EIN MANN SAGT ›SO STUPID‹ UND ALLE WARTEN AUF DEN COUNTER
Manche Sätze sind keine Meinungsäußerungen. Manche Sätze sind Manöver. Jim O’Nill, ehemaliger Leiter des National Economic Council und Longonder Investor, hat am vergangenen Dienstag in einem Kamerainterview die Erhöhung der Kapitalertragssteuer als „so stupid“ bezeichnet. Auf Englisch, vor laufenden Sendern, in einer Stadt die hört.
Es steht gerade in den Agenturen, es steht in den Tweets, es steht in den Kopfzeilen. Die Aussage ist kurz, der Nachhall ist es nicht. Denn wer so spricht, will nicht überzeugen, sondern dokumentieren. Wer so spricht, richtet sich an ein Publikum, dessen Stillschweigen er sich schon sicher weiß.
Verfolgen wir, was dieser Satz konkret bewirkt. Eine Erhöhung der Kapitalertragssteuer stand in den vergangenen Wochen auf der Liste der politischen Optionen, deren bloße Erwähnung die Kammern in Washington und Westminster in zwei Lager spaltet. Die einen sagen, es sei ein Instrument der Umverteilung. Die anderen sagen, es vertreibe das Kapital. O’Nill hat sich entschieden, es in Worte zu fassen, die kein Steuerberater jemandem ins Memo schreiben würde. Er hat es laut gesagt. Lautstärke ist in solchen Debatten kein Nebenprodukt, sie ist der Punkt.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht ob der Satz in seiner Sache richtig oder falsch ist. Die Frage ist, was er in der Mechanik der Steuerpolitik auslöst. Ein Wort wie „stupid“ aus dem Mund eines Mannes, der mehrere Jahrzehnte zwischen Regierungsbüros und Privatkapital verbracht hat, ist kein Schimpfwort. Es ist ein Signal an jene, die derzeit Gesetzestexte formulieren. Es sagt: Hier wird Widerstand organisiert, die Linien werden beziehungsweise schon bezogen, bevor der erste Paragraph ferig ist. Es sagt: Wer diesen Weg geht, wird gemessen, benannt und zuordenbar gemacht.
Das ist die Tatsache, die wir heute aktenkundig festhalten. Ein einziger Mann, eine einzige Aussage, ein einziger Satz. Die Verifizierung der Originalquelle steht aus. Bis diese nicht vorliegt, ist jeder Kommentar über die Hintergründe, die Interessenslagen, die stillen Anteignahmer dieser Stimme Spekulation. Und Spekulation, das wissen wir aus den Akten dieser Redaktion, ist das Lieblingsspiel jener, die nicht genannt werden wollen.
So halten wir fest, was festzuhalten ist. Ein Mann des öffentlichen Lebens hat einen bestimmten politischen Vorschlag in ein Wort gefasst, das in seiner Wirkung lauter ist als alle anderen. Die Betroffenen — die Gesetzgeber, die Kapitalverwalter, die Berater in den Flurgängen der Ministerien — werden den Satz lesen, werden den Satz verstehen, werden sich fragen, wer hinter dem Satz steht. Wir fragen uns das auch. Nur wer die Quelle bestätigt hat, darf sie auch anführen.
Die laufende Steuerpolitik wird auf diesen Satz reagieren, ob bereits heute oder in den nächsten Tagen. Sie muss es, denn ein solcher Satz verändert das Klima einer Debatte, bevor der erste Änderungsantrag auf dem Tisch liegt. Wir werden weiter berichten, sobald die Urkunde dieser Aussage verifiziert ist und die Reaktionen dokumentiert sind. Bis dahin steht in dieser Spalte nur, was offenkundig ist: Jim O’Nill hat es gesagt. Die Welt hat es gehört. Der Rest ist Arbeit für jene, die noch wissen wollen, warum.
❖ Ende des Artikels ❖
