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7. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Großzügigkeit des Herrn Mészáros

7. Oktober 2026 — — Kastner

Manche Wohltaten kommen ohne Worte aus. Sie stehen in keiner Bilanz, sie werden nicht angekündigt, sie tragen keinen Absender. So wie die Spenden, die zwischen dem ungarischen Bahngiganten V-Híd Zrt. und dem sogenannten Megafon Center geflossen sind, jener Organisation, die seit 2020 nach eigenem Bekunden „professionelle Facebook-Krieger" ausbildet, um konservative Ideen zu verbreiten — wobei die Ideen erfahrungsgemäß die der Regierungspartei Fidesz und ihres langjährigen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sind.

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Die Spuren dieser Wohltaten hat das ungarische Recherchebüro Direkt36 nun zusammengetragen, gemeinsam mit dem International Consortium of Investigative Journalists. Die Dokumente, die den Investigativjournalisten vorliegen, sind Spendenvereinbarungen, Überweisungsbelege und interne E-Mails. Sie zeigen: Seit mindestens 2022 haben V-Híd Zrt., R-Kord Kft. und Kontúr Csoport Kft. — allesamt Teil der Unternehmensgruppe des Milliardärs Lőrinc Mészáros — mindestens 4,5 Milliarden Forint an Megafon überwiesen, umgerechnet rund 13,5 Millionen Dollar. Das entspreche etwa einem Drittel der Einnahmen der Organisation in dem genannten Zeitraum.

Dass diese Summen fließen konnten, hat seine eigene Vorgeschichte. Lőrinc Mészáros, ehemaliger Bürgermeister des Dorfes Felcsút, gilt als reichster Mann Ungarns, mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet 5,8 Milliarden Dollar. Sein Imperium wuchs über Jahre hinweg mit staatlichen Aufträgen, vergeben unter der Regierung Orbán. In einem Medieninterview brachte er es selbst auf eine schlichte Formel: „Gott, das Glück und Viktor Orbán haben sicherlich eine Rolle dabei gespielt, dass ich heute dort bin, wo ich bin."

Die Aufzeichnungen, die Direkt36 ausgewertet hat, geben diesem Glück eine Zahl. Bereits 2022 überwies V-Híd demnach knapp eine Million Dollar an Megafon. Eine andere Mészáros-Firma lieferte, so zeigen Belege, kurz vor der ungarischen Parlamentswahl im April 2022 weitere rund 300.000 Dollar nach. Im Februar 2023 schrieb der Megafon-Gründer István Kovács an den CEO von V-Híd: „Im Namen des gesamten Megafon-Teams möchte ich mich nochmals herzlich für Ihre bisherige Unterstützung bedanken." Eine Woche später, so zeigen die Unterlagen, überwies die Finanzabteilung des Bauunternehmens weitere 1,4 Millionen Dollar; wenige Monate danach folgten 1,1 Millionen. Im Jahr 2024 beliefen sich die Zahlungen von V-Híd an Megafon auf rund neun Millionen Dollar.

Die Summen fanden ihren Weg in eine Apparatur, die in dieser Größenordnung sonst nur Parteien oder Regierungen bedienen. Nach Berechnungen des unabhängigen Mediums Telex gab Megafon im Jahr 2024 fast sechs Millionen Dollar für politische Werbung auf Facebook aus — mehr als Fidesz und die ungarische Regierung zusammen. Die Organisation, so zeigt die Recherche weiter, hat nie öffentlich gemacht, wer sie finanziert, und stets erklärt, keine staatlichen Mittel zu erhalten.

Anfragen von Direkt36 an V-Híd und Megafon blieben unbeantwortet.

Was am Ende bleibt, ist die Architektur einer Großzügigkeit, die in keinem offiziellen Protokoll auftaucht: ein Bahngigant, der seine Aufträge überwiegend dem Staat verdankt; eine Stiftung, die konservative Ideen verbreitet; und dazwischen Milliarden in Forint, die ihren Weg von der einen Seite zur anderen finden, ohne jemals offiziell als Spende bezeichnet zu werden. Das Schweigen, das auf Anfragen folgt, ergänzt das Bild, ohne es zu erklären.

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