**Die City of London klafft — siebzig Millionen Pfund Lücke, die keiner füllen will**
Siebzig Millionen Pfund. So groß ist das Loch, das die City of London Corporation in ihrer eigenen Bilanz sieht, und an dem sie sich bis zum Haushaltsjahr 2029/30 entlangarbeitet.
Die Zahl steht in einer noch ungeprüften Jahresrechnung des CityFund für das Finanzjahr 2025/26. Sie ist keine Sensation, sie ist eine Verschärfung. Noch zu Jahresbeginn war von knapp sechzig Millionen die Rede. Nun sind es zehn Millionen mehr.
Was sich geändert hat, ist überschaubar und gerade deshalb giftig. Die Inflation, die nichts verschont, was eine Gehaltsliste führt. Die Fair Funding-Reformen der britischen Regierung, die Mittel nach Bedarf verteilen und die Corporation durch jedes Raster fallen lassen, das nicht nach Bürofläche fragt — tagsüber arbeiten in der City fast sechshunderttausend Menschen, nachts wohnen dort nicht einmal zehntausend. Dazu kommt die Vorbereitung auf einen Labour-Finanzausgleich, dessen Konturen erst sichtbar werden.
Vor einer solchen Lage bleiben einer kommunalen Verwaltung zwei Wege. Sie streicht. Oder sie verlangt.
Die Corporation bereitet beides vor. Auf der einen Seite stehen Kürzungen bei Diensten, die in der City wenig Glanz, aber viel Funktion haben: Polizei, Brandschutz, Abfallwirtschaft, die stille Infrastruktur eines Stadtteils, der als Synonym für Kapital gilt und gleichzeitig eine kleine Gemeinde ist. Auf der anderen Seite stehen Steuererhöhungen und Anpassungen bei Geschäftsabgaben. In jedem anderen Londoner Bezirk treffen diese Werkzeuge die Ladenbesitzer an der High Street. In der City treffen sie Banken.
Die Pointe liegt im Timing. Parallel hat Chris Hayward, der Politikchef der Corporation, beim Schatzkanzler das eigene Budget-Submission eingereicht. Darin warnt er, keine Windfall-Steuer auf Banken zu erheben, keine sektorspezifischen Aufschläge einzuführen und die Mehrwertsteuer-Befreiung für Finanzdienstleistungen nicht anzutasten. Die Corporation bittet die Regierung also, genau die Hebel liegen zu lassen, mit denen sie ihr eigenes Loch stopfen könnte.
Was die Quellenlage hergibt: Eine einzige Primärquelle, die ungeprüfte Jahresrechnung des CityFund. Sie ist in zwei voneinander unabhängigen Londoner Medienberichten aufgegriffen und bestätigt worden. Die Fair Funding-Reform ist angekündigt, nicht in Kraft. Die Labour-Reform ist angekündigt, nicht ausgehandelt. Nichts davon ist Spekulation. Aber nichts davon ist Endstation.
Die City of London ist keine Kommune wie andere. Sie ist die Selbstverwaltung eines Finanzdistrikts, der globale Geschäfte macht und lokal Schulgebäude repariert. Siebzig Millionen Pfund sind in den Türmen an der Threadneedle Street ein Rundungsvorgang. In den Schulen, auf den Märkten, rund um die Moorgate sind sie eine Generation.
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