Das Geld hinter Reform UK
Reform UK liegt seit mehr als einem Jahr an der Spitze der Umfragen, doch die Partei steht unter ernsthaften Fragen zu ihrer Finanzierung: Woher kommen die Mittel, wer steckt dahinter, welchen Einfluss erwarten die Geber? Der Observer bündelt diese Fragen unter der Überschrift „Bankrolling Farage: Who funds Reform?“ (observer.co.uk/who-funds-reform). Die Antwort ist weniger komfortabel als eine Schlagzeile. Das Geld konzentriert sich bei wenigen, außergewöhnlich vermögenden Personen; zugleich reichen die Verbindungen der Spender von fossilen Brennstoffen über die Finanzdienstleistungsbranche bis zu Offshore-Steuerparadiesen. Das belegt keine geheime Weisung, macht die Macht aber sichtbar.
Reform UK has topped the polls for more than a year, but serious questions hang over its funding: Where does the money come from, who is behind it and what influence do donors expect in return? The Observer has brought these questions together under the headline “Bankrolling Farage: Who funds Reform?” (observer.co.uk/who-funds-reform). The answer is less reassuring than the headline suggests. The money is concentrated among a small number of extraordinarily wealthy individuals, whose connections range from fossil fuels and financial services to offshore tax havens. This does not prove any secret orchestration, but it exposes the concentration of power.
Die am 12. Oktober 2026 veröffentlichte DeSmog-Untersuchung „Who Funds Reform UK?“ liefert die schärfste Zahl: Die Krypto-Milliardäre Ben Delo und Christopher Harborne haben Reform UK jeweils 36 Millionen Pfund (£36 Millionen) zugeführt, zusammen 72 Millionen. DeSmog stützt sich auf eine Auswertung veröffentlichter Spendendaten; eine vollständige unabhängige Prüfung beider jüngsten Zahlungen ist öffentlich nicht dokumentiert. Würden sie als zulässig gelten, kämen nach der Rechnung der Recherche 90 Prozent aller seit der letzten Wahl aufgezeichneten Finanzmittel von Personen mit Krypto-Bezug. Gesichert ist damit die behauptete Konzentration, nicht die Legalität jeder Einzahlung.
Harborne, von DeSmog mit einem Vermögen von 18 Milliarden Pfund beziffert, hat seit der letzten Wahl 15 Millionen Pfund gegeben; mit der neuen Zuwendung sind es 47 Millionen, seit dem Parteistart 2019 insgesamt 57 Millionen. Hinzu kommt ein persönliches Geschenk von fünf Millionen Pfund an Nigel Farage vor der Wahl von 2024, dessen Nichtdeklaration Gegenstand einer Untersuchung des Parliamentary Standards Commissioner ist. Diese Angaben stammen aus der DeSmog-Auswertung und der dort verzeichneten Spendenhistorie; sie sind keine Unvereinbarkeitsentscheidung. Sie zeigen aber, wie weit sich politische Finanzierung von der privaten Sphäre des Parteiführers lösen kann.
Auch ohne die 72 Millionen stammen nach DeSmog mehr als 72 Prozent aller seit der Wahl von 2024 verzeichneten Spenden von nur drei Personen, darunter Delo und Harborne. Delo, Mitgründer und ehemaliger Leiter von BitMEX, steuerte weitere acht Millionen bei; David Grainger 1,4 Millionen. Parteischatzmeister Nick Candy und der Fintech-Magnat Bassim Haidar gaben zusammen 1,7 Millionen. Sasan Ghandehari hat Millionen zugesagt, die noch nicht eingegangen seien, sowie mehr als 50.000 Pfund persönlich an Farage überwiesen. Ankündigungen sind kein Geldfluss. Die gezahlten Summen beruhen vorrangig auf Deklarationen; Herkunft und wirtschaftliche Verbindungen bleiben ohne Originaldokumente nur begrenzt prüfbar.
Das jüngste Krypto-Geld verdeckt die ältere Geldmaschine nicht. Eine openDemocracy-Untersuchung fand seit 2023 fast fünf Millionen Pfund aus Spenden vermögender Unterstützer, darunter Personen mit Verbindungen zu fossilen Brennstoffen, zur Finanzdienstleistungsbranche und zu Steuerparadiesen. Eine weitere Auswertung der Electoral Commission-Daten ergab, dass Nigel Farages Partei von Donoren und Unternehmen mit Bezügen zu Offshore-Steuerparadiesen fast 15 Millionen Pfund erhielt. Diese Summen sind nicht direkt mit den 72 Millionen zu addieren: Sie umfassen unterschiedliche Zeiträume, Zuwendungsarten und teils nur die Nähe zu Offshore-Strukturen. Die openDemocracy-Recherche stützt die Größenordnung; die Zuordnung der nahezu 15 Millionen verlangt jedoch eine Prüfung jeder Verbindung. Belegt sind weder ein Kauf politischer Einflussnahme noch ein unzulässiger Erwerb, wohl aber Finanzbeziehungen, die Aufklärung verlangen.
Reform UK hat nach DeSmog außerdem große Summen zurückgezahlt, nachdem erkannt worden war, dass bestimmte Zuwendungen nach britischem Recht unzulässig waren. Das belegt Kontrolle, aber auch die Nähe des Finanznetzes zur Partei. Die jüngste Krypto-Zahl ruht bislang vor allem auf einer einzigen aktuellen Recherche; die älteren Muster werden durch externe Auswertungen gestützt. Für eine belastbare Einordnung müssen Originaldeklarationen, wirtschaftlich Berechtigte, Zahlungswege und Prüfvermerke offenliegen. Ohne diese Akten bleibt die zentrale Aussage der Recherche gut begründet, die Einordnung einzelner Zuwendungen aber nicht vollständig unabhängig abgesichert.
Die politische Frage ist damit nicht, ob Reform UK Finanzierung braucht, sondern ob eine Partei, die seit mehr als einem Jahr vorn liegt, einen Wettbewerb mit einer Konzentration von Kapital führen kann, die den Wettbewerb um Mandate verzerrt. Die Antwort ist nicht durch Blicke auf Spenderlisten zu ersetzen. Wer die politischen Ambitionen und den Erfolg von Reform UK finanziert, muss an den Eigentumsverhältnissen und den Interessen dieser Spender gemessen werden. Sonst bleibt die Führung eine Behauptung; die Finanzierung ist die dokumentierte Fußnote.
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