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8. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Pluteos und die versilberten Geheimnisse der Republik

8. Oktober 2026 — — Kastner

Es gibt Sätze, die hört man in Sicherheitsbehörden oft. Einer lautet: *Wer einmal drin war, bleibt drin.* Er meint die Informationskanäle, die Netzwerke, das Wissen darüber, welcher Akteur welchen Druckpunkt besitzt. Er meint nicht das Bürogebäude. Wenn ein Mann wie August Hanning an einem Dienstag festgenommen wird — wegen *landesverräterischer Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats und Spionage* —, dann erzählt die Republik seit Tagen vor allem über die Handschellen. Die interessantere Akte allerdings liegt anderswo. Sie liegt in jenem freundlichen, juristisch einwandfreien, betriebsam lächelnden Geschäftsfeld, in dem ehemalige Geheimdienstchefs ihr Wissen zu Geld machen, ohne dass die Republik auch nur die Augenbrauen hebt.

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CORRECTIV-Reporter Max Bernhard, Till Eckert und Alexej Hock haben die Fakten zusammengetragen. Es lohnt sich, sie langsam zu lesen.

Nach seinem Ausscheiden beim BND im Jahr 2005 berät Hanning mehrere Firmen. Bei der Sicherheitsfirma Pluteos übernimmt er den Präsidentenposten; bei der Tochterfirma System 360 sitzt er in der Geschäftsleitung. Keines der beiden Unternehmen veröffentlicht, wer hinter den Anteilen steht. Nach eigenem Bekunden bedient Pluteos weltweit Konzerne, private Organisationen und Regierungsbehörden. Das Angebot reicht von *rechtmäßig beschafften exklusiven Informationen* im Wirtschaftsbereich über Cyber-Sicherheitslösungen bis hin zu geopolitischen Berichten. Wer das Wort *rechtmäßig* in einer solchen Aufzählung unterbringt, formuliert mit Absicht so, dass es gerade noch trägt — und gerade nicht mehr.

Mit Hanning im Raum sitzt Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, im Amt von 2012 bis 2018. Wie der *Stern* 2020 berichtete, ist er als Berater für Pluteos tätig. Auf dessen Verwaltungsrat findet sich zudem kurzzeitig Frank-Martin Heise, der frühere Chef des Hamburger Landeskriminalamtes. Die Runde, mit anderen Worten, liest sich wie das Who-is-who jener Leute, denen der Staat einst klar gekennzeichnete Türen geöffnet hat.

Als die Bundesregierung gefragt wird, ob sie Bedenken wegen Maaßens Tätigkeit habe, antwortet der damalige Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Stephan Mayer von der CSU, man habe *keine Hinweise darauf, dass dienstlich erworbene, der Amtsverschwiegenheit unterliegende Kenntnisse verwertet würden*. Man notiere das, ohne zu kommentieren. Das Fehlen von Hinweisen ist, in einem Gewerbe, dessen Berufsethos im Verbergen von Hinweisen besteht, kein besonders beruhigender Befund.

Die Geschichte endet nicht bei Pluteos. Recherchen von CORRECTIV zufolge unterhalten sowohl Hanning als auch Maaßen Verbindungen zu Augustus Intelligence, einem inzwischen insolventen US-KI-Startup. Maaßen heuerte dort wenige Monate nach seinem Ruhestand an. Das Unternehmen sah sich während der Insolvenz mit Betrugsvorwürfen konfrontiert; außerdem geriet es wegen eines Lobby-Skandals um den CDU-Politiker Philipp Amthor in den Blickpunkt.

Was die Sache eigentlich skandalisiert, ist nicht das eine Geständnis oder die eine Straftat. Es ist die Architektur. Ein Staat bildet seine Diener in der Akquise sensiblen Wissens aus. Derselbe Staat entlässt diese Diener nach Jahrzehnten mit einer Pension in den Markt. Der Markt verwertet das Mitgenommene. Und derselbe Staat, befragt, ob ihn das beunruhige, sagt, er sehe keinen Anlass. Versuche, die Regeln für ehemalige Geheimnisträger zu verschärfen, hat es immer wieder gegeben. Die Bundesregierung ist untätig geblieben. Ex-Spione im Ruhestand werden behandelt wie andere pensionierte Beamte auch — eine Formulierung, die administrativ sauber, politisch bequem und, mit Verlaub, institutionell naiv klingt.

Das für das Beamtengesetz zuständige Innenministerium gibt sich dieser Tage gelassen. Wer in Behörden das Wort *gelassen* benutzt, verrät in der Regel weniger Zuversicht als Erschöpfung. Es ist die Haltung einer Verwaltung, die lieber nicht ganz genau hinschaut bei dem, was sie schon beschlossen hat, nicht zu sehen.

Hanning, in Untersuchungshaft, schweigt vermutlich zu allem. Das ist sein früheres Handwerk. Es wäre nur konsequent, wenn die Republik zur selben Disziplin fände.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 1 Behauptung belegt
  1. ZITAT Versilberter Staatsdienst: Die Geschäfte von Deutschlands Ex-Spionen

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Herangezogene Quellen

1 Quelle · 1 davon belegt · 4 externe Belege · 1 prüfbare Behauptung

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