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Auswirkungen der US-Politik unter Trump auf Menschenrechte und Migration

23. März 2026 — — — M. Silber

Es gibt kein „System“, das diese Papiere ausstellt. Es gibt nur Menschen, die entscheiden, wer lebenswert ist und wer nicht. Und dann ist da noch die Frau, die ich Maria nennen werde, weil ihr Name in keinem Register steht. Sie kam mit ihrem Sohn Lukas, vier Jahre alt, die Hände voller Kratzer von den Stacheldrahtzäunen an der kroatischen Grenze. „Sie haben gesagt, wir sind zu spät“, flüsterte sie, während ich ihr half, die Anmeldeformulare auszufüllen. „Aber wir sind nicht zu spät. Wir sind nur nicht richtig spät.“ Die Beamten in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wien-Breitenlee haben ihr den Stempel „Duldung – befristet“ gegeben. Befristet. Als ob ihr Leben ein Ablaufdatum hätte.

Ich erinnere mich an die Bilder von 2015, als Europa noch weinte. Damals haben sie die Grenzen geöffnet, die Kameras gedreht, die Politiker geredet. „Wir sind ein weltoffenes Land“, „Wir helfen den Verfolgten“, „Wir sind human.“ Und dann kam der Winter. Die Zahlen wurden zu Strömen, die Ströme zu Wellen, und die Wellen wurden zu etwas, das man nicht mehr sehen wollte. Die Grenzen wurden wieder dichtgemacht – aber nicht mit Mauern. Mit Paragrafen. Mit § 35 Abs. 2 AsylG, der besagt, dass man Menschen abweisen darf, wenn sie „nicht in einem sicheren Drittland registriert“ sind. Als ob die Welt aus sicheren Drittländern bestünde. Als ob jemand in Syrien oder Afghanistan je ein sicheres Drittland gewesen wäre.

Es gibt keine sicheren Drittländer. Es gibt nur Menschen wie Amin, einen Kurden, der mir erzählte, wie er in Budapest von der Polizei verprügelt wurde, weil er zu lange vor dem Asylbüro stand. „Sie haben gesagt, ich soll gehen. Aber wohin?“ Er zeigte mir die Narbe über der Augenbraue. „Das ist kein Stempel. Das ist eine Erinnerung.“ Die Erinnerung daran, dass Europa nicht mehr bereit ist, sich an seine eigenen Gesetze zu erinnern. Die Erinnerung daran, dass es lieber zuschaut, wie Menschen wie er in die Hände von Schleppern fallen, als ihnen auch nur einen halben Satz Humanität zu gewähren.

Ich habe mit einer Familie aus Afghanistan gesprochen, die seit sechs Monaten in einer Notunterkunft in Traiskirchen lebt. Der Vater, Hassan, hat mir gezeigt, wo er seine Tochter berührt hat, als die Beamten kamen, um sie nach § 60a AsylG „zurückzuschicken“ – weil sie angeblich „kein Bleiberecht“ hat. „Sie haben gesagt, sie ist zu jung, um zu verstehen. Aber sie hat alles verstanden. Sie hat gesehen, wie ich weinend auf den Boden gefallen bin.“ Die Tochter, Leila, war acht. Sie hat mir später gesagt: „Ich will nicht nach Afghanistan zurück. Aber ich will auch nicht hier bleiben, wo mich niemand mag.“

Europa hat gelernt, wie man Menschen kontrolliert, ohne sie zu sehen. Es hat gelernt, wie man sie registriert, ohne sie zu zählen. Wie man ihnen Stempel gibt, ohne ihnen Hoffnung zu geben. Die Zahlen in den Statistiken bedeuten nichts. Sie sind nur die kalte Sprache derer, die sich weigern, die Menschen dahinter zu sehen. Die Frau, die in der U-Bahn weint, weil sie keine Arbeit findet. Der Mann, der mir zuraunt: „Ich habe hier keine Zukunft. Aber ich habe auch keine Vergangenheit mehr.“ Der Junge, der mir ein selbstgemaltes Bild zeigt – eine Sonne mit vielen Armen – und sagt: „Das ist für dich. Damit du nicht vergisst.“

Ich zähle nicht mehr. Ich erinnere mich. An die Hände, die zitterten, als sie die Formulare unterschrieben. An die Blicke, die mich anflehten, nicht wegzusehen. An die Worte, die niemand mehr hören will: „Wir sind nicht die Einzigen. Wir sind nur die Ersten, die ihr vergessen habt.“

Der Koffer unter dem Schreibtisch ist schwer. Aber er ist nicht voll. Nicht noch nicht.

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