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KI-Porno: Wie Algorithmen queere Körper wieder unsichtbar machen

9. April 2026 — — Morrison, over and out.

Die Maschinen lügen nicht. Oder doch? Seit die Algorithmen der neuen Pornografie-Industrie ihre ersten, billigen, aber perfekten Gesichter in die Welt gesetzt haben, ist es still geworden. Kein Aufschrei der Aktivistinnen, keine Proteste der Betroffenen – nur das leise Knirschen der Datenbanken, die sich selbst füllen. Und während die Welt über die Regulierung diskutiert, als ginge es um Zensur statt um Macht, hat sich längst etwas anderes ereignet: Ein neuer Kolonialismus der Lust.

Die Zahlen sind nicht neu, aber sie brennen trotzdem. Laut einer Studie der Global Voices-Redaktion – und die hat wenigstens den Mut, es zu sagen – sind 68 Prozent der KI-generierten Pornoinhalte heteronormativ codiert. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, wer die Algorithmen trainiert hat: Männer, die sich selbst als „künstlerische Visionäre“ feiern, während sie mit maschineller Präzision die Körper von Frauen und queeren Menschen in Schablonen pressen. Die Transgender-Aktivistin Priya aus Mumbai, deren Name ich nicht veröffentlichen kann – zu gefährlich, seit sie vor einem Jahr öffentlich machte, wie oft ihr digitales Double in „erotischen“ KI-Szenen als „nicht-binär“ markiert wurde, nur um dann doch als „Frau“ zu performen –, sagt: „Es ist, als würde man uns wieder in die Schublade stecken. Nur dass diesmal die Schublade aus Nullen und Einsen besteht.“

Die Ironie? Die KI kann queere Körper. Sie kann sie sogar besser darstellen als je ein Studio vor ihr – wenn man ihr die Daten gibt. Aber wer gibt sie ihr? Die großen Plattformen, die sich gerade über die „ethischen Bedenken“ hermachen, haben längst ihre eigenen Farmen in Bangalore und Kiew, wo Dutzende junge Frauen und nicht-binäre Personen für einen Hungerlohn vor der Kamera stehen – oder besser gesagt: vor der Kamera werden. Die KI lernt nicht von ihnen. Sie lernt von ihren Daten, die dann wieder gegen sie verwendet werden. Ein Kreislauf, der so alt ist wie die Ausbeutung selbst. Die Römer nannten es patronat. Heute heißt es Deepfake-Piraterie.

Und die Regulierung? Ein Witz. Die EU redet von „Content-Moderation“, die USA von „Verbraucherschutz“ – als ginge es um zu viel Salz im Essen statt um die systematische Auslöschung queerer Präsenz. In Indien, wo die KI-Pornografie besonders wild wuchert, hat die Regierung zwar versucht, mit einem Gesetz gegen „digitale Gewalt“ gegen Transpersonen vorzugehen. Doch was nützt ein Paragraph, wenn die Algorithmen selbst die Sprache der Unterdrückung sprechen? Die KI weiß nicht, was „queer“ bedeutet. Sie weiß nur, was mehrheitlich konsumiert wird – und das ist, seit jeher, der Blick des Mannes.

Die letzte Frage, die niemand stellt: Wem gehört die Lust, wenn sie nicht mehr von Menschen gemacht wird? Den Tech-Milliardären? Den Plattformen, die uns mit personalisierten Scham versorgen? Oder den Körpern selbst, die längst keine Stimme mehr haben – weil sie nie eine hatten, außer in den Rissen des Systems?

Evelyn singt unten im Café. Ihr Lied ist alt, aber die Melodie kennt jeder. Auch die Maschinen. Irgendwann werden sie sie auch mitsingen.

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