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Terminal Tribune

9. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

EIN MANN SAGT ›SO STUPID‹ UND ALLE WARTEN AUF DEN COUNTER

9. Oktober 2026 — — Kastner

Manche Sätze sind keine Meinungsäußerungen. Manche Sätze sind Manöver. Jim O’Ni­ll, ehe­ma­li­ger Lei­ter des Natio­nal Eco­no­mic Coun­cil und Lon­gon­der In­ves­tor, hat am ver­gan­ge­nen Diens­tag in ei­nem Ka­me­ra­in­ter­view die Er­hö­hung der Kapi­tal­er­trags­steu­er als „so stu­pid“ be­zeich­net. Auf Eng­lisch, vor lau­fen­den Sen­dern, in ei­ner Stadt die hört.

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Es steht ge­ra­de in den Agen­tu­ren, es steht in den Tweets, es steht in den Kopf­zei­len. Die Aus­sa­ge ist kurz, der Nach­hall ist es nicht. Denn wer so spricht, will nicht über­zeu­gen, son­dern do­ku­men­tie­ren. Wer so spricht, rich­tet sich an ein Pu­bli­kum, des­sen Still­schwei­gen er sich schon si­cher weiß.

Ver­fol­gen wir, was die­ser Satz kon­kret be­wirkt. Eine Er­hö­hung der Kapi­tal­er­trags­steu­er stand in den ver­gan­ge­nen Wo­chen auf der Lis­te der po­li­ti­schen Op­tio­nen, de­ren blo­ße Er­wäh­nung die Kammern in Washing­ton und West­min­ster in zwei Lager spal­tet. Die ei­nen sa­gen, es sei ein In­stru­ment der Um­ver­tei­lung. Die an­de­ren sa­gen, es ver­trei­be das Kapi­tal. O’Ni­ll hat sich ent­schie­den, es in Worte zu fas­sen, die kein Steu­er­be­ra­ter je­man­dem ins Me­mo schrei­ben wür­de. Er hat es laut ge­sagt. Laut­stär­ke ist in sol­chen De­bat­ten kein Ne­ben­pro­dukt, sie ist der Punkt.

Die Fra­ge, die sich nun stellt, ist nicht ob der Satz in sei­ner Sa­che rich­tig oder falsch ist. Die Fra­ge ist, was er in der Me­cha­nik der Steu­er­po­li­tik aus­löst. Ein Wort wie „stu­pid“ aus dem Mund ei­nes Man­nes, der meh­re­re Jahr­zehn­te zwi­schen Re­gie­rungs­bü­ros und Pri­vat­ka­pi­tal ver­bracht hat, ist kein Schimpf­wort. Es ist ein Si­gnal an jene, die der­zeit Ge­set­zes­tex­te for­mu­lie­ren. Es sagt: Hier wird Wi­der­stand or­ga­ni­siert, die Li­ni­en wer­den be­zie­hungs­wei­se schon be­zo­gen, be­vor der ers­te Pa­ra­graph fer­ig ist. Es sagt: Wer die­sen Weg geht, wird ge­mes­sen, be­nannt und zu­or­den­bar ge­macht.

Das ist die Tat­sa­che, die wir heu­te ak­ten­kun­dig fest­hal­ten. Ein ein­zi­ger Mann, ei­ne ein­zi­ge Aus­sa­ge, ein ein­zi­ger Satz. Die Ver­ifi­zie­rung der Ori­gi­nal­quel­le steht aus. Bis die­se nicht vor­liegt, ist jeder Kom­men­tar über die Hin­ter­grün­de, die In­ter­es­sens­la­gen, die stillen An­tei­gnah­mer die­ser Stim­me Spe­ku­la­ti­on. Und Spe­ku­la­ti­on, das wis­sen wir aus den Ak­ten die­ser Re­dak­ti­on, ist das Lieb­lings­spiel jener, die nicht ge­nannt wer­den wol­len.

So hal­ten wir fest, was fest­zu­hal­ten ist. Ein Mann des öf­fent­li­chen Le­bens hat ei­nen be­stimm­ten po­li­ti­schen Vor­schlag in ein Wort ge­fasst, das in sei­ner Wir­kung lau­ter ist als al­le an­de­ren. Die Be­trof­fe­nen — die Ge­setz­ge­ber, die Kapi­tal­ver­wal­ter, die Be­ra­ter in den Flur­gän­gen der Mi­nis­te­ri­en — wer­den den Satz le­sen, wer­den den Satz ver­ste­hen, wer­den sich fra­gen, wer hin­ter dem Satz steht. Wir fra­gen uns das auch. Nur wer die Quel­le be­stä­tigt hat, darf sie auch an­füh­ren.

Die lau­fen­de Steu­er­po­li­tik wird auf die­sen Satz re­agie­ren, ob be­reits heu­te oder in den nächs­ten Ta­gen. Sie muss es, denn ein sol­cher Satz ver­än­dert das Kli­ma ei­ner De­bat­te, be­vor der er­ste Än­de­rungs­an­trag auf dem Tisch liegt. Wir wer­den wei­ter be­rich­ten, so­bald die Ur­kun­de die­ser Aus­sa­ge ver­i­fi­ziert ist und die Re­ak­tio­nen do­ku­men­tiert sind. Bis da­hin steht in die­ser Spal­te nur, was of­fen­kun­dig ist: Jim O’Ni­ll hat es ge­sagt. Die Welt hat es ge­hört. Der Rest ist Ar­beit für jene, die noch wis­sen wol­len, wa­rum.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 0 von 2 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Raising capital gains tax would be 'so stupid'

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT Jim O’Neill made the statement

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

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