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Terminal Tribune

6. November 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

These firms you've never heard of are feeding fears the AI bubble could burst

6. November 2026 — E. Wolff

Hinter dem schillernden Versprechen steckt eine Maschine aus Verträgen, Chips und Schulden. Unbekannte „Neocloud“-Anbieter betreiben riesige Rechenzentren und vermieten ihre Kapazität an große KI-Entwickler. Das Geschäft verspricht stabilen Umsatz, doch die Rechnung kommt sofort: Die Hardware muss vorab bezahlt werden. Deshalb schließen die Anbieter langfristige Verträge und leihen sich anschließend Geld, wobei sie diese Verträge und die gekauften KI-Chips als Pfand stellen. Aus künftigen Einnahmen wird damit gegenwärtige Liquidität. Wird die Zukunft nicht so eintrifft, wie sie auf dem Papier aussieht, trägt der Gläubiger die erste Rechnung.

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Die Höhe der Schulden von Rechenzentren wird inzwischen in Milliarden Pfund gemessen. CoreWeave, einer der führenden Anbieter, hat nach Angaben von Analyst Cory Johnson 35,1 Milliarden Dollar beziehungsweise 26,3 Milliarden Pfund angehäuft. Bei neuen Krediten richten sich die Banken häufig nicht allein nach der Bonität des Anbieters, sondern nach den Kunden, etwa Microsoft oder Meta. Der Konzern muss damit rechnen, dass ein vertraglicher Ausfall seiner wichtigsten Kunden nicht nur die eigene Kasse trifft, sondern unmittelbar den Wert seines Pfands.

An den Märkten bewegt sich bereits die Unruhe. CoreWeave verlor within eines Monats ein Viertel seines Aktienwerts; bei Nebius, IREN und Applied Digital fielen die Kurse ähnlich stark oder noch stärker. Anleiheinvestoren verlangen inzwischen höhere Renditen. Analysten von Gartner erwarten, dass bis 2030 80 Prozent der Neocloud-Anbieter ihre Eigenständigkeit aufgeben werden. Forrester-Experten rechnen sogar mit mindestens drei unmittelbar bevorstehenden Übernahmen, weil die Finanzen wackeln. Das sind Prognosen, keine Totenscheine. doch der Markt behandelt sie bereits wie eine Vorahnung.

Denn der KI-Ausbau verschlingt inzwischen die Anleihemärkte. PIMCO-Chef Emmanuel Roman schätzt den Finanzierungsbedarf der Branche auf zwei Billionen Dollar in den nächsten fünf Jahren. Zum Vergleich: Der gesamte US-Anleihemarkt umfasst rund zwölf Billionen Dollar. Meta sammelte für eine Anleihe im Volumen von 15 bis 20 Milliarden Dollar Bestellungen von 58 Milliarden ein. Oracle kündigte weitere 20 Milliarden Dollar an, Alphabet sechs Milliarden Euro, Microsoft nach einem Jahrzehnt wieder 25 Milliarden Dollar. Die Rechnung wird nicht nur in Rechenzentren geschrieben. Sie wird in Schrift und Siegel auf millionenschwere Bonds.

Das erklärt, wer von diesem Wetteinsatz profitiert. Chiphersteller erhalten ihr Geld, Anbieter bauen Kapazitäten, große KI-Unternehmen sichern Rechenleistung ohne jede eigene Halle. Vor allem die Gläubiger verdienen: Zinsen, Gebühren und Risikoaufschläge auf eine Nachfrage, deren Endlichkeit niemand kennt. PIMCO war bereits an der chipbasierten Finanzierung von CoreWeave im Jahr 2023 beteiligt und verbuchte später 2 Milliarden Dollar Kursgewinne auf 29 Milliarden Dollar Meta-Anleihen. Dass derselbe Konzern nun vor einem Bruch warnt und zugleich KI-Schulden verkauft, ist kein Beweis für Missbrauch. Es zeigt aber, wie viel Wissen, Wette und Gewinn gleichzeitig nebeneinander bestehen können.

Die Finanzaufsicht befürchtet, ein Einbruch der KI-Ausgaben könnte die Märkte erschüttern. Zu den wachsenden Schulden kommen Cyberangriffe hinzu. Ein Angriff auf einen Rechenzentrum-Betreiber oder einen seiner Großkunden kann Kapazitäten stören, Zahlungen verzögern und Verträge gefährden. Die Maschine braucht dann nicht nur zu viel Strom und Kapital; ihr wichtigstes Pfand ist weicher als es auf den Büchern aussieht. Fällt ein einzelnes Unternehmen aus, kann sein Problem zur Hypothek eines anderen werden.

Eine Umfrage unter 440 Investoren, Ökonomen und Analysten der Deutsche Bank liefert die nüchternste Warnung: 57 Prozent betrachten einen Absturz der Technologiewerte oder nachlassendes Interesse an KI als eines der größten Risiken für die Marktstabilität im Jahr 2026. Die Zeitfrage bleibt dennoch unbeantwortet. Sie hängt davon ab, ob Nachfrage, Verträge und Kreditwürdigkeit gemeinsam brechen – und ob ein unsichtbarer Angriff den Moment beschleunigt.

Dalio weiß, dass eine Blase platzt. Er kann den Stift nicht nennen, an dem sie reißt. Wer die Datencenter finanziert, weiß nur, dass die Zinsen sofort fällig werden. Die Hoffnung wartet auf künftige Einnahmen; die Insolvenz erkennt lediglich, was bereits geschehen ist. Solange Rechnungen kommen, sieht alles nach Investition aus. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob die KI-Blase platzen wird, sondern wer beim Platzen noch auf einem sicheren Posten sitzt.

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