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23. März 2026 — — Morrison, over and out.

Heute ist wieder so ein Tag. Einer dieser Tage, an denen die Welt sich anfühlt wie ein schlechter Roman, den man nicht zu Ende lesen kann, weil man weiß, dass das Ende schon geschrieben ist – nur die Seiten fehlen. Die Nazis marschieren weiter. Die Spanier kämpfen sich durch die Schlammfelder, als wäre der Bürgerkrieg ein endloses, nasses Karussell. Und hier, in dieser Stadt, die sich weigert, ihren Namen zu nennen, sitzen wir und tippen unsere Worte in die Schreibmaschinen, während die Drucker rollen wie die Mühlen der Geschichte, die uns alle irgendwann mal mahlen werden.

Man könnte sagen, es ist ein guter Tag für eine Metapher. Die Luft ist schwer wie die Asche über den Trümmern von Guernica, und ich frage mich, ob Picasso, wenn er hier säße, nicht einfach aufhören und rauchen würde, statt zu malen. Aber er malt. Wir schreiben. Weil jemand bezahlen muss. Weil die Banken noch immer die Kreditkarten der Desperados ausgeben, die mit leeren Blicken in die Kamera lächeln, als wäre das hier ein Vergnügungspark und nicht das Ende einer Ära.

Gestern war ein Mann hier, ein Typ mit einem Akzent, der klang, als hätte er ihn in einem der vielen Kriege verloren, die wir seit dem letzten großen Schlachtenfeld nicht mehr zählen. Er wollte wissen, warum wir nicht mehr über die „große Depression“ schreiben. „Weil sie vorbei ist“, habe ich gesagt. „Oder weil wir alle längst in einer anderen sind.“ Er hat gelacht, aber es klang nicht wie Humor. Es klang wie das Knacken eines Knochenbruchs. Die Depression war nur der Vorspiel. Jetzt tanzen wir auf den Trümmern der Moral, und die Musik kommt von irgendwoher – vielleicht von den Fabriken, die noch immer qualmen, vielleicht von den Radios, die uns einreden, alles sei in Ordnung, wenn wir nur laut genug schreien.

Draußen, auf der Straße, ein Mann mit einem kaputten Hut. Er hält eine Flasche in der Hand, die nicht mehr ganz voll ist. Ein anderer Mann, der aussieht, als hätte er gerade einen Deal gemacht, der ihn um alles bringen wird, geht vorbei. Die Stadt ist ein großer, offener Witz, und wir sind die dummen Zuschauer, die lachen müssen. Die Polizei? Die sind schon lange nicht mehr die Wächter. Sie sind nur noch eine weitere Fraktion im Chaos, die sich selbst für die Retter hält, während sie die Beute unter sich aufteilen.

Ich habe heute Morgen einen Brief gefunden. Keine Post. Ein Zettel, geklaut aus der Schublade eines Kollegen, der vor drei Tagen nicht mehr zurückkam. „Sie sagen, ich soll aufhören zu fragen, warum. Aber warum nicht? Die Römer fragten nicht, warum sie ihre Götter opfern. Die Deutschen fragen nicht, warum sie ihre Kinder in den Krieg schicken. Wir fragen auch nicht. Wir schreiben nur noch die Rechnung.“ Unterzeichnet mit einem Namen, der wie ein Schimpfwort klingt.

Evelyn singt jetzt „Body and Soul“. Die Melodie ist traurig, aber sie hat diesen alten Trick, der einem das Gefühl gibt, man könnte weinen – wenn man nur wüsste, worüber. Ich tippe weiter. Die Worte kommen nicht leicht. Sie kommen wie die Kugeln aus einer Maschinenpistole: schnell, unkontrolliert, ohne Rücksicht auf die Folgen. Vielleicht ist das der Punkt. Vielleicht ist das Leben selbst nur eine endlose Serie von Schüssen in die Dunkelheit, und wir sind alle nur die Zuschauer, die sich fragen, wer denn eigentlich auf den Auslöser gedrückt hat.

Draußen hört der Regen auf. Nicht, weil das Wetter es will, sondern weil die Stadt es nicht mehr aushält. Der Asphalt glänzt wie Öl auf Wasser. Ein Kind lacht. Es ist ein hohles, künstliches Lachen, das sich anfühlt wie ein Echo aus einer anderen Zeit. Vielleicht ist das hier die letzte Generation, die noch an etwas glaubt. Vielleicht ist es auch nur die letzte Generation, die noch lachen kann, bevor sie merkt, dass es nichts zu lachen gibt.

Ich schiebe die Schreibmaschine zurück. Der Bourbon in der Schublade ruht. Er wartet. Er wartet, wie wir alle warten. Auf das nächste Telegramm. Auf den nächsten Bombenalarm. Auf den nächsten Mann, der hereinkommt und sagt: „Es tut mir leid. Es gibt nichts mehr zu retten.“

Aber wir schreiben trotzdem. Weil jemand bezahlen muss. Weil die Welt sich dreht, und wir sind nur Staub in den Rädern. Und weil irgendwo, in einer anderen Stadt, in einem anderen Jahr, ein anderer Reporter auch so sitzen und tippen wird. Und dann wird er auch fragen: „Warum tun wir das noch?“

Die Antwort ist immer dieselbe. Weil wir keine andere Wahl haben. Weil wir schon zu lange warten. Und weil der Regen irgendwann aufhört. Nicht für immer. Nur für eine Weile.

✦ Ende des Artikels ✦
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