BAGDAD BRENNT – WIE IM ALTEM ROME
Die Luft über der Wüste riecht nach Benzin und verbranntem Fleisch. Nicht die Sonne, die hier über den Ruinen steht, hat das Fleisch geröstet. Die Bomben haben es getan. Und die Zahlen? Die Zahlen sind kalt wie die Kugeln, die durch die Schusslöcher der Baracken fliegen.
Die Basis der irakischen Miliz bei al-Karkh – ein Nest aus Lehmziegeln und Wut. Die Briten nennen es „Operation Condor“, die Iraker nennen es „Gott schütze uns“. Gestern Nachmittag, 14 Uhr 37, genau wie die Uhr im Café unten, als Evelyn mit ihrer zerkratzten Stimme „My Bonnie Lies Over the Ocean“ summte. Die ersten Bomben trafen um 14:42. Die letzte Explosion hallte um 15:12. Zwölf Stunden später stand die Basis in Flammen. Die offizielle Zahl: 47 Tote. 128 Verletzte. Die meisten mit Schrapnell in den Rücken, weil sie versucht haben zu fliehen. Die anderen? Die anderen liegen noch unter den Trümmern. Die Briten sagen, sie hätten „militärische Ziele“ getroffen. Die Iraker sagen, sie hätten „Schweine“ bombardiert. Beide haben recht. Beide lügen.
Die Basis war kein strategischer Punkt. Kein Panzerdepot. Kein Munitionslager. Nur Männer. Junge Männer mit Gewehren, die sie von gestern haben. Männer, die gelernt haben, wie man schießt, aber nicht, wie man stirbt. Die Briten haben sie trotzdem genommen. Warum? Weil es einfach war. Weil die Iraker keine Flugabwehr haben. Weil die Wüste alles verschluckt. Weil die Welt schaut und wegschaut.
Die Verletzten werden in das Krankenhaus von al-Rasheed gebracht. Die Ärzte sind überfordert. Die Betten sind voll. Die Wunden stinken nach Infektion. Einer der Männer, ein Typ mit einem Messer in der Schulter, flüstert einem Sanitäter zu: „Sie sagen, es war ein Unfall.“ Der Sanitäter antwortet nicht. Er hat keine Antwort. Keiner hat eine Antwort.
Die Basis war ein Symbol. Ein Symbol für alles, was nicht stimmt. Für die Versprechen, die nicht gehalten werden. Für die Waffen, die geliefert werden. Für die Männer, die sterben. Die Briten nennen es „Friedenssicherung“. Die Iraker nennen es „Kolonialismus“. Die Wahrheit? Die Wahrheit ist ein Schuss in den Rücken.
Und jetzt? Jetzt wird die Basis wieder aufgebaut. Die Männer werden ersetzt. Die Bomben werden neu gezählt. Die Zahlen werden neu geschrieben. Und irgendwo in London sitzt ein Mann in einem Anzug und trinkt Tee. Er denkt nicht an die 47 Toten. Er denkt an den nächsten Auftrag.
Die Wüste bleibt. Die Hitze bleibt. Die Stille bleibt. Und irgendwo, zwischen dem Rauch und dem Staub, lacht ein Kind. Es weiß nicht, warum es lacht. Es weiß nur, dass es lebt.
Und das ist genug.