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2. November 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

Der grüne Mantel für das alte Gasgeschäft

2. November 2026 — E. Wolff

Das politische Versprechen der Heizungsreform lautet: Die Wärmeversorgung wird klimafreundlicher. Die ökonomische Wirklichkeit ist weniger schillernd. Die grüne Transformation bleibt notwendig, doch ihre Kosten tragen zunächst die Verbraucher. Die Gaswirtschaft soll zugleich eine Ersatzzulage bekommen: ein neues Produkt, ein verlängertes Netz und eine Tür für weiteres Erdgas.

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Die Gaslobby hat sich über dieses Ergebnis gefreut. LobbyControl dokumentiert, dass das ursprünglich klimapolitisch ambitionierte Heizungsgesetz nach langem koalitionsinternen Ringen immer weiter entkernt wurde. Umwelt-, Mieter- und Verbraucherverbände kritisierten. Das schafft der Branche Zeit.

Im Zentrum steht die geplante Grüngasquote, ein lang gehegter Wunsch der Gaslobby, den die Bundesregierung nun umsetzt. Ab 2028 sollen Gasversorger dem eingespeisten Gas ein Prozent grüne Gase beimischen; bis 2045 soll die Quote auf 100 Prozent steigen. Zwischen Start und Vollquote liegen 17 Jahre. Die Rampe ist lang. Die Branche kann ihre Kundenbasis in eine grüne Erzählung überführen.

Im veröffentlichten Eckpunktepapier fehlen Herkunft und Kosten der alternativen Gase. Die Quote soll außerdem nicht verbindlich sein. Wer sie verfehlt, soll durch Zahlungen ausgleichen dürfen. Damit wird die Verfehlung selbst zur Ware: ein Freikauf vom Klimaziel. CORRECTIV sieht darin die Gefahr, das bisherige Geschäft mit der Quote zu verlängern. Zugleich warnt die Recherche, dass grüne Gase knapp, teuer und nicht automatisch klimaneutral sind.

Für Menschen, die mit Gas heizen, kann daraus nur teurer werden. Das ist der harte Kern: Laut einem Check der CORRECTIV zu den Regierungsaussagen steigen in den nächsten Jahren der CO2-Preis und die Netzentgelte. Heizen mit Gas wird deshalb auf jeden Fall teurer als bisher. Durch steigende Nachfrage könnten die Heizkosten sogar explodieren. Das zusätzliche Risiko ist offen; die Erhöhung steht fest.

Und hier riecht die Rechnung nach einem doppelten Geschäft. Das Netz bleibt am Leben, obwohl seine Zukunft angezweifelt wird. Die Versorger erhalten für ihre Ware einen grünen Deckmantel, während die Lücke zwischen knappen grünen und teuren fossilen Gasen den Haushalten bleibt. Das ist für Verbraucher keine Rendite, sondern Abgabe: Wer die Heizung nicht ersetzen kann, zahlt mit, damit der Übergang für andere bequem bleibt.

Wasserstoff schließt die Rechnung nicht sauber. Er wird in aller Regel aus Erdgas hergestellt. Damit öffnet die Gaslobby tatsächlich ein Türchen für das fossile Heizen. Nicht jeder Wasserstoff stammt so, und ohne belastbare Zahlen lässt sich nicht behaupten, jeder grüne Gasanteil sei nur ein Etikett. Belegt ist aber: Die Konstruktion kann eine fossile Kette am Leben halten, statt den Bruch zu erzwingen.

Wie profitabel ist das? Die Quellen geben keine belastbare Gewinnsumme her; eine glatte Behauptung wäre gefährlich. Nicht belegt ist eine Aufteilung zwischen Versorgern, Netzbetreibern und Lobby. Nachgewiesen sind die Anreize: eine möglicherweise verlängerte Gasnachfrage, zusätzliche Absatzmöglichkeiten für grüne Gase und eine Zahlungsoption bei verfehlter Quote. Die Gewinnhöhe bleibt offen. Die Branche bekommt eine Option, die Haushalte bekommen die Rechnung.

Die Verunsicherung treibt das Ganze an. Viele Menschen wissen nicht, ob sie jetzt ersetzen, später ersetzen oder weiter Gas nutzen sollen. Sie hören von steigenden Netzentgelten, unklaren Kosten für grüne Gase und einem Gesetz, dessen Zusagen nach koalitionsinternen Ringen schrumpfen. Das erzeugt Misstrauen in das politische System. Für Haushalte ohne Rücklage ist Wärme keine Investition, sondern eine Pflicht; jede Verschiebung wird zur Rechnung des nächsten Monats.

CORRECTIV zitiert Till Irmisch vom Umweltinstitut mit dem Urteil, das Gesetz ergebe keinen Sinn und könne kaum Klimaschutz sein: Es fehlten konkrete Zahlen zur Klimawirkung und zu den Kosten, zudem würden grüne Gase das Gasnetz künstlich am Leben halten. Alaa Alhamwi nennt die Quote verwässert, die Kontrolle ungeklärt und das Festhalten an Öl und Gas angesichts der Energiepreiskrise falsch. Die Bundesregierung, so ihr Vorwurf, habe keinen Plan.

An der Notwendigkeit der grünen Transformation ändert dieser Befund nichts. Nur ist eine Quote kein Klimaschutz, wenn Herkunft, Kosten und Klimawirkung offen bleiben. Darin liegt die ökonomische Rettungsharnisch der Gaswirtschaft: Die Grüngasquote kann den fossilen Kundenkreis am Leben halten, einen Markt für seltene Gase schaffen und die Rechnung der Verunsicherung den Bürgern überlassen. Solange die Behörden diese Fragen nicht beantworten, trägt der Staat einen grünen Mantel, unter dem das alte Geschäft weiterarbeitet.

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