Micah Reddy ist frei — vier Tage, die Dschibuti nicht erklärt
Es gibt Nachrichten, die keine Erleichterung sind, sondern eine neue Frage. Micah Reddy, Afrika-Koordinator des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten (ICIJ), hat am Dienstag dschibutischen Boden verlassen. Er ist auf dem Weg nach Südafrika, er soll bei Kräften sein, er soll in Sicherheit sein. Was zwischen dem 19. September, kurz nach 13 Uhr Ortszeit, und dem heutigen Tag geschah, bleibt hingegen — und das ist das eigentliche Thema dieser Zeilen — ein weißes Blatt, umrahmt von diplomatischen Floskeln und dem beredten Schweigen derer, die Auskunft hätten geben müssen.
Reddy war am 17. September in Dschibuti-Stadt eingetroffen. Zwei Tage später, am Samstag, verstummten seine Nachrichten gemeinsam mit jenen seines lokalen Assistenten, Mohamed Willo Ismael, genannt Kooki Mahmoud. Das Escale International Hotel, aus dem die beiden verschwanden, war der letzte bestätigte Aufenthaltsort. Was folgte, war keine Festnahme im klassischen Sinn — es war ein Verschwinden, eingeleitet von niemandem, kommentiert von niemandem, beendet erst, als drei Regierungen, mehrere Pressefreiheitsorganisationen und die Öffentlichkeit laut genug wurden.
Die ICIJ schlug innerhalb weniger Stunden Alarm, nachdem Nachrichten an die beiden Männer unbeantwortet blieben. Erst am 21. September, zwei Tage später, gelang es dem Konsortium über diplomatische und andere Kanäle inoffiziell zu bestätigen, was zuvor niemand sagen wollte: Reddy befand sich in Haft. Der Grund, soweit er überhaupt benannt wurde, sei das Fehlen einer ordnungsgemäßen Presseakkreditierung gewesen. Eine Begründung, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet — denn sie wurde nicht öffentlich gemacht, nicht überprüfbar dokumentiert, nicht einmal in der Form eines Verwaltungsakts vorgelegt.
Dschibutische Behörden bestätigten seinen Aufenthaltsort vier Tage nicht, sie verweigerten den Zugang, sie schwiegen zu seinem Zustand, sie schwiegen zu den Bedingungen seiner Unterbringung. Die südafrikanische, britische und US-amerikanische Regierung wandten sich an dschibutische Stellen — alle drei, wohlgemerkt, was die Tragweite der Intervention unterstreicht. Wer ein einzelnes Aufenthaltsproblem mit drei westlichen Botschaften gleichzeitig eskaliert, hat es nicht mehr mit einer Routinemaßnahme zu tun.
„Vier Tage in geheimer Haft sind für jeden investigativen Journalisten eine unannehmbare Behandlung", sagte ICIJ-Direktor Gerard Ryle. Es ist ein Satz, der diplomatisch korrekt klingt und doch in seiner Höflichkeit eine Anklage verbirgt. Geheim. Nicht in Gewahrsam einer dokumentierten Behörde, nicht in einem Gewahrsam mit Aktenzeichen, nicht in einem Gewahrsam, über den amtlich Auskunft erteilt wird. Geheim.
Ismael ist, soweit bekannt, ebenfalls frei. Auch über seine Tage zwischen dem Verschwinden und der Freilassung schweigen alle Beteiligten, die etwas sagen könnten.
Die Familie Reddys äußerte Erleichterung und Bestürzung zugleich. Erleichterung über das Ende, Bestürzung über das, was sie als Geheimniskrämerei um seine Behandlung bezeichnen. Sie dankten Helfern vor Ort, der südafrikanischen und britischen Regierung, Pressefreiheitsorganisationen und dem internationalen Rechtsbeistand. „Auf Nachricht von einem geliebten Menschen zu warten, dessen Verbleib und Wohlbefinden unbekannt sind, ist unvorstellbar schmerzhaft", heißt es in der Erklärung der Familie. Der Satz trägt das Gewicht von vier Tagen.
Was bleibt, ist nicht allein die Geschichte einer wirksamen Solidaritätsaktion. Was bleibt, ist eine Lücke. Eine Lücke zwischen Verschwinden und Haft, zwischen Haft und Freilassung, zwischen dem, was offiziell gesagt wurde, und dem, was tatsächlich geschah. Eine Lücke, in der ein investigativer Journalist vier Tage lang als Person ohne Akte geführt wurde, in einem Land, das sich als regionaler Stabilitätsanker versteht und dessen Hafen, dessen Militärbasen, dessen Geografie sonst kaum ohne westliche Präsenz gedacht werden.
Reddy wird zu Hause ankommen. Die Geschichte seiner Tage in Dschibuti hat gerade erst begonnen.
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