, dass aus dem Soldatenbonus ein Intelligenzquotient wurde. 1.775 als Intelligenzmaß — ein Maß, der den höchsten je im Guinness-Buch verzeichneten Wert bei Weitem sprengen würde, denn der lag bei 228, bevor die Kategorie 1990 zurückgezogen wurde.

Trump hat also nicht behauptet, sein Intelligenzquotient betrage 1.775. Das Video ist authentisch. Die Bildunterschrift war es nicht. Die Faktenprüfung wertete dies als „Miscaptioned" — ein Bild, dem sein Text abhanden kam.

Neben dieser Zahl steht eine andere Sache. Eine Laborantin, 28 Jahre alt, gestorben am Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien. Sie arbeitete am Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten. Der Verdacht stand im Raum: Lungenpest, hervorgerufen durch das Bakterium Yersinia pestis, eine schwere Form der Infektion, die von der Lunge ausgeht und mit Antibiotika behandelt werden kann, so die Therapie früh beginnt.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte auf der Plattform X mit, sie habe Kenntnis von Berichten über einen Verdachtsfall einer Lungenpest in der russischen Region Irkutsk, der zum Tod eines Menschen geführt habe, und beobachte die Entwicklungen aufmerksam. Die Behörde machte zugleich deutlich, dass der berichtete Fall nicht bestätigt sei.

Die für Seuchenbekämpfung zuständige russische Behörde erklärte indes, der Tod sei nicht auf einen Pesterreger zurückzuführen. Als Todesursache nannte sie eine „Lungenentzündung unbekannter Herkunft". Eine Diagnose, die das Fragen nicht beendet, sondern vermehrt.

Das US-Außenministerium forderte die russischen Behörden auf, Informationen schnell und transparent mitzuteilen. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Regierungsbeamte, die USA hätten Moskau gewarnt, dass es internationalen Gesundheitsverpflichtungen zuwiderlaufe, wenn Einzelheiten zum Tod der Labormitarbeiterin nicht offengelegt würden. Russland habe den USA bislang nur wenige Informationen zur Verfügung gestellt.

Die US-Botschaft in Moskau wies auf ihrer Website darauf hin, dass die Möglichkeiten der US-Regierung, Amerikanerinnen und Amerikanern in Russland zu helfen, insbesondere außerhalb der Hauptstadt begrenzt seien. Mitarbeiter müssten wegen Gesundheits- und Sicherheitsbedenken möglicherweise mit zusätzlichen Beschränkungen für private und dienstliche Reisen in einzelne Regionen rechnen.

Und in dieses Geflecht aus offenen Fragen hinein kündigte Trump an, mit Kremlchef Wladimir Putin telefonieren zu wollen. Auf die Frage einer Reporterin, ob er bereits mit Putin über den Fall gesprochen habe, sagte er in Washington: „Ich habe einen Termin für ein Telefonat." Es werde sehr bald stattfinden.

Was in diesem Gespräch verhandelt werden wird, blieb offen. Ob es um die Forderung nach Transparenz geht, um die Klärung der Todesursache, um die Einordnung eines biologischen Verdachts oder um die schlichte Geste diplomatischer Aufmerksamkeit — darüber schweigen sowohl das Weiße Haus als auch der Kreml.

Die Zahl 1.776, der Soldatenbonus, ist inzwischen ausgezahlt. Die Zahl 1.775, die nie ein Intelligenzmaß war, geistert weiter durch die sozialen Netzwerke. Und die Zahl null steht vorerst hinter der Antwort auf die Frage, was eine 28-Jährige in einem sibirischen Labor sterben ließ.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZAHL 1,775

    „They came back with 1,775 and they put it on my desk. "Sir, we can do 1,7—" Can you believe this? "We can do 1,775." they said.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Trump will mit Putin über einen Pestverdacht sprechen

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

2 Quellen · 1 davon belegt · 4 externe Belege · 2 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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