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Terminal Tribune

7. November 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

Berkshire kauft zurück, während die Gewinne schrumpfen

7. November 2026 — E. Wolff

Berkshire Hathaway hat im dritten Quartal rund 9,6 Milliarden US-Dollar in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt und die Käufe nach Unternehmensangaben beschleunigt. Berkshire kauft damit mehr eigene Aktien zurück als zuvor; nach Yahoo Finance war die Summe von 9,6 Milliarden Dollar ($9,6bn) die bislang höchste Ausgabe für Aktienrückkäufe in einem einzelnen Quartal des Konzerns.

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Die Kehrseite steht im selben Bericht. CNBC berichtet zu Berkshire Hathaways Quartalszahlen für Q3 2026 (BRK.A), dass sowohl der Betriebsgewinn als auch der Gesamtgewinn gefallen sind. Reuters fasst die Spannung präzise zusammen: Berkshire Hathaway beschleunigte seine Aktienrückkäufe im dritten Quartal und erklärte die eigenen Aktien zu einem der besten Anlagen, für die der riesige Cash-Bestand verwendet werden könne, während schwächere Versicherungsresultate die Ergebnisse belasteten.

Damit liegt die entscheidende Frage nicht im Warum des Rückkaufs, sondern im Warum jetzt. Ein schwächeres Geschäft spricht normalerweise für Vorsicht, nicht für den raschen Einsatz von Milliarden. Berkshire tut beides. Das kann taktisch klug sein. Es kann aber auch so wirken, als solle der Kapitalmarkt eine Entwicklung mit nüchternen Zahlen aufhalten, die nicht mehr so bequem zu erzählen ist.

Die Zahl von 9,6 MilliardenDollar ist zweifellos eindrucksvoll. Sie wird jedoch erst aussagekräftig, wenn man sie ins Verhältnis zum Cash-Bestand, zum erzielten Gewinn und zum bisherigen Rückkaufvolumen setzt. Ohne diese Gegenposten bleibt sie vor allem eine große Zahl. Und große Zahlen haben die Eigenschaft, schlechte Nachrichten rhetorisch zu überstrahlen.

Berkshire kann Aktien zurückkaufen, weil es über verfügbares Kapital verfügt. Ein Rückkauf ist zunächst eine Bilanzentscheidung, kein Beweis für gesunde Geschäfte. Das Geld wird vom Konto genommen, um eigene Anteilscheine zu erwerben und aus dem Umlauf zu nehmen. Weniger Aktien bedeuten: Der verbleibende Aktionär bekommt einen größeren Anspruch am verfügbaren Gewinn. Der Gesamtgewinn des Unternehmens muss dabei nicht steigen. Die Gewinne je Aktie können sogar steigen, obwohl die Gewinne insgesamt sinken.

So lautet die Formel: Gewinn je Aktie gleich Gesamtgewinn geteilt durch die Zahl der ausstehenden Aktien. Fällt der Gesamtgewinn, kann der Rückkauf den Rückgang abmildern oder sogar umkehren, sofern genügend Aktien herausgelöst werden. Für einen oberflächlichen Blick kann das wie Erholung aussehen. Tatsächlich wird zunächst nur der Nenner kleiner gemacht.

Das erklärt, weshalb der Rückkauf gerade in einem schwächeren Quartal eine bequeme Funktion erfüllt. Er stützt die Kennzahl, auf die Börsen schneller reagieren als auf eine nüchterne Bilanz. Den schwächeren Versicherungsbereich repariert er nicht. Ein schwaches Geschäft wird nicht dadurch stark, dass das Unternehmen Aktien zusammenkauft.

Trotzdem wäre es zu bequem, jeden Rückkauf als kosmetische Trickserei abzutun. Berkshire kann durchaus glaubhaft finden, dass der eigene Aktienkurs unter dem tatsächlichen Wert liegt. Dann wäre der Kauf eine sinnvolle Verlagerung von Cash in ein günstiges Asset. Die Unternehmensangabe, die eigenen Anteile zählten zu den besten Anlagen für den Cash-Bestand, ist eine Bewertung des Managements. Ob sie trägt, lässt sich aus den genannten Zahlen allein jedoch nicht entscheiden.

Hinzu kommt ein Risiko, das in der Aufregung um die 9,6 Milliarden leicht untergeht: Der Rückkauf reduziert die Liquiditätsreserve. Bei einem Versicherer ist Cash nicht nur eine Schachtel, in die überschüssiges Geld gelegt wird. Es ist Puffer für Ansprüche, Verluste und plötzliche Belastungen. Je größer der Anteil der Rückkäufe am verfügbaren Cash, desto weniger Spielraum bleibt. Das ist kein Beweis für eine übertriebene Bilanz, wohl aber eine Rechnung, die Berkshire mit jedem Rückkauf kleiner macht.

Die derzeitige Lesart lautet daher: Kapitalallokation mit einem scharfen Geruch von Optik. Die freundlichere Lesart lautet: Das Management nutzt eine Schwankung im Versicherungsgeschäft, um Aktien unter Wert zu kaufen. Welche Lesart richtig ist, wird sich nicht an der Kaufgeschwindigkeit zeigen, sondern an den folgenden Quartalen.

Falls sich die schwächeren Versicherungsresultate erholen und Betriebs- sowie Gesamtgewinn wieder steigen, war der beschleunigte Rückkauf womöglich eine kluge Investition. Bleiben die Gewinne niedrig oder sinken sie weiter, während Berkshire Aktien zurückkauft, um die Kennzahlen zu schützen, wird der Rückkauf zur teuren Kosmetik. Die 9,6 Milliarden schaffen dann keinen Wert. Sie verändern nur, wie dessen Verteilung auf dem Papier aussieht.

Bis dahin bleibt Berkshire Hathaway eine Maschine mit zwei Zählern: Auf dem einen stehen Milliarden für Rückkäufe. Auf dem anderen stehen niedrigere Gewinne. Die zweite Zahl ist unbequemer. Die erste Zahl ist nur deshalb so laut, weil sie die zweite überdecken soll.

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