Ein Engländer, ein Becken, neunzig Millionen Dollar
Manche Biografien lassen sich am Rand einer Badewanne zusammenfassen, und das ist keine Metapher, sondern ein Befund. David Hockney, der am vergangenen Donnerstag im Alter von achtundachtzig Jahren gestorben ist, hat das Becken zu seinem Bildgegenstand gemacht wie kein anderer vor ihm, und vermutlich auch nach ihm, denn was einmal zur Ikone geronnen ist, lässt sich nicht mehr in etwas Lebendiges zurückverwandeln. Die Badewanne wurde bei ihm zur Leinwand, das Chlor zum Pigment, und das Licht, jenes kalifornische Licht, das er sich aus Hollywood und Los Angeles holte, wurde zur eigentlichen Hauptsache. Alles andere, die Handtücher, die nackten Rücken, die Spritzer — nur Staffage.
Nun liegt er also unter der Erde, und die Maschine, die er mit seinen Schwimmbecken unwissentlich in Gang gesetzt hat, schnurrt weiter, gleichmäßig, gewinnbringend, ohne jede Sentimentalität. Im November des vergangenen Jahres, das werden die Auktionsprotokolle festhalten, wechselte eines seiner Werke für neunzig Millionen Dollar den Besitzer. Neunzig Millionen. Man muss diese Zahl zweimal lesen, damit sie ihre Absurdität verliert und ihre eigene annimmt, die nüchterne Absurdität einer Welt, in der Lichtreflexe auf Wasseroberflächen, festgehalten in Acryl, in einen Wert übersetzt werden, der die Verwaltung ganzer Landstriche übersteigt. Es gab einmal eine Zeit, da nannte man so etwas einen Künstlerlohn. Heute nennt man es Auktionsergebnis, und das ist, wie jeder weiß, der in Genf jemals einem Vertragsentwurf beigewohnt hat, eine völlig andere Kategorie.
Hockney war Brite, geboren in Bradford, und das ist eine jener biographischen Notizen, die wie ein Stempel auf dem Pass wirken, unauslöschlich, selbst wenn man den Atlantik fünfzig Mal überquert. Er ging nach Kalifornien wie andere vor ihm nach Tanger oder Capri gingen, auf der Suche nach jenem Licht, das die Engländer zu Hause so schmerzlich vermissen und das ihnen in der Fremde dann so teuer verkauft wird, im wörtlichsten wie im übertragenen Sinne. Er fand es, und er malte es, immer wieder, in immer neuen Versionen, als müsste er sich selbst davon überzeugen, dass das Licht wirklich existiert und nicht nur eine Erfindung der Optik oder der Werbung.
Dass aus diesem Licht irgendwann neunzig Millionen Dollar wurden, ist eine Mechanik, die ihre eigene Logik hat und die doch, von außen betrachtet, wie ein perpetuum mobile anmutet, das von keinem Naturgesetz gestützt wird. Es beginnt mit der Leinwand, es endet mit dem Käufer, und dazwischen liegen die Galeristen, die Berater, die Auktionshäuser, die Versicherungen, die Spediteure, die Provenienzforscher, die Steuerberater, und alle nehmen sie ihren Anteil, jeder auf seine Weise, jeder mit Handschlag, und keine einzige Hand wird dabei nass. Hockney stand am Anfang dieser Kette, später in ihrer Mitte, und am Ende steht nun ein Tod, der, so darf man vermuten, die Kette nicht unterbricht, sondern lediglich um ein weiteres Glied verlängert.
Man könnte fragen, was ein Mann wie Hockney von alldem wusste. Die Antwort ist: alles, vermutlich, und nichts, weil Wissen in dieser Sphäre keine Schutzfunktion mehr besitzt. Wer einmal in das Auge eines Sammlers geblickt hat, der versteht, dass die Bewunderung dortselbst eine Waffe ist, gezielt, gepflegt, niemals entsichert, immer auf das nächste Objekt gerichtet. Hockney hat das Spiel mitgespielt, und er hat es besser gespielt als die meisten, weil er begriff, dass die Pose des Unbeteiligten der wirksamste Einsatz ist. Wer so tut, als ginge es ihm ums Licht, während es ihm um den Preis geht, der hat den Code geknackt.
Nun ist er also tot, achtundachtzig Jahre alt, und die Nachrufe werden nicht auf sich warten lassen. Sie werden das Wort "bahnbrechend" enthalten und das Wort "einzigartig", und sie werden verschweigen, was wirklich zählt: dass ein Maler, der das Wasser so gut kannte, am Ende selbst zum Wasser wurde, flüssig in den Erinnerungen, ungreifbar in den Preisen, gegenwärtig nur noch in jenen Becken, die er zurückgelassen hat auf den Wänden derjenigen, die sich ein Stück davon leisten konnten. Bradford hat ihn nicht gekannt, Los Angeles hat ihn behalten, wie es alles behält, was glänzt.
Wenn ich an Hockney denke, denke ich an das Licht, das er gemalt hat, und an die Hände, die es bezahlt haben. Zwischen diesen beiden Polen liegt die ganze Geschichte der Kunst in unserem Jahrhundert, und sie ist, wenn man ehrlich ist, kein erhebendes Kapitel. Sie ist ein Protokoll, ein Vertrag, der nie ganz eingehalten wurde, ein Versprechen, das im Chlor der Auktionssäle aufgelöst wurde. Hockney hat das gewusst. Ich vermute, er hat es geliebt, auf seine Art, still, britisch, mit Handschuhen.