Andy Burnhams Zeitmaschine: Ein Briefing für Puppenspieler
Andy Burnham hat wieder eine Zeitmaschine gebaut – oder zumindest eine sehr glatte Legende. In einem Interview mit der Daily Mail behauptet er, der Brexit „hätte verhindert werden können“, wenn er 2016 anstelle von Jeremy Corbyn an der Spitze von Labour gestanden hätte. Die Behauptung ist so elegant wie ein falscher Pass – glatt, aber mit einem Haken, der sich erst im Nachhinein zeigt.
Burnhams Argument basiert auf der klassischen ex-post-Analyse: „Hätte ich damals X gesagt, wäre Y passiert.“ Doch was fehlt, sind die Alternativpläne. Die Strategie, die er heute als selbstverständlich darlegt, war 2016 nicht vorhanden. Es war ein Spiel mit historischen Karten, die er erst nach dem Deal – oder besser: nach dem Desaster – gemischt hat. Labour hatte 2016 keine klare Position, keine Mehrheit im Parlament für einen Verbleib, keine Garantie, dass selbst ein „Remain“-Votum den Brexit hätte stoppen können. Burnhams Behauptung ist wie ein Schachzug, der nur funktioniert, wenn man die Regeln des Spiels erst nachträglich ändert.
Full Fact hat bereits ähnliche Muster bei Burnham beobachtet: Fakten werden selektiert, Kontexte weggelassen. Die Behauptung, er hätte den Brexit verhindert, ist ein politisches Manöver – wie immer bei ihm. Es dient nicht der Aufklärung, sondern der Inszenierung. Es ist ein Briefing für Puppenspieler, die mit historischen „Was-wäre-wenn“-Szenarien jonglieren, während die Fäden längst in ihren eigenen Händen liegen.
Die Frage bleibt: Wenn Burnham so sicher ist, warum hat er 2016 nicht einfach die Strategie umgesetzt? Vielleicht, weil sie nicht existierte. Vielleicht, weil er damals noch nicht wusste, wie man Geschichte schreibt – oder wie man sie umschreibt. Eines ist sicher: Seine Zeitmaschine läuft nur rückwärts. Und die Zukunft? Die bleibt ein ungelöstes Rätsel.