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9. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Feuersäge kehrt zurück – Hasans Hinrichtung und die Wunde von Fort Hood

9. Oktober 2026 — — Kastner

Man schreibt das Jahr 2026, und das US-Militär bereitet eine Hinrichtung vor, wie sie in diesem Land seit sechs Jahrzehnten nicht mehr stattgefunden hat. Nidal Malik Hasan, ehemaliger Major der Army und Psychiater, soll am 3. Dezember um 13 Uhr mittags in Fort Hood, Texas, von einem Erschießungskommando hingerichtet werden. So hat es das Pentagon am Montag bekannt gegeben. Präsident Donald Trump habe, auf Empfehlung von Kriegsminister Pete Hegseth, die Exekution durch ein Feuersägenkommando der US-Armee genehmigt.

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Dass diese Form der Vollstreckung gewählt wurde, ist kein Zufall und auch keine Marotte. Es ist die logische Konsequenz eines Staates, der seine eigenen Verfahren so lange ruhen ließ, bis er vergaß, wie man sie anwendet. Die Hinrichtung Hasans wird die erste militärische Exekution in den Vereinigten Staaten seit dem 13. April 1961 sein, als der Gefreite John Bennett nach einem gescheiterten Mordversuch an einem elfjährigen Mädchen in Österreich gehenkt wurde. Fünfundsechzig Jahre Schweigen. Und nun, als müsste man das Arsenal der Grausamkeit erst wieder sortieren, fällt die Wahl auf jene Methode, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kein amerikanisches Militär mehr angewandt hat: die Feuersäge.

Es ist eine bemerkenswerte Verdoppelung. Man feiert, was man nicht feiern sollte, und man erinnert sich an das, was man vergessen wollte. Die offizielle Mitteilung spricht von der ersten Hinrichtung seit 1961 und verschweigt beharrlich, dass es die erste Hinrichtung durch ein Erschießungskommando seit 1945 ist. Diese Auslassung hat System. Wer die historische Linie nachzeichnet, muss zugeben, dass das Militär in den vergangenen zwei Generationen zwar Todesurteile verhängte, aber nicht vollstreckte. Präsident George W. Bush genehmigte 2008 eine Exekution, doch ein Bundesgericht stoppte das Verfahren. Danach: Stille. Bis ein Präsident kam, dem die Stille nicht mehr passte.

Hasan wurde 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt, vier Jahre nach der Bluttat, die er am 5. November 2009 in Fort Hood anrichtete. Er erschoss dreizehn Menschen. An dieser Stelle beginnen die Quellen sich zu widersprechen. Die New York Post spricht von zwölf getöteten Soldaten und einer zivilen Person, andere Berichte nennen pauschal dreizehn Tote ohne Aufschlüsselung. Es ist eine kleine Zahl, die in der Hektik der Pressemitteilungen untergeht, aber für die Bilanz eines Staates Bedeutung hat. Zweiunddreißig weitere Personen wurden verletzt, mehr als zwei Dutzend, wie es in manchen Darstellungen heißt, eine Formulierung, die das exakte Ausmaß in Nebel auflöst.

Die Tat selbst trägt die Handschrift des Kalküls. Hasan, ausgebildeter Psychiater, wählte den Moment, als seine Opfer in einer Bereitschaftshalle Schlange standen, um sich impfen zu lassen, ein Verwundbarer, der die Verwundbarkeit anderer studiert hatte. Er trug eine Pistole und einen Revolver Kaliber .357 bei sich, betete zuvor in einer Moschee, fuhr dann zur Verarbeitungsstelle. Als er das Feuer eröffnete, rief er "Allahu Akbar", wie Pentagon-Sprecher Sean Parnell auf X festhielt. In seinem Sanity Board Report später, ein Protokoll, das den Geständnischarakter einer klinischen Akte trägt, sagte Hasan: "I shot to kill."

Hasan wurde von einem Polizeibeamten in den Rücken geschossen, ist seitdem querschnittsgelähmt. Er sitzt im Rollstuhl, wird gepflegt, hat ein Urteil überlebt, das in sechs Jahrzehnten nur ein einziges Mal hätte vollstreckt werden sollen. Nun, da der Befehl aus dem Weißen Haus kommt, wird "Judgement day" eingeläutet, wie Parnell es nannte, ein biblisches Vokabular, das im Mund eines Pressesprechers nichts Gutes verheißt.

Die Vorbereitungen laufen unter dem Operationsnamen "Operation Resolute Justice". Wie ABC News berichtete, zirkulierte die Armee im Februar einen Plan, der die Verlegung von vier zum Tode Verurteilten, Hasan und drei weiteren, in eine Haftanstalt in Indiana vorsah. Es ist die Architektur der Verfahren, die zählt, nicht die Tat. Wer wird wann wohin überführt, wer drückt ab, wer ist anwesend, wer beobachtet das Ganze, ohne hinzusehen. Hegseth kommentierte die Entscheidung mit einem einzigen Wort: "Justice." Es ist das kürzeste Urteil, das in diesem Verfahren gesprochen wurde, und vielleicht das ehrlichste.

Diese Wunde bleibt. Dreizehn Namen, die in keiner Pressemitteilung stehen, zweiunddreißig Verletzte, deren Geschichten nur in den Akten der Witwen und Mütter fortleben, und ein Täter, der 2021, während des chaotischen amerikanischen Rückzugs aus Afghanistan, einen Brief an die Taliban schrieb. "We Have Win!!!", steht dort, drei Ausrufezeichen, die Ausrufezeichen eines Mannes, der glaubt, am Ende zu sein, obwohl er es nicht ist. Die Feuersäge wird ihn einholen, am 3. Dezember, um 13 Uhr, auf demselben Boden, auf dem er einst seine Uniform trug. Was bleibt, ist die Frage, die keine offizielle Stelle stellt: Wenn ein Staat sechs Jahrzehnte braucht, um eine Hinrichtung vorzubereiten, und dann ausgerechnet die archaischste aller Methoden wählt, was sagt das über das Verhältnis dieses Staates zu seiner eigenen Geschichte? Die Antwort darauf steht nicht in den Protokollen des Pentagons. Sie steht in der Stille zwischen den Sätzen, die Sean Parnell auf X veröffentlichte.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 5 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL 13 people

    „Hasan was convicted of killing 13 people during the Fort Hood shooting in 2009.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZAHL 2009

    „He killed 13 people and wounded 32 others while shouting 'Allahu Akbar' during the attack.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL 1961

    „Hasan, who was sentenced to death by a military court in 2013, would be the first service member executed by the armed forces since 1961.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Trump approves firing squad for Fort Hood killer Nidal Hasan’s execution

    „“Secretary of War Pete Hegseth has recommended — and President Donald J. Trump has approved — death by U.S. Army firing squad for convicted terrorist Nidal Malik Hasan, the jihadist who opened fire on unarmed American soldiers at Fort Hood in 2009,”“ — wörtlich im Quelltext belegt

  5. ZITAT Pentagon confirmed execution order for Nidal Hasan

    „the Pentagon announced Monday.“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

  • 2 weitere Quellen waren beim Schreiben nicht abrufbar

5 Quellen · 5 davon belegt · 2 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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