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19. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Clintons Katalog — wenn 2016 in einer Reihe mit 9/11 steht

19. Oktober 2026 — Kastner

Vor erschöpften Demokraten in Nebraska hat Hillary Clinton eine Aufzählung geliefert, die weniger wie eine Chronik amerikanischer Krisen klingt als wie ein Instrument. 9/11. Die Finanzkrise von 2008. Die Wahl von 2016. COVID. Vier Vorgänge, fließend aneinandergereiht, als handle es sich um Punkte auf einer gemeinsamen Landkarte des Leidens — und nicht um Ereignisse von grundverschiedener Art, Größe und Verantwortlichkeit.

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Clinton sprach am vergangenen Samstag bei einer Veranstaltung der Demokraten in Nebraska, auf eine Frage hin, die so alt ist wie das politische Geschäft selbst: Wie gewinnt man Wähler zurück, die glauben, dass ihre Stimme nichts zählt? Die Antwort der früheren Außenministerin folgte dem Muster, das sich durch ihre öffentliche Rhetorik zieht — Empathie als Eröffnungsfigur, die eigene Niederlage als Schlusspunkt.

"If you look back on the last 25 years in our country, I was a senator from New York on 9/11. That was a trauma. The terrible financial crisis of 2008 was horrific for people. We had an election in 2016 that, you know, raised a lot of questions that we're still trying to find answers for about what, what kind of really went on, and then we had COVID", sagte sie. Man beachte die Übergänge. Zwischen den Anschlägen, einer globalen Bankenkatastrophe, einer demokratischen Wahlentscheidung und einer Pandemie liegt kein gemeinsamer Nenner außer dem einen: dass Hillary Clinton sie alle miterlebt hat — als handelnde Akteurin oder als Kandidatin.

Diese Konstruktion ist kein Zufall. Wer definiert, welche Ereignisse in den nationalen Kanon des Schmerzes gehören, schreibt zugleich die Geschichte seiner eigenen Rolle darin. Eine Wahlniederlage wird zur "harten Zeit", eingereiht neben einen terroristischen Angriff, und die Verliererin erscheint als Zeitzeugin, nicht als Verursacherin einer Strategie, die im November 2016 scheiterte. "Raised a lot of questions that we're still trying to find answers for about what really went on" — der Satz schwebt im Konjunktiv, eine Nebelkerze über den Ursachen des eigenen Scheiterns.

Dass Clinton diese Worte ausgerechnet Wochen vor den Midterms findet, ist Timing. Die Demokraten kämpfen um den Kongress; 35 Senatssitze und 36 Gouverneursposten stehen zur Wahl. Clinton kündigte dieser Tage ein neues Projekt an: einen Podcast namens "High Stakes", gemeinsam mit der früheren CNN-Moderatorin Kara Swisher, produziert von Vox Media, verteilt über den bestehenden Feed von Swishers Format "On", befristet bis zum Wahltag am 3. November. "What you pay for groceries, rent and healthcare is on the line", sagt Clinton im Ankündigungsvideo.

Die Zusammenarbeit entstand nach einem Treffen im Washingtoner Haus von David Bradley, dem früheren Eigentümer des Magazins The Atlantic, im wohlhabenden Kalorama-Viertel. Im August hatte Clinton bereits probeweise Scott Galloway auf Swishers Podcast "Pivot" vertreten. Swisher selbst beschreibt das Vorhaben mit einer Formulierung, die das Kalkül nicht ganz verbirgt: "There's a thing about the secretary, where it's like, 'Oh, if you knew her in the room, she's so funny.' We're going to try to show you that room."

Jim Bankoff, CEO des produzierenden Unternehmens, bekundete Zuversicht in das Vorhaben. Clinton deutete an, dass der Podcast über den Wahltag hinaus fortgesetzt werden könnte, sofern das Interesse es trage. Gegenüber Kritik an der Ausrichtung ihrer Partei verteidigte sie internen Streit als Zeichen von Stärke: "One of the things people try to do is split the Democratic Party, and that's fine. It's fine to have differences, and it's fine to argue. Nobody's afraid of the argument."

In Nebraska kritisierte sie zudem Präsident Donald Trump mit einer Phrase, die wie eine Diagnose klingen soll: Sein Versprechen des "anderen Leaders", der sage, was er denke, sei inzwischen bei den Menschen angekommen — und die Frage laute nun: "Wait a minute, am I better off? Has my life improved?" Clinton setzt darauf, dass die Antwort negativ ausfällt.

Was wie ein Trost klingt, ist eine Operationsbasis. Clintons Liste funktioniert nach einem einfachen Mechanismus: Sie reduziert verschiedene Kategorien von Krise auf ein gemeinsames Gefühl — die Erschöpfung des Wählers — und positioniert sich selbst als diejenige, die das Gefühl benennt und es zu besänftigen verspricht. Dass die Wahl von 2016 in dieser Reihe steht, bedeutet nicht, dass sie mit 9/11 vergleichbar wäre. Es bedeutet, dass Clinton das Recht beansprucht, sie dort einzuordnen.

Das ist die Frage, die diese Aufzählung aufwirft, auch wenn sie niemand offen stellte: Wer sortiert die amerikanischen Traumata? Wer bestimmt, dass eine verlorene Wahl in dieselbe Kerbe gehört wie die Anschläge des Septembers? Es ist eine alte Frage, gestellt mit neuen Instrumenten — einem Podcast, einem Video, einer sorgfältig gewählten Reihenfolge. Die Instrumente sind digital. Die Macht, Geschichte zu rahmen, ist es nicht.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL 2016

    „included her 2016 election loss on a list of hard times over the years“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. DATUM 9/11

    „New York on 9/11“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL 2008

    im Titel der Quelle gefunden

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „The terrible financial crisis of 2008 was horrific for people.“

  4. ZAHL COVID

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „and then we had COVID“

  5. ZAHL JD

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 3 davon belegt · 3 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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