At least 65 Nigerian soldiers killed in jihadist raids in country’s north-east
Manchmal frage ich mich, ob die Geschichte überhaupt je aufhört, sich zu wiederholen. Die Römer haben ihre Kriege geführt, die Deutschen ihren, die Chinesen ihre – und wir? Wir sitzen hier, rauchen unsere Zigaretten und warten darauf, dass der nächste große Scheiß kommt. Heute ist es wieder so eine Meldung, die einem das Gefühl gibt, in einem schlechten Theaterstück zu stecken, wo die Schauspieler wissen, dass das Stück ohnehin scheiße endet, aber trotzdem weitermachen, weil sie keine andere Wahl haben. Die Rede ist von den neuen „Sonderwirtschaftszonen“ in Ostasien, diese verdammten Enklaven, in denen die Japaner tun und lassen, was sie wollen, während die Chinesen schauen, als wäre es ein schlechter Traum, aus dem sie nicht aufwachen können. Die Briten nennen es „Geschäft wie immer“, die Amerikaner „Opportunität“, und die Deutschen? Die Deutschen sagen nichts, weil sie gerade damit beschäftigt sind, ihre eigenen Fabriken zu demontieren und die Leute zu fragen, ob sie vielleicht ein paar Mark für die „Volksgemeinschaft“ übrig haben.
Es ist, als würde man einem Mann einen neuen Anzug anziehen und ihm dann sagen, er solle sich jetzt als Kaiser verkleiden. Die Zahlen sind schön und rund: 100.000 Arbeiter, 500.000 Tonnen Stahl, eine „moderne Infrastruktur“ – klingt nach Fortschritt, klingt nach Aufschwung, klingt nach dem, was man einem blinden Mann als Sehhilfe verkauft. Aber wenn man genau hinschaut, sieht man die Schatten. Die Schatten der Männer, die in diesen Zonen arbeiten, für einen Pfennig am Tag, während die Japaner oben sitzen und sich über Tee und Diplomatie streiten, als wäre das hier kein Krieg, sondern ein teures Spiel. Die Schatten der Frauen, die in den Fabriken stehen wie lebende Maschinen, während ihre Kinder draußen frieren. Die Schatten der Bauern, die ihre Felder verlieren, weil jemand oben beschlossen hat, dass Eisen wichtiger ist als Reis.
Und dann ist da noch diese verdammte Sprache. „Wir bauen Brücken“, sagt man. „Wir schaffen Arbeit.“ Als ob Arbeit etwas wäre, das man einfach so verteilen könnte wie Zucker zu den Kindern. Als ob die Menschen nicht schon seit Jahrhunderten wissen, dass Arbeit, wenn sie nicht fair ist, nur ein anderes Wort für Sklaverei ist. Die Römer haben ihre Sklaven gehabt, die Deutschen ihre Zwangsarbeiter, und jetzt? Jetzt haben wir „Sonderwirtschaftszonen“, wo die Regeln anders sind, weil die, die sie aufstellen, denken, sie stünden über dem Gesetz. Über der Moral. Über dem Menschen.
Ich erinnere mich an die Depression. An die Jahre, in denen die Leute in den Straßen standen und bettelten, während die Banken lachten. An die Jahre, in denen die Fabriken stillstanden, weil niemand mehr kaufen konnte, und die Männer mit leeren Händen nach Hause gingen. Damals hat man gesagt, das sei nur eine Phase. Eine Krise. Etwas, das sich von selbst regeln würde. Und jetzt? Jetzt regeln es die Kanonen, die Fabriken, die Männer in dunklen Anzügen, die sich gegenseitig die Hände reichen und dabei tun, als wäre das hier Fortschritt. Als wäre das hier nicht der gleiche alte Scheiß, nur mit anderen Namen und ein paar neuen Zahlen.
Draußen hört der Regen auf. Für eine Weile. Dann kommt dieser verdammte Wind, der durch die Straßen fegt und die leeren Flaschen vor den Cafés hin- und herwirft wie Spielzeug. Ich trinke meinen Kaffee, der jetzt kalt ist, und denke daran, wie die Menschen in diesen Zonen leben werden. Ob sie wissen, dass sie Teil eines größeren Spiels sind. Ob sie sich fragen, warum sie arbeiten, bis sie umfallen, während irgendwo oben jemand ein Glas Sake trinkt und sagt: „Das ist der Weg in die Zukunft.“
Die Zukunft. Ein verdammtes Wort. Als ob wir nicht schon genug Zukunft gehabt hätten. Als ob wir nicht schon genug Kriege, genug Hunger, genug Lügen gehabt hätten. Aber nein. Die Zukunft ist immer noch da. Immer noch ein Versprechen, das niemand einlösen kann. Immer noch ein leeres Versprechen, das man den Leuten gibt, damit sie weiterlaufen, weiterarbeiten, weitersterben.
Ich tippe die letzte Zeile, während die Schreibmaschine wieder stottert. Die Tinte ist ausgetrocknet, also muss ich die Feder ausspülen. Irgendwo in der Stadt schreit ein Kind. Irgendwo anders lacht ein Mann, der gerade seinen letzten Pfennig verloren hat. Und irgendwo, ganz weit weg, bauen sie Brücken. Für die Zukunft.