Tagebuch eines Wissenschaftlers, Mauern eines Imperiums
Manche Dokumente verändern nichts. Andere verändern alles, ohne dass die Welt es sofort bemerkt. Die Tagebücher des Anthony Fauci gehören zur zweiten Kategorie. Sie lagen in Archiven, jetzt liegen sie offen, und der Blick auf sie zeigt weniger einen Skandal als eine Landkarte: eine Karte der Worte, die einer sagte, und der Taten, die ein anderer tat.
Senator Rand Paul legte sie am Mittwoch vor: Hefte aus den Jahren 2015 bis 2019, geführt von einem Mann, der den Amerikanern jahrelang als "Amerikas Doktor" verkauft wurde. Ein apolitischer Bürokrat, ein Diener der Wissenschaft, ein Mann, der unter Demokraten wie Republikanern gleich gedient habe. So lautete die Legende, die durch die Medien ging. Die Hefte zeichnen ein anderes Bild.
Im Januar 2019 notierte Fauci: "Trump besteht auf fünf Milliarden Dollar für seine Mauer an der Grenze zu Mexiko. Er wird immer sonderbarer. Er sollte angeklagt werden, aber die Demokraten haben zu Recht Angst, dass dies seine Basis mobilisiert." Dies geschah ein Jahr, bevor die Pandemie die Welt in ihre Knie zwang. Derselbe Mann, der später als unbestechlicher Mahner durch die Fernsehstudios von CNN, BBC und PBS wandelte, hatte zuvor in denselben Studios den Ebola-Impfstoff gelobt — einen Impfstoff, dessen Studie er im Stillen als "schrecklich fehlerhaft" bezeichnete.
"Die Daten sind, streng genommen, nicht statistisch signifikant", schrieb er. "Wir können die Studie nicht kritisieren, denn genau darauf wartet die Presse, und das wird Spannungen zwischen HHS und WHO erzeugen. HHS ist zu dumm, das zu erkennen." Die Weltgesundheitsorganisation hatte im Juli 2015 verkündet, der Impfstoff habe eine Wirksamkeit "bis zu 100 Prozent" gezeigt. Phil Krause, Leiter des FDA-Büros für Impfstoffforschung, hatte Fauci gegenüber Bedenken wegen des Studiendesigns geäußert. Fauci lobte den Impfstoff trotzdem.
So weit das Innere. Wer den Blick hebt, sieht das Äußere.
Am 25. August dieses Jahres, um 4:59 Uhr morgens, erhielt Verlon Jose, Vorsitzender der Tohono O'odham Nation im Süden Arizonas, eine E-Mail. Der Absender war der Leiter des Grenzschutzsektors Tucson. Regierungsauftragnehmer seien unterwegs, um Bodenuntersuchungen für eine zweiundsechzig Meilen lange Mauer entlang der südlichen Grenze des Stammeslandes durchzuführen. Wenn der Stamm kulturelle Beobachter entsenden wolle, sei das willkommen. Sie dürften die Arbeit jedoch nicht behindern. Die Arbeit beginne in genau einer Minute.
ProPublica fand heraus, dass das Ministerium für innere Sicherheit ein laufendes Grenzgebet auf dem Land des Stammes überwacht und Stammesmitglieder außerhalb der Reservation befragt hat. Was am Morgen des 25. August folgte, war keine Überraschung, sondern die Anwendung des Urteils. Die Auftragnehmer kamen, begleitet von Grenzschutzfahrzeugen, bewacht von Bundesagenten in Masken und taktischer Ausrüstung — Männern, die aus einer Sondereinheit stammten, die im Vorjahr in Chicago und Minneapolis drei Menschen getötet hatte, darunter zwei amerikanische Staatsbürger. Als der Polizeichef des Stammes die Baustelle erreichen wollte, wurde er an einer Straßensperre abgewiesen.
Die O'odham hatten gegen die Mauer geklagt. Vor einem Bundesrichter in Washington hatten Anwälte der Regierung versichert, man werde den Stamm "in gutem Glauben" konsultieren. Der Richter wies den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Die E-Mail um 4:59 Uhr war die Übersetzung des richterlichen Wortes in die Sprache der frühen Morgenstunden.
Hier treffen sich zwei Aktenstücke desselben Staates. Die Mauer, über die Fauci im Januar 2019 schrieb, ist dieselbe Mauer, die heute durch das Land der O'odham gepflügt wird. Die Notiz, die ein Amtsenthebungsverfahren erwog, steht im selben Heft wie die Klage über einen fehlerhaften Impfstoff, der dennoch gepriesen wurde. Die E-Mail um 4:59 Uhr steht im selben Rechtsraum wie das Versprechen "in gutem Glauben". Beide Akten, die wissenschaftliche wie die juristische, zeigen dasselbe Muster: ein Wort, das gesprochen wird, und ein anderes, das gilt. Die O'odham lernten das Muster am Morgen des 25. August. Fauci schrieb es in sein Heft. Die Welt liest es jetzt nach.
Was bleibt, ist die offene Frage. Das Verfahren über die O'odham-Klage ist nicht abgeschlossen. Die Tagebücher werden weiter gelesen, weiter zitiert, weiter gegen den Mann gewendet, der sie schrieb. Was am Ende steht — ein Urteil, eine Anklage, ein Eingeständnis oder ein weiteres Schweigen —, weiß heute niemand. Man weiß nur, dass die Mauer wächst, dass die Masken bleiben, und dass die Handschuhe, mit denen diese Akten geführt werden, sehr sauber sind.
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