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25. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Zwischen Toast und Test: Littlejohns Blick in die amerikanischen Kneipen

25. Oktober 2026 — Kastner

Man kann einen Präsidenten in den Abendstunden abschreiben, wenn die Belege aus einer Kneipe stammen. Genau das unternimmt Richard Littlejohn, Kolumnist des Daily Mail, in einem Beitrag der Rubrik „Debate", veröffentlicht am 22. Oktober 2026 um 23:00 GMT, aktualisiert am 24. Oktober um 04:13 GMT. Die Überschrift behauptet das Ende und verschiebt die Beweislast in den Schankraum: „Trump is toast? Don't ask me, just listen to what the voters are saying in the local Cheers-style bars of the US." Der Vorspann ist kühler: „Trump's toast. Don't take my word for it, just overhear the conversations in Bobby's, the Last of the Great Pioneer Town bars."

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Bobby's liegt in Florida, wo Littlejohn seit Jahrzehnten verkehrt; er betont, nicht in Amerika zu leben, sondern lediglich Zeit dort zu verbringen. Das Publikum reiche von pensionierten Self-Made-Milliardären bis zum lokalen Tennislehrer. Politik und Religion seien Themen, die man meidet, will man nicht Tür, Straße und schließlich den Ozean riskieren. Es sei ein Sportbar; man merke sich Dinge „by osmosis". Und dort, so der Text, lerne man mehr über den Zustand der amerikanischen Politik als in den „biased American TV networks – or the BBC".

Beim Lesen hört man, wie die Beobachtung zur Beweislinie wird: Dottie, eine pensionierte Nonne mit MAGA-Hüten im Pearly-Queen-Stil und einem lebensgroßen Kartonbild des Präsidenten im Wohnzimmer, sie gehe „mit dem Schiff unter". Und doch liegt über dem Schank ein „gentle buzz", ein nervöses Rumoren. Hat Donald den Faden verloren? Geht er in den „Crazy Joe Biden mode"? Dazu die Videos mit künstlich erzeugten Tieren, die das Weiße Haus in absurde Szenen schicken, und eine Pressesprecherin, die nach fünf Minuten wieder von ihrem Posten verschwunden war.

Das ist der Rohstoff. Rohstoff ist kein Beleg. Eine Kneipe ist keine Stichprobe, und Osmose ist keine Methode: keine Zahl der Gespräche, keine Namen, keine Gekodierung, kein unabhängiger Zeuge, kein Protokoll. Was Littlejohn anbietet, ist die Behauptung, die Stimmung eines Landes von über dreihundert Millionen Einwohnern aus einem einzigen Raum heraus zuverlässig zu lesen — aus einem Raum, in dem das Redeverbot gilt. Was dort gesagt wird, ist angreifbar, weil man es nur unter der Bedingung hört, es nicht laut zu sagen.

Dasselbe gilt für die zweite Spur. Das Silver Bulletin protokolliert Trumps Zustimmung nicht als Stimmung, sondern über Fragen nach einzelnen Feldern: Wirtschaft, Migration, Handel und Zölle, Lebenshaltungskosten. Trumps Zustimmungswert wird daran gemessen, wie die Öffentlichkeit die Bearbeitung konkreter Probleme beurteilt. Das ist der Teil, den der Wahlkampf abzählt und die Kneipe nicht liefern kann: dieselbe Frage, derselbe Maßstab, viele Stichproben, wiederholte Messung. Der Umweg ist größer. Die Zahl ist härter.

Und die Zahlen haben eine schärfere Kante als der Kneipenunmut. Eine von der Financial Times berichtete Erhebung im Vorfeld der Zwischenwahlen verbindet die Sorge der US-Wähler vor Korruption unter Trump mit der Erschöpfung, wenn es um die Bezahlbarkeit des Lebens geht: Günstelmissbrauch und affordability crisis werden zu einem einzigen Vorwurf verknüpft. Belegt ist bislang die Schlagzeile, nicht die Erhebung; Stichprobe, Feldzeit und Methodik liegen nicht vor. Die Richtung aber ist eindeutig: Der Unmut, den Littlejohn in Florida zu hören glaubt, hat eine moralische Kante, und die bekommt keine Sendezeit.

Gegenüber steht die Maschine, die Littlejohn verachtet. Fox News ist die führende Marke des Landes für Morgen- und Abendnachrichten; das Studio liefert täglich dieselben Vokabeln in geglätteter Sprechweise. Doch der Spott trägt eine schiefe Last. Wer das Fernsehen als voreingenommen verwirft und sich auf das eigene Gedächtnis verlässt, macht zwei Fassungen desselben Handwerks. Das Profilarchiv des Daily Mail zeigt die Hand: Unter „All their latest coverage" steht ein Kommentar mit der Überschrift, man kenne die Identität der Beamtin nicht, die sich einer Gruppe muslimischer Männer gestellt und sie an die Tradition freier Rede in Großbritannien erinnert habe — „she deserves a medal". Eine Zeile, die ihre eigene Lücke eingesteht und im selben Atemzug eine Medaille verteilt. Dieses Ohr sitzt auch in Bobby's am Tresen.

Was nach der Prüfung bleibt, ist nicht das Urteil, sondern der Abstand. Littlejohn hat ihn gefunden: zwischen dem, was die Studios behaupten, und dem, was die Leute in Florida unter der Theke flüstern. Betreten lässt er ihn nur mit einer Fußnote — eine Bar, ein Autor, keine Zahlen. Die belastbaren Instrumente sagen nicht „toast", sondern unzufrieden: zu Wirtschaft, Migration, Handel und Lebenshaltungskosten, zur Verknüpfung von Korruptionssorge und Bezahlbarkeit. Unzufrieden ist kein Urteil, aber es ist eine Zahl. „Trump is toast" bleibt vorerst eine Bestellung im Tresen, keine Diagnose. In Bobby's geht um zwei Uhr das Licht an; die Werte bleiben.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Richard Littlejohn: Man lernt mehr über die amerikanische Politik von Bobby's als von voreingenommenen TV-Netzwerken oder der BBC

    „so you learn more about the state of American politics from Bobby's than you ever do from watching the biased American TV networks – or the BBC.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZITAT FOX News ist die führende Marke für Nachrichtenübertragungen am Morgen und Abend

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZITAT Befragte fragen nach Trumps Umgang mit Wirtschaft, Einwanderung, Handel und Lebenshaltungskosten

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  4. ZITAT Trumps Zustimmungswert wird basierend auf öffentlichen Gefühlen zu spezifischen Themen verfolgt

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  5. ZITAT Die Meinungen der Wähler in lokalen Bars spiegeln die politische Lage von Trump wider

    „RICHARD LITTLEJOHN: Trump is toast! Don't ask me, just listen to what the voters are saying in the local Cheers-style bars of the US“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

2 Quellen · 2 davon belegt · 2 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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