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16. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Maricopa County mauert: Mehr Sicherheit, keine Entschuldigung an Trump

16. Oktober 2026 — Kastner

In Maricopa County, Arizona, hat sich der Alltag der Wahlbeamtinnen und Wahlbeamten nach 2020 grundlegend verändert. Was früher eine bürokratische Routine war — das Sortieren, Prüfen und Zählen von Stimmzetteln —, gleicht heute einem Hochsicherheitstrakt. Die Behörden zählen ihre Stimmen, wie sie es selbst formulieren, mit „Super-Bowl-Niveau" an Sicherheit. Kameras folgen jeder Handbewegung, Wachpersonal kontrolliert jeden Zugang, und diejenigen, die früher in Ruhe Kuverts öffneten, arbeiten nun unter einer Aufmerksamkeit, die sie sich nicht ausgesucht haben.

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Der Grund für diese Aufrüstung liegt nicht in einer entdeckten Manipulation, sondern in deren Behauptung. Seit Joseph R. Biden Jr. im Jahr 2020 in Arizona gewann, ist Maricopa County zum Brennpunkt einer Bewegung geworden, die das Wahlergebnis nicht akzeptiert. Verschwörungstheorien zirkulieren, Klagen werden eingereicht, und die Verwaltung muss sich gegen Vorwürfe wehren, die sie selbst als haltlos bezeichnet. Die Konsequenz: ein Landkreis, der sich gegen seine eigene Öffentlichkeit abschottet, weil der Zweifel an der Integrität der Wahl zum Dauerzustand geworden ist.

Donald Trump hatte wiederholt, ohne Belege vorzulegen, behauptet, die Wahl sei ihm gestohlen worden. Auch im Fall des Republikaners Abraham Hamadeh, der 2022 das Rennen um das Amt des Generalstaatsanwalts von Arizona verlor, sprach Trump von einer „manipulierten Wahl" — obwohl eine Nachzählung Hamadehs Niederlage bestätigte und gerichtliche Herausforderungen an mangelnder Beweislage scheiterten. Der Landkreis reagierte auf solche Anschuldigungen nicht mit einer Entschuldigung an Trump. Es gab schlicht keine Anlage, kein Dokument, keinen Vorgang, für den man sich hätte entschuldigen können.

Die Sicherheitsvorkehrungen, die Maricopa County seither eingeführt hat, sind Ausdruck einer neuen Normalität. Wo früher Wahlhelferinnen in Turnhallen Stimmzettel sortierten, überwachen heute private Sicherheitsfirmen jeden Schritt. Die Behörden haben gelernt, dass jede offene Tür auch eine Angriffsfläche ist — nicht nur für tatsächliche Manipulationen, sondern vor allem für Behauptungen über Manipulationen, die sich in Gerichtsakten und Social-Media-Posts fortsetzen.

Eine besondere Rolle spielt die Klage von Justin Heap. Das Board of Supervisors des Countys erklärte, Heaps Verfahren ziele darauf ab, Zweifel an den Wahlen des Countys zu säen. Die Formulierung ist bemerkenswert offen: nicht „Unregelmäßigkeiten aufdecken", sondern „Zweifel säen". Damit beschreiben die gewählten Verantwortlichen selbst, was sie als Mechanismus hinter den Verfahren sehen — eine Strategie der Delegitimierung, die mit juristischen Mitteln verfolgt wird.

Hinzu kommt ein weiterer Umstand, der in der öffentlichen Debatte eine ungewöhnliche Rolle spielt: Der Prozess der Präsidentschaftswahl 2020 wurde unlängst zusammen mit Covid-19-Testverfahren auditiert. Die Verknüpfung mag auf den ersten Blick kurios erscheinen, illustriert aber, wie sehr sich in der amerikanischen Wahlverwaltung seit 2020 verschiedene Stränge — Pandemielogistik, Wahlbetrugsbehauptungen, forensische Überprüfungen — miteinander verwoben haben, bis sie sich kaum noch voneinander trennen lassen.

Was bleibt, ist ein Landkreis, der seine Wahlen nun so behandelt, als müsse er sie gegen seine eigene Wählerschaft verteidigen. Maricopa County hat nicht um Entschuldigung gebeten. Es hat sich eingeigelt.

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