Die Schweiz hat gesprochen — das Gold antwortet
Drei Worte, gefällt in einem Land, das offiziell Schweizerische Eidgenossenschaft heißt — einem Binnenstaat am Schnittpunkt von Mittel-, West- und Südeuropa, eingeklemmt zwischen Deutschland im Norden, Frankreich im Westen, Österreich und Liechtenstein im Osten, Italien im Süden. Die Geographie einer Neutralität, die keine Tugend war, sondern eine Notwendigkeit. Und die Notwendigkeit, so lehrt die Geschichte, wird zur Staatsräson, lange bevor sie zur Legende wird.
"Switzerland has spoken." So steht es zu lesen, in jener zurückhaltenden Großschrift, mit der Angelegenheiten von Gewicht angekündigt werden, ohne dass man ausspricht, weshalb sie von Gewicht sind. Wenn die Schweiz spricht, horcht man in den Vorstandsetagen, deren Fenster den See nicht sehen, sondern den Kurs. Man horcht in Bern, wo die Diskontsätze und die Würde gleichermaßen verwaltet werden. Man horcht in Genf, wo man die Kunst der Andeutung zur Doktrin erhoben hat — und in Zürich, wo die UBS residiert, jenes Institut, das größer ist als das Land, in dem es sitzt, und das, wie es heißt, erwägt, diesen Sitz zu verlassen.
Denn dort, hinter der schweizerischen Stimme, die soeben gesprochen hat, wartet eine Frage, deren Schweigen schwerer wiegt als jeder Widerspruch. Die Bloomberg-Redaktion formulierte es in einer Wochenmitte des Herbstes, nüchtern wie ein Gerichtsurteil: "UBS Leaving Switzerland Is Edging Closer to Reality." Eine Aussage, die keine Verlautbarung ist, sondern eine Annäherung an jenen Moment, da das Sprechen aufhört und das Handeln beginnt. Die Rede ist von einer Regulierungsüberholung des Landes, von möglichen Kosten eines Gerichtsurteils, das den Wertverlust von Credit-Suisse-Anleihen rückgängig machen könnte — Summen, die groß genug sind, um die Heimatfrage zu stellen.
Die Frage ist nicht neu, nur ihre Dringlichkeit. Die Finanzministerin Karin Keller-Sutter hat sich geäußert, so präzise, wie es ihr Amt verlangt. Es sei unwahrscheinlich, dass die UBS ihre Schweizer Basis verlasse. Ein Abzug, so ließ sie verstehen, wäre kostspieliger als die neuen Eigenkapitalregeln, und die rechtlichen Komplikationen — dieses Wort "rechtlich", so höflich, so endgültig — wären erheblich. Man bleibt also. Vermutlich. So wie man in Genf seit jeher sagt: Wir werden sehen.
Wer einmal an den Genfer Tischen saß, an denen Verträge unterschrieben wurden, die nie eingehalten wurden, der kennt den Klang solcher Gewissheiten. Sie sind wie Handschuhe aus feinem Leder: sie bedecken die Hand, die bereits unter dem Tisch zuckt. Die Schweiz, weiß man aus der Geographie, ist mehr als ein Hort des Bankgeheimnisses. Sie ist ein Ort, an dem vier Sprachen sich höflich ignorieren und fünf Nachbarn sich misstrauisch grüßen. Sie ist der Ort, an dem die Uhren anders gehen, langsamer, genauer — und an dem das Gold nicht dem Volk gehört, sondern den Tresoren. Wenn dieses Land spricht, spricht es mit der Stimme des Geldes, das sich selbst gehorcht.
Nun könnte jene Stunde kommen, in der die UBS rechnet. Die Regulierung, das Urteil, die Kosten — alles zusammen wiegt schwerer als die Heimat. Wenn die Schweizerische Eidgenossenschaft ihrem größten Finanzinstitut sagt, dass die Regeln sich ändern, dann muss die UBS entscheiden: die Identität oder die Bilanz. Die Uhr, die nachgeht, oder den Hafen, der offen steht. Es ist die alte Frage, nur in neuer Schrift.
Was die Schweiz also wirklich gesagt hat — das steht noch aus. Die offiziellen Worte sind gehört. Die Überschrift ist gesetzt. Die Tresore, heißt es, antworten noch nicht. In der Schweiz wartet man mit jener Gelassenheit, die so oft für Ruhe gehalten wird und manchmal nur das höfliche Schweigen vor dem Sturm ist. Die Welt spielt Schach. Zürich hält den Atem an. Und alle, die es wissen, sagen nichts.
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