Steuerurteil zerrt Hedgefonds aus den Cayman-Inseln
Es beginnt mit einem Urteil. Es endet mit einem Koffer.
Die Geschichte, die gerade durch die Korridore der Londoner Hedgefonds-Szene geistert, ist keine über gierige Banker. Sie ist eine über Buchhalter. Über Leute, die glaubten, sie hätten eine Struktur gefunden, die niemand zerlegt. Limited Liability Partnership, klang nach Schutz. Klang nach Mauer. Bis das Oberste Gericht Großbritanniens diese Mauer eingerissen hat — und zwar in einem Fall, in dem es um 200 Millionen Pfund ging.
BlueCrest Capital. Der Name stand jahrelang in den Bilanzen wie ein Gütesiegel. Diesmal steht er für das Gegenteil. 200 Millionen Pfund Verlust vor dem Supreme Court, weil das Konstrukt, in dem Partner und Kapital ruhten, vom Fiskus anders gelesen wurde als von den Erbauern. HMRC, die Steuerbehörde Seiner Majestät, hat nicht verhandelt. Sie hat gewonnen. Und jetzt rechnen andere LLP in der Stadt nach, ob sie die nächsten sind.
Denn LLP-Modelle sind keine Erfindung des Teufels, sondern des Steuerrechts. Sie verlagern Gewinne, bündeln Risiken, lassen Verbindlichkeiten als Schulden erscheinen, wo Anwälte sonst Eigenkapitel wittern. Wer eine LLP gründet, baut sich eine Tür in eine Welt, in der Geld sich bewegt, ohne dass es jemanden etwas angeht. Bis HMRC klopft. Bis ein Richter öffnet. Und dann stehen LLP-Gründer in London mit leeren Händen da und fragen ihre Berater, wohin mit dem Vermögen.
Odey Asset Management — der Name steht für mindestens eine Generation City-London-Geschichte, 32 Jahre um genau zu sein. Nun flattert den Investoren ein Brief ins Haus. Ein Brief, der in der Sprache der Branche klingt wie ein letztes Angebot. Die Firma, heißt es darin, wolle Vermögen aus dem Cayman-basierten OEI Mac Fund in ein neues Vehikel überführen, um es anschließend bei einem Konkurrenten unterzubringen. Einem Konkurrenten, wohlgemerkt. Nicht bei einer Schwester im Konzern. Nicht bei einem Vehikel im eigenen Verbund. Bei einem Rivalen.
Man darf das lesen, wie man will. Man muss es lesen, wie es da steht.
Der Cayman-Archipel ist seit Jahrzehnten der Lieblingsbriefkasten der Fonds. Wer dort eine Adresse hat, verschwindet aus dem Blickfeld jedes Steuerbeamten westlich der Karibik. Nun wird diese Adresse ungemütlich. Nicht, weil sich die Inseln geändert hätten. Sondern weil HMRC die Logik, mit der LLP-Strukturen zwischen London und George Town hin- und hergeschoben wurden, vor Gericht durchgepaukt hat. Die Antwort der Branche ist uralt und einfach: Wenn ein Postfach zu heiß wird, schreibt man es um. Wenn eine Struktur Ärger macht, gründet man eine neue. Wenn das alte Kleid nicht mehr passt, zieht man aus. Wohin, sagt das Kleingedruckte: zu einem anderen Fondsmanager, der das Vermögen in Empfang nehmen soll. So als wäre Geld ein Koffer, den man an der nächsten Garderobe abgibt.
Wer einem YouTube-Video mit dem Titel „Day in Life of HedgeFundAnalyst" glaubt, der Finanzmarkt sei ein Ort kluger junger Leute mit Laptops und Latte macchiato, der hat das Wesen der Branche nie gesehen. Die Wahrheit ist Prospekt und Postleitzahl. Die Wahrheit ist, dass Analysten, die einst als Junior Investment Analyst in Hedgefonds angefangen haben, heute Briefe unterschreiben, in denen steht: Wir empfehlen die Umschichtung Ihres Vermögens in eine Struktur, die wir noch gar nicht gegründet haben, bei einem Manager, der nicht zu uns gehört. Die Wahrheit ist, dass ein 32-jähriger Fonds, eine Adresse auf den Cayman-Inseln und 200 Millionen Pfund Verlust sich zur selben Geschichte fügen.
Was an diesem Vorgang beunruhigt, ist nicht der Vorgang selbst. LLP-Strukturen werden umgeschichtet, seit es LLP gibt. Hedgefonds ziehen um wie Zirkuszelte. Was beunruhigt, ist das Tempo. Was beunruhigt, ist, dass Konkurrenten als Auffangbecken dienen sollen. Was beunruhigt, ist die schweigende Frage hinter all dem: Wie viele LLP in der Stadt sehen gerade ihre eigenen Bilanzen durch und rechnen nach, was HMRC ihnen in Rechnung stellen wird, wenn die nächste Rechnung kommt? Berater sprechen derzeit mit der Behörde, Szenarien werden durchgespielt, Zahlen geprüft. Es ist das geräuschlose Vorspiel zu dem, was entweder eine Welle von Umstrukturierungen wird oder ein kurzer, teurer Schrecken.
Eines lässt sich sagen: Es geht nicht um Gerechtigkeit. Es geht um eine Rechnung, die fällig wird. Und um Leute, die das wissen und ihre Koffer schon gepackt haben.
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