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10. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Das Protokoll der Doppelmoral: Wenn eine Kolumne zur Anklage wird

10. Oktober 2026 — — Kastner

Man schreibt das Jahr 2026, und die Mechanismen, die ich einst in Genf studierte, funktionieren noch immer. Man nehme eine Kolumnistin von The Athletic, dem Sportableger jenes Hauses, das sich rühmt, "die Wahrheit zu suchen und den Menschen zu helfen, die Welt zu verstehen", und lasse sie eine 26-jährige Basketballspielerin als "zu brisant" brandmarken. Das Subjekt: Sophie Cunningham, Guard der Indiana Fever.

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Candace Buckner argumentierte in ihrer Kolumne, die Fever müssten sich von Cunningham trennen, um "wieder eine Basketballmannschaft zu werden". Cunningham, so Buckner, sei "zu kombrüskant", ihre "Meinungen zu turbulent", um an der Seite von Caitlin Clark zu bestehen. Die Logik ist wohlbekannt: Eine Frau wird zum Problem erklärt, damit die Redaktion, die im Hintergrund die Linie vorgibt, ihre Ruhe hat.

Die Fever allerdings, und hier beginnt das eigentliche Spiel, tun das Gegenteil. Sie planen, die Spielerin, deren Vertrag ausläuft, zu halten. Die sportliche Führung liest das Spiel offenbar anders als die Schicht, die ihre Beobachter mitschickt.

Zur Erinnerung, weil die Erinnerung in solchen Fällen meistens schwindet: Cunningham hatte in einem ESPN-Interview ausgesprochen, was eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung teilt, nämlich dass biologische Männer nicht im Frauensport antreten sollten. Man kann diese Behauptung überprüfen lassen. Sie ist nicht spektakulär, sie ist schlicht: Eine Frau nimmt das W in WNBA wörtlich. Buckners Text sah dieselbe Aussage und nannte sie "kombrüskant".

Die Reaktion folgte dem Drehbuch, das ich aus zu vielen Verhandlungen kenne: Martina Navratilova, neunfache Wimbledon-Siegerin und selbst Verfechterin dessen, was Cunningham ausgesprochen hatte, brach ihr Schweigen und schrieb auf X: "Buckner scheint zu vergessen, dass das W in @WNBA für Women steht. Nichts war falsch an dem, was Sophie ursprünglich gesagt hat. Es ist die Reaktion der WNBA, die es aufgeblasen hat. Die Politik ist das Problem, nicht Sophie Cunningham."

Tausende im Netz schlossen sich an. Stephen L. Miller, ein Podcast-Moderator, wählte einen anderen Winkel und schrieb: "Wenn die San Francisco 49ers wieder eine Footballmannschaft sein wollen, muss Colin Kaepernick gehen." Die Parallele mag hinken, aber die Mechanik stimmt: Wer sich hinstellt, wird weggeräumt.

Und hier, sehr verehrte Leserinnen und Leser, wird das Brett interessant. Denn dieselbe Medienmaschinerie, die einst Megan Rapinoe als "mutiger als ein Athlet" feierte, als sie kniend die Hymne schwieg, brandmarkt nun Cunningham als Störenfriedin. Die Regeln, meine Damen und Herren, ändern sich je nachdem, wer auf dem Brett steht und welche politische Linie sie vertritt.

Buckners Spalte wurde nicht nur von Navratilova zerlegt, sondern auch von der Mechanik der Zahlen. Berichtet wird, dass 95 Prozent der Online-Reaktionen den Text kritisierten. Fünf Prozent applaudierten. Die Frage ist nicht, wer die Mehrheit hat. Die Frage ist, wer die Mehrheit definiert und in den Schlagzeilen vorkommt.

Cunningham selbst wies die Argumente der Kolumne zurück, soweit sie sportlich sein wollten. Die "kombrüskante Energie", die ihr zugeschrieben wird, basiert auf einer Meinung, nicht auf einer Statistik. Buckner nennt keinen Wurfquotienten, keine Defensiv-Rating, keinen einzigen basketballerischen Grund, warum sie das Team sportlich schwächen würde. Die Anklage ist politisch codiert, getarnt als sportliche Beobachtung. Das ist keine Verschwörung, das ist das Protokoll.

Man nenne mich zynisch. Ich nenne mich präzise. Wenn eine Kolumnistin einer Spielerin, die sich für den Frauensport ausspricht, das Etikett "zu brisant" anheftet, während dieselbe Redaktion andere Sportler, die andere politische Linien stützen, als Helden feiert, dann ist das keine Meinungsverschiedenheit. Dann ist das eine Mechanik, die man beim Namen lesen sollte.

Die Handschuhe, mit denen ich dies tippe, sind aus Samt. Die Fever haben das Protokoll offenbar auch gelesen. Sie halten an Cunningham fest. Die Schachpartie ist eröffnet, und wer den nächsten Zug macht, wird zeigen, wessen Brett das ist.

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Herangezogene Quellen — 4 abrufbare Quellen

5 Quellen · 0 davon belegt · 4 externe Belege · 0 prüfbare Behauptungen

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