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15. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

In Shivamogga wird die Hymne zum Affront — der Kongress geht, das Fest bleibt

15. Oktober 2026 — — Kastner

Als am Sonntagvormittag in Shivamogga die Sängerinnen und Sänger zur Eröffnung des diesjährigen Dasara-Festivals auf die Bühne traten, ahnten sie vermutlich, dass sie mehr würden liefern müssen als ein paar wohlgesetzte Noten. Sie lieferten — sie sangen das gesamte Lied Vande Mataram, Strophe um Strophe, ohne die ausdrückliche Order der Landesregierung zu beachten, die das Lied auf seine ersten beiden Strophen begrenzt sehen will. Was folgte, war ein Auftritt, in dem die Politik einmal mehr bewies, wie zuverlässig sie singt, wenn es darum geht, sich zu inszenieren.

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Die Vorgeschichte dieser Szene reicht mehrere Wochen zurück. Am 15. September hatte der BJP-Abgeordnete S.N. Channabasappa im Dr. B.R. Ambedkar Bhavan in Shivamogga den Saal verlassen, nachdem lediglich die ersten beiden Strophen erklungen waren — eine Geste, die damals noch der Kongresspartei zugutekam. Vier Tage später, am 19. September, nutzte derselbe Channabasappa — diesmal in Anwesenheit von Chief Minister D.K. Shivakumar — bei einer Versammlung zum Kasturirangan-Bericht in Thirthahalli das Mikrofon, um seinerseits die vollständige Darbietung des Liedes zu fordern. Die Musik war keine musikalische Frage mehr. Sie war in Noten gesetzte Parteilinie.

Am Sonntag nun die Umkehrung im Zeitraffer. Die eingeladenen Interpretinnen und Interpreten sangen das gesamte Lied, obwohl die Landesregierung für ihre eigenen Veranstaltungen ausdrücklich nur die ersten beiden Strophen vorsieht. Auf Vande Mataram folgte, wie das Protokoll es verlangt, die Landeshymne. Dann betrat H.C. Yogesh, Präsident des Distriktausschusses des Kongresses, die Bühne der öffentlichen Beobachtung.

Yogesh erklärte vor den Anwesenden, das Programm sei Teil der staatlichen Veranstaltungsreihe, und entsprechend den Anweisungen der Regierung hätte das Lied auf zwei Strophen begrenzt bleiben müssen. Er wünschte dem Fest seine besten Wünsche und verließ den Saal. Ihm folgten K. Chetan, Vorsitzender der Karnataka State Textile Infrastructure Development Corporation, und weitere Kongressführer. Sie gingen — höflich, mit Handschlag, aber sichtbar. Wer an diesem Morgen in Shivamogga zusah, sah einen Konflikt, der seine Richtung nicht verbarg: Die Kongresspartei, die selbst die Regierung stellt, verteidigte eine eigene Anordnung — und lieferte der Opposition eine Bühne, die diese wenige Tage zuvor selbst bespielt hatte.

Der Streit um Shivamogga reicht weiter als bis zur Sonntagsmusik. In den Wochen zuvor war bereits die Entscheidung der Landesregierung umstritten, in diesem Jahr die Booker-Preisträgerin Banu Mushtaq als Eröffnungsrednerin des Dasara-Festivals einzuladen. Ein Priester reagierte mit Äußerungen, die der Kongress als "äußerst herabsetzend" einstufte und die sich gegen den ehemaligen Chief Minister Siddaramaiah richteten — woraufhin die Partei Anzeige bei der Polizei erstattete, gegen den Priester und zwei BJP-Politiker. Es ist dies eine der Linien, entlang derer sich Shivamogga in diesen Festwochen politisch aufgeladen hat: erst die Frage der Eröffnung, dann die Hymnenlänge — immer am selben Mikrofon, immer vor demselben Publikum.

Das Festival selbst ging unterdessen weiter. Am Dienstag stellten die Shivamogga City Corporation, das Department of Information and Public Relations und die Shivamogga Chitra Samaja das Filmprogramm der Festtage vor — gewidmet den drei Dadasaheb-Phalke-Preisträgern aus Karnataka: Schauspieler Rajkumar, Kameramann V.K. Murthy und Schauspieler Anant Nag. Regisseur Rajendra Singh Babu, der Murthys Frühwerk Hoovu Hannu ins Bild gesetzt hatte, eröffnet am Mittwoch im Suvarna Samskruthika Bhavana; eine Dokumentation zu Murthys Schaffen wird dort gezeigt, Kurzfilme aus Shivamogga folgen; die Kinosäle der Stadt spielen über die Festwoche vier Filme aus dem Schaffen der Geehrten — Eradu Kanasu, Sarkari Hiriya Prathamika Shaale Kasaragodu, Sampattige Saval und Galipata-2. Was hier gefeiert wird, ist kulturelles Erbe. Was dort am Sonntag bestritten wurde, war die Deutungshoheit der Regierung.

Was Shivamogga am vergangenen Sonntag erlebte, war keine einmalige Indiskretion, sondern die Fortsetzung einer Auseinandersetzung mit langem Atem. Die Frage, wer gegen welche Order verstieß, ist rasch beantwortet. Die Frage, was all dies mit dem Fest selbst zu tun hat, hängt indessen noch in der Luft — über den Klängen zweier Strophen, die nicht gesungen wurden, und einer Hymne, die es wurde. Die einen singen. Die anderen gehen. Das Publikum schaut zu. Wie immer.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 4 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Vande Mataram wurde bei der Dasara-Eröffnung in Shivamogga unter Verletzung der Anordnung der Landesregierung präsentiert

    „Vande Mataram presented at Dasara inauguration in Shivamogga violating State govt. order, Congress leaders walk out“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT Kongressführer sind abgewandert

    „District Congress Committee president H.C. Yogesh and other Congress leaders walked out of the Dasara inaugural ceremony expressing their opposition to the rendition of the national song, in full, in Shivamogga on Sunday.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZITAT Die Abwanderung der Kongressführer erfolgte wegen der Darbietung von nur zwei Strophen von Vande Mataram anstelle der vollen Länge des Nationallieds

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Ein Teil der Dasara-Veranstaltungen in Shivamogga beinhaltete die Screening von Kannada und Kurzfilmen

    „Screening of Kannada films, short films as part of Shivamogga Dasara“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

3 Quellen · 3 davon belegt · 3 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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