Sechs Prozent für die Berater, ein Jahr für die Piloten
Die Rechnung kommt zuletzt. easyJet wird verkauft. Apollo Global Management übernimmt die britische Billigfluglinie für 5,7 Milliarden Pfund, der Aktionärsbeschluss ist für den 9. November angesetzt. Wer in dieser Rechnung gewinnt, weiß jeder, der das Kleingedruckte liest. Es sind nicht die Angestellten.
Die Übernahmedokumente, die jetzt durch das britische Handelsregister gehen, summieren sich zu einem Honorar-Berg von 334,5 Millionen Pfund. Für Banker, Anwälte, PR-Leute und Steuerberater. Für eine Handvoll Häuser an der Threadneedle Street und der Lombard Street. Für jene Maschinerie, die einen solchen Deal überhaupt erst zusammenbaut.
Apollo selbst lässt sich die Finanzierung 190,6 Millionen Pfund kosten. Broker und Berater erhalten weitere 22,5 Millionen. Die Anwälte kassieren 39,2 Millionen, die PR-Berater drei Millionen, die Steuerexperten 25,1 Millionen. Auf der easyJet-Seite sieht die Rechnung kleiner aus, folgt aber demselben Muster: 32 Millionen für die Banker, 17,9 Millionen für die Anwälte, 2,3 Millionen für die Presseleute, weitere 2 Millionen für sonstige Profidienste und Spesen. Addiert man die Posten, kommt man auf den Betrag, der in den Schlagzeilen steht. 334,5 Millionen Pfund an Gebühren für einen einzigen Verkauf. Eine Quartalsrechnung der City, die sich gewaschen hat.
easyJet hat zu diesen Zahlen keine eigenen Stellungnahmen abgegeben. Die Dokumente wurden durch das britische Übernahmeregime öffentlich, weil Stelios Haji-Ioannou, der Gründer und mit 15,3 Prozent beteiligte Großaktionär, den Deal mitträgt. Die Aktionäre stimmen am 9. November ab. Stimmen sie zu, verlässt easyJet die Londoner Börse.
Parallel zu den Honoraren geht ein Schreiben durch die Branche, das unbequemer nicht sein könnte. 4.000 easyJet-Piloten, vertreten durch die British Airline Pilots' Association (Balpa), haben die 320 Seiten der Gerichtsunterlagen durchgearbeitet und nur eine Zusage herausgelesen. Die Arbeitsplätze sind für ein Jahr sicher. Was danach kommt, ist Verhandlungssache. Balpa hat formuliert, die Belegschaft brauche „größere Klarheit über künftige Personalplanung, Pensionen, operative Strategie, Produktivitätsinitiativen und die Wege, über die Mitarbeiter nach Abschluss der Transaktion informiert, konsultiert und eingebunden werden". Das ist Gewerkschaftsdiplomatie für: Wir wissen es nicht, und wir wollen es wissen.
Apollo Global Management ist einer der großen amerikanischen Private-Equity-Häuser. Der easyJet-Kauf reiht sich ein in eine wachsende Liste britischer Unternehmen, die in den vergangenen Jahren unter US-Kontrolle geraten sind. Die Vorgeschichte: Castlelake, ein weiterer Bieter, hatte zunächst eigene Vorstellungen eingebracht, wurde dann aber von Apollo mit dem 5,7-Milliarden-Pfund-Angebot überboten. easyJets Vorstand schwenkte innerhalb weniger Tage um. Das Tempo war so, dass Balpa jetzt nachträglich die Rechnungen liest, die andere hinterlassen haben.
Wer am Ende auf der Sollseite dieser Bilanz steht, lässt sich aus den Zahlen ablesen. Wer auf der Habenseite steht, ebenso. 334,5 Millionen Pfund verteilen sich auf Banker, Anwälte, PR-Berater und Steuerberater. Rund sechs Prozent des Transaktionsvolumens allein an Gebühren. easyJet wechselt den Besitzer, die Piloten warten auf Klarheit, die City streicht eine weitere Quartalsabrechnung ein.
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