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20. Oktober 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

Der Ausbau fragt nicht, ob das Wasser reicht

20. Oktober 2026 — E. Wolff

Die Bundesregierung will die Kapazitäten deutscher Rechenzentren bis 2030 mindestens verdoppeln, die Rechenleistung für Künstliche Intelligenz sogar vervierfachen. Gleichzeitig will sie jene Regeln lockern, die den ökologischen Preis dieser Rechenleistung begrenzen sollen. Die Novelle des Energieeffizienzgesetzes wird derzeit im Bundestag beraten. Was nach technischer Anpassung klingt, ist in Wahrheit eine Richtungsentscheidung: Das Zieldatum, bis zu dem Rechenzentren vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt sein müssen, soll nach hinten verschoben werden. Betreiber sollen ihre Abwärme künftig nicht mehr zwingend nutzen müssen.

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Hinter jeder Serverreihe steht eine Kühlung. Rechenzentren verbrauchen bereits heute rund 21,3 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. Das entspricht dem Bedarf von etwa neun Millionen Zwei-Personen-Haushalten. Für die Kühlung wird Wasser benötigt, oft in Regionen, die im Sommer ohnehin schon unter Trockenheit ächzen. Eine Auswertung des neuen Rechenzentrenregisters des Bundeswirtschaftsministeriums durch CORRECTIV zeigt: Jedes dritte Rechenzentrum in Deutschland steht in einer Region mit Wasserbeschränkungen.

Wasserknappheit ist keine abstrakte Größe. Sie ist der ausgetrocknete Acker in Brandenburg, der niedrige Pegel des Main, der vertrocknete Rasen im Vorgarten. Sie ist der Bauer, der seinen Kühen zusieht, wie sie auf der Suche nach Wasser die Felder umpflügen. Wenn ausgerechnet dort, wo das Wasser schon knapp wird, neue Serverkapazitäten entstehen, dann ist das keine Standortfrage. Dann ist es eine Prioritätenfrage.

Die Abwärme, die bei der Kühlung anfällt, wäre ein Geschenk. Fernwärme für Stadtteile, Wärme für Industrie, Energie, die längst da ist und nur genutzt werden müsste. Stattdessen verpufft sie zumeist ungenutzt. Das soll auch so bleiben können, wenn es nach der Novelle geht. Zwingend vorgeschrieben wäre die Nutzung nicht mehr.

Equinix erweitert im bayerischen Aschheim sein Rechenzentrum MU4. Es ist eines von vielen Beispielen für den Boom. MU4 taucht nicht im veröffentlichten Rechenzentrenregister auf. Das Register selbst ist ein Fortschritt — erstmals macht das Bundeswirtschaftsministerium Daten zu Anlagen, Energie- und Wasserverbrauch öffentlich. Doch der Überblick bleibt lückenhaft. Wer den Datensatz vollständig herunterlädt, kann nach Postleitzahlen suchen. Wer darauf angewiesen ist, dass Informationen leicht auffindbar sind, schaut durch.

Der Stromhunger der Branche ist bekannt. Einer Umfrage zufolge sieht ihn fast die Hälfte der Deutschen kritisch. Trotzdem befürwortet eine Mehrheit den Ausbau — unter der Bedingung, dass er grün erfolgt. Die Grünen und mehrere Umweltverbände sehen in den Plänen Risiken für die Umwelt. Sie warnen vor steigendem Wasserverbrauch, vor zusätzlicher Belastung der Stromnetze und vor einer Politik, die Tempo vor Sorgfalt setzt. Netzbetreiber stoßen bei neuen Anschlussanfragen bereits an ihre Grenzen. Der Ausbau von Künstlicher Intelligenz in Deutschland soll in den kommenden Jahren deutlich an Tempo zunehmen.

So stehen zwei Sätze nebeneinander. Der eine sagt: schneller. Der andere sagt: sauberer. Beide zusammen ergeben einen Kompromiss, der in der Praxis vor allem eines bedeutet — dass die Server wachsen, das Wasser aber nicht mitwächst. Die Bundesregierung will beides: mehr Kapazität und weniger Vorgaben. Was dabei offen bleibt, ist die Rechnung. Die ehrliche Rechnung darüber, was das Land an Wasser, Strom und Wärme eigentlich hat.

Der Ausbau fragt nicht, ob das Wasser reicht. Er fragt nur, wo das nächste Grundstück frei ist.

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  1. ZAHL Fast die Hälfte der Deutschen sieht den Stromhunger kritisch

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