Das DAF-Loch: Anonyme Millionen an Indiens rechte Gruppen
Ein Donor-Advised Fund funktioniert wie ein Bankschließfach mit Steuerbescheinigung. Ein Spender füllt es mit Geld, eine öffentliche Wohltätigkeitsstiftung verwaltet es, und der Geber behält das Recht, zu empfehlen, wohin die Mittel fließen. Ob sein Name am Ende der Kette auftaucht, entscheidet er selbst.
Was nach Wohltätigkeit klingt, ist eine Architektur der Verschleierung. Sie ist legal. Sie ist auf den ersten Blick transparent. Aber sie ist konstruiert, um den Spender vom Empfänger zu trennen — und genau das macht sie zum Werkzeug.
Eine Bellingcat-Recherche hat dokumentiert, wozu diese Bauart taugt: Über anonyme Donor-Advised Funds in den Vereinigten Staaten sind Millionen an Gruppen geflossen, die mit Indiens rechtsextremer Bewegung verbunden sind. Die Mittel liefen über US-Non-Profits, die mit dem Rashtriya Swayamsevak Sangh, der RSS, in Verbindung stehen.
Millionen. Deren Urheber im Halbdunkel bleiben.
Die Mechanik ist bestechend einfach. Wer in einen DAF einzahlt, erhält die Steuergutschrift sofort. Die tatsächliche Ausschüttung an eine gemeinnützige Organisation kann Jahre später erfolgen — oder umgelenkt werden. Der Fiskus hat seine Abzüge. Der Spender seine Gutschrift. Die Empfängerorganisation ihre Mittel. Niemand hat einen Rechtsbruch begangen. Alle haben sich die Hände gewaschen.
Die RSS ist die Massenorganisation der hindu-nationalistischen Bewegung in Indien und wird international als rechtsextrem eingeordnet. US-Non-Profits mit dokumentierten Verbindungen zu dieser Struktur haben über anonyme DAFs Millionen erhalten. Die Geber, die das ermöglicht haben, sind nicht identifiziert.
Was bleibt, ist ein Mechanismus, der genau das leistet, wofür er gebaut wurde: Er trennt den Akt der Großzügigkeit von der Pflicht, sich zu ihm zu bekennen. Eine Spende über mehrere DAF-Ebenen erreicht einen Empfänger, der nicht mehr weiß — und nicht wissen muss —, von wem das Geld stammt.
Man stelle sich das im Kleinen vor. Jemand zahlt tausend Euro in einen DAF ein. Der DAF leitet das Geld weiter an eine Non-Profit, die nachweislich einer politischen Bewegung nahesteht. Der Spender hat eine Empfehlung abgegeben. Er hat keine Verantwortung getragen. Sein Name erscheint in keiner Buchführung.
So sieht die Architektur der Anonymität aus. Sie funktioniert, weil sie nicht zusammenbricht. Sie bricht nur zusammen, wenn jemand hinschaut. Bellingcat hat hingeschaut. Die Frage ist nun, was die DAF-Verwaltungen, die Aufsichtsbehörden und die Empfänger mit dem Befund tun — oder ob sie weiterhin so tun, als sei eine Gesetzeslücke dasselbe wie ein Freibrief.
Die unbequemere Frage lautet: Wie viele solcher Ströme fließen noch, unbemerkt, unbenannt, durch genau diesen Kanal?
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