Revive – wenn das Klassenzimmer sich vermisst
Thiruvananthapuram, Anfang Oktober. Programme dieser Art werden selten leise eingeführt, aber die Worte, mit denen man sie einläutet, sind es oft. An einem Dienstag in der St. Mary's Higher Secondary School im Stadtteil Pattom sprach N. Samsudheen, Minister für allgemeine Bildung in Kerala, von Verpflichtungen – von der Verpflichtung, „alle Kinder in den Hauptstrom der Bildung zu bringen", wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.
Das Programm trägt einen zweifachen Namen: „Revive – Navajeevanam", ein englisches Wort gefolgt von einem Sanskrit-Begriff, der „neues Leben" bedeutet. Es wird umgesetzt von der Abteilung für allgemeine Bildung durch Samagra Shiksha Keralam, die Behörde, die in Kerala für die staatlichen Schulen zuständig ist. Eingerichtet ist es für Schüler der unteren und oberen Primarstufe, in den Fächern Malayalam, Englisch und Mathematik.
Die Aufgabenliste, die der Minister bei der Eröffnung vortrug, liest sich wie ein Handbuch der schulischen Diagnostik: Lernschwierigkeiten erkennen, wirksame Unterrichts- und Lernaktivitäten implementieren, Lernergebnisse analysieren, die Unterrichtspraxis kontinuierlich verbessern. Vier Verben, die alle in dieselbe Richtung weisen – auf die Vermessung des Bestehenden.
Revive ist, so die Mitteilung, eines von sechzehn Programmen, die im Rahmen des hunderttägigen Regierungsprogramms geplant sind. Samsudheen sprach von Lebenskompetenzen, die vermittelt werden müssten, und von Chancen in weiterführenden Studien und Berufen – zwei Versprechen, die in der Pressekonferenz denselben Satz teilten, ohne dass deutlich wurde, wie das eine aus dem anderen folgen soll.
Zur Eröffnung gehörten die üblichen Konstanten indischer Programmstarts: ein weiterer Minister, diesmal K. Muraleedharan aus dem Gesundheitsressort, übernahm den Vorsitz; K. Mohanakumar, Staatsprojektdirektor von Samagra Shiksha Keralam, war anwesend. Die Architektur einer solchen Versammlung gehorcht eigenen Rhythmen – wer anwesend sein muss, ist anwesend.
Die offizielle Mitteilung beschreibt die Aufgaben des Programms in vier Verben. Welche Indikatoren angelegt werden, nach welchen Maßstäben Lernergebnisse bewertet werden sollen, welche Lehrkräfte die neuen Methoden umsetzen werden – all das werden die Berichte zeigen, die das Programm in den kommenden Monaten begleiten werden.
Immerhin: Die Anerkennung, dass Primarschüler in den drei Kernfächern überhaupt Schwierigkeiten haben, ist eine öffentliche. In einem Schulsystem, das seine Defizite gern als Leistungen verkauft, ist das bereits bemerkenswert. Die Bereitschaft zur Diagnose bleibt eine Diagnose – mehr nicht, weniger nicht.
Indische Schulreform ist immer auch Sprachreform. „Mainstream" klingt nach Inklusion, meint aber oft die Anpassung an einen Maßstab, der außerhalb des Klassenzimmers festgelegt wird. „Kontinuierliche Verbesserung" verspricht Bewegung, ohne die Richtung zu nennen. Wer in solchen Sätzen die Adressaten sucht, findet sie selten.
In Pattom, an einem Dienstag im Oktober, ist das Programm jedenfalls eröffnet. Die Kinder, um die es geht, werden es merken – oder auch nicht. Bildungsreformen werden selten von denen bewertet, die sie betreffen. Sie werden von Berichten bewertet, von Tabellen, von den nächsten Ministern, die das Wort „Revive" in ein anderes Wort verwandeln werden.
Manche Programme altern schneller als die Kinder, für die sie gemacht sind. Dieses hier hat hundert Tage.
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