BRÜSSELS CHINA-SCHACH: PARTIE ERÖFFNET, PARTIE NICHT GEWONNEN
Brüssel, im Herbst — wo die Marmorfoyers des Berlaymont noch nach dem Kaffee von gestern riechen, wo die Dolmetscher in ihren Kabinen bereits ahnen, was als Nächstes gesagt werden wird, ohne dass es jemanden überrascht. Hier, in dieser Stadt, die für Europa spricht, ohne es je ganz zu meinen, haben sich diese Woche die Staats- und Regierungschefs der Union versammelt, um über die Zukunft der Handelsbeziehungen zur Volksrepublik China zu beraten — jener Volksrepublik, deren Exporte im September, so die offiziellen Angaben, erneut scharf angestiegen sind. Zahlen, die, wie stets in solchen Fällen, korrekt und irreführend zugleich sind.
Auf der Tagesordnung stehen die üblichen Verdächtigen: Zölle, Subventionen, die Frage der strategischen Autonomie — jener schöne Euphemismus, mit dem Brüssel seit Jahren sein eigenes Zögern kaschiert. Man werde, so heißt es aus dem Kreis der Diplomaten, "Chinas Marktstellung anerkennen" und gleichzeitig "die europäische Wettbewerbsfähigkeit sichern". Eine Formel, die so oft wiederholt wurde, dass sie längst hohl klingt wie eine Münze, die zu oft durch die Hände gegangen ist. In Peking versteht man diese Münze sehr genau.
Wer einmal in Genf Verträge gelesen hat, die nie eingehalten wurden, wer Männern in die Augen geschaut hat, die lächelten, während sie logen, der weiß, dass China das längere Spiel spielt. Die Exporte wachsen — trotz Zöllen, trotz Spionagevorwürfen, trotz der gesamten Rhetorik von "De-Risking", jenem Wort, das niemand aussprechen mag, ohne dabei zu lächeln. In Peking lächelt man zurück, und zwar breiter. Der Anstieg im September sei, so sagen die Beamten in den Ministerien, "strukturell". Strukturell — das ist das Wort, das man wählt, wenn man nichts mehr zu sagen hat.
Unterdessen verändert sich die Geografie der Solidarität. Berlin, so heißt es in den Fluren des Berlaymont, habe auf den Drohnenangriff der letzten Tage — jenen, den niemand offiziell bestätigt und jeder inoffiziell kommentiert — mit einer Geste der Solidarität reagiert. Es ist jene Art von Solidarität, die ein Kontinent zeigt, wenn er sich beobachtet fühlt: eine Geste, die an die Tür klopft, ohne sie zu öffnen, eine Symbolik, die wiegt, ohne zu wiegen.
Weiter im Osten verschiebt sich die Geografie der Macht. Bangladesh, so melden einander widersprechende Quellen — die eine Quelle feiert eine pragmatische Öffnung, die andere warnt vor dem Verlust strategischer Neutralität — stehe vor einem möglichen Beitritt zum sogenannten "Mecca-Pakt". Beide Seiten haben, wie so oft, gleichzeitig recht, und das ist in der hohen Diplomatie die gefährlichste Form von Recht.
In Neu-Delhi hat man unterdessen die Order des Jahres ausgerufen. Premierminister Narendra Modi ruft seine Start-ups — auch jene der Raumfahrt — und ermutigt sie, mit Landwirtschaft, Viehzucht und Milchwirtschaft zusammenzuarbeiten. Indien solle ein Ziel für globales Talent und globale Investoren werden. Die BRICS-Präsidentschaft 2026 steht unter einem Motto, das wie eine Pressemitteilung klingt und wie eine Landkarte zu lesen ist: "Building for Resilience, Innovation, Cooperation and Sustainability". Man verzeichnet sich selbst am Schnittpunkt aller Routen. Modi lächelt jenes Lächeln, das man lächelt, wenn man weiß, dass die Arithmetik der Macht selten in den Reden steht.
Während in Brüssel verhandelt wird, füllen sich die Kinosäle des Kontinents mit anderen Erzählungen — jenen, die man wählt, wenn man den Ausgang bereits kennt. Christopher Nolans "The Odyssey" hat 1,352 Milliarden Dollar eingespielt und ist damit der höchste Bruttoertrag eines R-rated Films aller Zeiten, sein persönlichster Triumph an den Kinokassen. Eine moderne Odyssee, gewählt von Zuschauern, die wussten, wohin die Reise geht, und sie dennoch sehen wollten. "Spider-Man: Brand New Day" hält sich im vierten Wochenende an der Spitze der Charts — jene Konstante, an die man sich halten kann, wenn die Welt draußen sich verschiebt.
Die Sitzung in Brüssel dauert an. Man werde, so heißt es, "in den kommenden Wochen" eine gemeinsame Position finden. Eine Formulierung, die in dieser Stadt so viel bedeutet wie: man werde weiter lächeln. Und weiter verhandeln. Und weiter zusehen, wie die Zahlen aus Peking steigen.
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