DIE VERDREIFACHUNG, DIE NICHT STATTFAND
Man hat uns eine Zahl vorgelegt, und die Zahl war zu rund, um wahr zu sein. Das Green Vote, heißt es, habe sich verdreifacht. Dreifach - nehmen wir das Wort ernst, wie wir es gelernt haben, wo Worte zwischen den Zeilen mehr galten als auf ihnen. Dreifach heißt: ein Faktor, der in einem Zeitraum, der kurz genug ist, um Aufmerksamkeit zu verdienen, und lang genug, um Skepsis zu nähren, eine Vervielfachung erfuhr.
Die Quelle ist eine einzige. Das soll uns nicht hindern, sie zu prüfen - im Gegenteil. Eine einzige Stimme, die so laut spricht, verdient einen einzigen Blick, der so scharf ist wie das Skalpell im Licht eines Kronleuchters. Wir prüfen, wir stellen zurück, wir prüfen erneut. So ist das Procedere, wenn eine Zeitung mehr sein will als ein Sprachrohr.
Was wurde berichtet? Ein Anstieg. Ein dreifacher Anstieg. Die Mechanik solcher Mitteilungen ist alt; ich habe sie gesehen, wenn Vertreter Zahlen vorlegten, die für die Heimat gekocht waren, nicht für die Wirklichkeit. Die Verdreifachung ist ein rhetorisches Möbelstück, das in jeder Epoche funktioniert: Sie ist groß genug, um Begeisterung zu wecken, und klein genug, um nicht nach dem Warum gefragt zu werden.
Was wurde erwartet? Hier beginnt das Schweigen.
Denn die Erwartungshaltung ist nicht öffentlich beziffert worden. Es gibt keine veröffentlichte Projektion, gegen die wir die Verdreifachung prüfen könnten. Es gibt nur das Wort selbst, das in der Luft hängt wie der Duft eines Parfüms, das niemand benennen kann. Wir halten fest: Wo Erwartung nicht beziffert wird, kann Übererfüllung nicht gefeiert werden, ohne dass die Feier ihren eigenen Beifall bezweifelt.
Hier öffnet sich die Lücke, die unser Fall ist.
Wenn eine Verdreifachung behauptet wird, dann muss es einen Ausgangspunkt geben - einen Punkt, von dem aus gemessen wurde. Es muss eine Vergleichsbasis geben. Es muss eine Methode geben, nach der verglichen wurde. Beides fehlt. Nicht im Sinne einer Lüge, die hier aufgedeckt werden soll - im Sinne einer Transparenz, die schuldig bleibt. Das ist ein Unterschied, der wichtig ist.
Ich behandle Zahlen wie Männer, die mir die Hand geben. Ich schaue auf die Nägel. Ich frage, woher sie kommen, wohin sie wollen, und warum sie mir gerade jetzt erzählen, was sie mir erzählen. Männer, die lächeln, während sie logen - ich habe sie gekannt, einer nach dem anderen, ihr Lächeln war immer perfekt, ihre Hände immer glatt. Zahlen, die sich verdreifachen, sind nicht anders.
Jede Zahl, die eine Vervielfachung von sich berichtet, wirft eine Frage auf. Die Frage lautet nicht, ob sie wahr ist, sondern wie sie gemessen wurde. Der Zeitpunkt entscheidet. Die Methodik entscheidet. Der Vergleichswert entscheidet. Wer das nicht sehen will, übersieht, wie eine Verdreifachung zustande kommt - oder wie sie nicht zustande kommt.
Wenn das Green Vote sich wirklich verdreifacht hat, dann gibt es einen Grund, warum dieser Grund nicht genannt wird. Wenn es sich nicht verdreifacht hat, dann gibt es einen Grund, warum dieser Grund nicht verschwiegen wird. Es gibt immer einen Grund. Wir kennen ihn nur noch nicht.
Die Überschrift ist bekannt. Die Pointe fehlt.
Wir stehen vor einer einzigen Quelle, und die einzige Quelle spricht von einer Verdreifachung, die sich beim zweiten Hinsehen weigert, eine zu sein. Das ist keine Anklage. Das ist eine Übersetzung. Das ist die Aufgabe, die wir an langen Tischen gelernt haben, an denen Dokumente unterschrieben und am nächsten Morgen vergessen wurden. Die Verdreifachung steht im Raum wie ein Gast, der nicht hereingebeten wurde und nicht gehen will.
Die Lücke zwischen dem, was erwartet wurde, und dem, was berichtet wird, bleibt offen. Sie bleibt offen wie eine Tür in einem Hotel, dessen Korridor kein Ende nimmt. Wer hindurchgehen will, muss seine eigene Laterne mitbringen.
Bis dahin halten wir fest: Eine Zahl, die sich verdreifacht haben will. Eine Methode, die nicht genannt wird. Eine Quelle, die alleine spricht. Eine Erwartung, die unausgesprochen im Hintergrund wartet.
Mehr braucht es nicht, um den Vorgang gerade zu erzählen. Mehr braucht es nicht, um den Sachverhalt verständlich zu machen. Die Geschichte wird dort weitergehen, wo das Licht besser wird - oder wo die Handschuhe dicker werden.
Bis dahin notiere ich. Mit Bleistift. In einem Notizbuch ohne Datum.
Vera Kastner für die Terminal Tribune
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