Die alten Freunde und die 350 Millionen
Die Summe ist eine Prahlerei, und die Prahlerei ist eine Einladung. Dreihundertfünfzig Millionen Dollar, ausgegeben seit Dezember vom Pentagon an eine Beratungsfirma namens Alvarez & Marsal Federal — das sind, schreibt ProPublica unter Berufung auf Bundesbeschaffungsdaten, etwa fünfmal mehr, als alle A&M-Einheiten in den zwanzig Jahren vor Trumps Wiederwahl von sämtlichen US-Behörden zusammen erhalten haben. Man darf das wiederholen: in zwanzig Jahren rund siebzig Millionen, in acht Monaten dreihundertfünfzig. Die Mathematik, nicht die Moral, spricht hier zuerst.
Der Name an der Nahtstelle heißt George K. Kollitides II. Ein Mann, der fast zehn Jahre lang Partner bei der Private-Equity-Gesellschaft Alvarez & Marsal Capital war, ein Kollege Steve Feinbergs, des stellvertretenden Verteidigungsministers, in dessen Gefolge er selbst in das Pentagon geholt wurde — mit dem Auftrag, die Beschaffung von Waffen und kritischen Mineralien zu verbessern. Im April, Monate nach Beginn seiner Pentagon-Tätigkeit, ist er in einer Wertpapieranmeldung weiterhin als Senior Adviser seines alten Hauses geführt. Im Juni finalisiert das Verteidigungsministerium einen Beratervertrag über 281 Millionen Dollar, vergeben ohne Ausschreibung — zugunsten einer Schwestergesellschaft, eben jener Alvarez & Marsal Federal, die jenes Büro beraten soll, in dem Kollitides selbst sitzt. Wer sich wundert, dass die Vertragssumme auch bei Beratung jenseits der Schwelle des Vorstellbaren liegt, möge im nächsten Absatz lesen.
Wer je einen Vertrag unterschrieben hat, sei es auch nur über eine Zweizimmerwohnung, ahnt, was Ethikexperten ProPublica erklären: dass es für Beamte der Exekutive grundsätzlich illegal sei, eine Rolle bei der Vergabe von Aufträgen zu spielen, die sich unmittelbar auf die eigenen Finanzen auswirken — der Satz endet im Original mit „unless they were gra…", abgebrochen, als hätte der Setzer geschluckt. Wir schlucken mit, in aller Stille.
Dass beide Verträge unter einer Geheimhaltungsklausel stehen, die das Pentagon sonst für die Entwicklung experimenteller Waffen verwendet, gibt der Sache ihre eigene Architektur. Beratung und Waffenprototypen sind keine Geschwister; dass die Empfängerfirma an anderer Stelle mit „customer-centric culture" wirbt, ist es auch nicht. Aber die Unterlagen lügen nicht, sie haben lediglich über die Beschaffungsdaten ihren Weg nach draußen gefunden. Kollitides' Beschäftigung im Pentagon fällt unter eine Sonderkategorie, die seine finanziellen Offenlegungspflichten der Vertraulichkeit übergibt — der gläserne Beamte, in Milchglas getaucht.
Wie es weitergeht, lässt sich ablesen, auch ohne prophetische Gabe. Welcher Kongressausschuss die Akte zuerst auf den Tisch bekommt. Welcher Sonderermittler den Stift zuerst ansetzt. Welche Aktenvernichtungsprotokolle in den kommenden Wochen zu ihrer Stunde kommen. Freundschaftsdienst und Republik vertragen sich selten auf Dauer, und das ist vielleicht das Tröstliche an diesem Vorgang.
In Hyderabad, am gleichen Tag, geht eine andere Rechnung auf, mit Bleistift und ohne jeden Schatten. Das Edtech-Unternehmen byteXL hat neun Millionen Dollar in einer Series-B-Runde eingesammelt, angeführt von Elevar Equity, mit Beteiligung von Kalaari Capital und der Michael & Susan Dell Foundation. Mitgründer und CEO Karun Tadepalli spricht, wie Mitgründer und CEOs in solchen Meldungen sprechen, von Zuversicht, von einer skalierbaren Plattform, von vierzig Hochschulen, die zu hundertzwanzig werden sollen, von zwei- bis fünfhunderttausend Studierenden über fünfzehn Bundesstaaten hinweg. Es ist die Sorte Geschichte, wie sie das indische Startup-Ökosystem schreibt, seit es Scheckhefte führt.
Beide Summen — die eine ohne Ausschreibung, im Halbdunkel vergeben, die andere nach einer Investorenrunde, im hellen Licht der Mitteilung — erscheinen in Bilanzen; nur die eine wiegt auch im Gerüst der Republik. Solange kein Beschaffungsdokument das indische Unternehmen mit dem Pentagon-Büro verknüpft, bleibt die Parallele eine Frage der Optik. Vielleicht nichts weiter. Vielleicht mehr.
Ich trage Handschuhe beim Schreiben. Heute mehr aus Temperament als aus Stil.
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