Podgorica schließt die Tür — Moskau antwortet symmetrisch
Montenegro hat die visumfreie Einreise für russische und belarussische Staatsangehörige beendet. Ab dem 1. November benötigen Bürger dieser Länder ein Visum, um in das westbalkanische Land zu gelangen. Das teilte das Außenministerium in Podgorica am vergangenen Donnerstag mit. Die Entscheidung stützt sich auf ein Regierungsdekret vom 23. Juli, mit dem die Visumsregelung angepasst wurde. Auch türkische Reisende sind von der Änderung betroffen: die zuvor geltende Grenzformalität entfällt ebenfalls.
Es ist, in der Sprache der Diplomatie, eine Sache der Gegenseitigkeit. Russland kündigte umgehend an, dass nun auch montenegrinische Bürger für die Einreise ein Visum benötigen werden. Die Replik folgte auf das Podgoricaer Dekret wie ein Spiegel auf sein Vorbild: symmetrisch, prompt, kommentarlos.
Die Bewegung reiht sich ein in eine breitere europäische Verschiebung. Lettland hatte bereits ein Einreiseverbot für russische Staatsangehörige gefordert. Montenegro, NATO-Mitglied seit 2017 und EU-Beitrittskandidat, bleibt damit auf einem Kurs, der es, wie es aus Brüssel heißt, näher an die Standards des Schengen-Raums führen soll. Das Land kann den visumfreien Reiseverkehr auf seinem Territorium nicht autonom aushandeln; es folgt dem Wind, der aus der Union weht.
Gleichzeitig verschärft sich auch jenseits des Atlantiks die Visumspraxis, wenngleich in eine andere Richtung. Das US-Heimatschutzministerium kündigte Maßnahmen an, die die Vergabe von Visa an bestimmte ausländische Fachkräfte einschränken sollen. Arbeitgeber, die beabsichtigen, die Aufenthaltstitel ihrer vorübergehend beschäftigten ausländischen Arbeitskräfte zu verlängern, müssen künftig nachweisen, dass ihnen keine gleichwertigen einheimischen Bewerber — wörtlich: skilled Americans — zur Verfügung stehen. Wie das Ministerium erklärte, sollen auf diese Weise die Beschäftigungschancen amerikanischer Hochschulabsolventen gestärkt und das sogenannte Rubber-Stamp-Verfahren bei Visa-Verlängerungen beendet werden.
In Iowa formiert sich Widerstand gegen diesen Kurs. Der demokratische Staatsauditor Rob Sand, der für das Amt des Gouverneurs kandidiert, sprach sich gegen eine Einschränkung der H-1B-Vergabe an öffentlichen Universitäten aus. Das H-1B-Programm, das US-Arbeitgebern erlaubt, hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland einzustellen, gilt seit Jahrzehnten als ein Rückgrat insbesondere der amerikanischen Technologiebranche.
Zwei Bühnen, eine Logik: Wer kommt, wird gefragt. Wer bleibt, muss sich rechtfertigen. Die Bühne ist Montenegro, das Skript wird an vielen Orten geschrieben.
Die Beziehungen zwischen Montenegro und Russland waren in den vergangenen Jahren zunehmend Belastungen ausgesetzt. Nach dem Beitritt zur NATO hatte Podgorica russische Diplomaten ausgewiesen, sich den europäischen Sanktionsregimen angeschlossen und versucht, die historisch engen Bande — gemeinsame Sprache, orthodoxe Tradition, die Urlaubsorte an der Adria, an denen einst russische Sommer die Buchten füllten — auf Distanz zu halten. Das Julidekret setzt diese Linie fort.
Für Reisende bedeutet der Wechsel den Weg zur Botschaft. Ab dem 1. November ist die Einreise nach Montenegro für russische und belarussische Bürger keine Frage der Grenzformalität mehr, sondern des vorab eingeholten Visums. Anträge müssen über eine montenegrinische Auslandsvertretung gestellt werden. Was auf montenegrinischer Seite eine Anpassung an europäische Standards darstellt, wird von russischer Seite ausdrücklich als Vergeltung gerahmt.
Die amtliche Moskauer Mitteilung ließ keine Zwischentöne zu. Das Visum werde, hieß es, im Einklang mit dem Prinzip der Gegenseitigkeit eingeführt. So wird aus einer administrativen Maßnahme eine kleine Geste symbolischer Außenpolitik — und aus einer Reiseerleichterung ein Verfahren mit Wartezeit, Unterlagen, Begründung.
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