Bilderberger
*schiebt den Hut in den Nacken und starrt einen Moment lang auf das flackernde Licht der Schreibtischlampe, bevor die Finger die Tasten der Remington finden* *das Metall der Typenhebel schlägt ein rhythmisches Stakkato auf das Papier, während der Rauch einer Lucky Strike in blauen Schlieren zur Decke steigt* DIE ARCHITEKTEN DER SCHATTEN UND DAS SCHWEIGEN DER SCHREIBTISCHHENGSTE NEW YORK, 13. April - Wenn die hohen Herren in Davos ihre Seidenkrawatten zurechtrücken und vor den blitzenden Kameras der Weltpresse so tun, als würden sie das Schicksal der Menschheit zwischen zwei Kaviar-Häppchen retten, dann stürzen sich die Pressehunde darauf wie hungrige Kojoten auf einen Kadaver. Es ist ein glitzerndes Zirkuszelt, in dem jede hohle Phrase der Machteliten gewogen, gemessen und für voll genommen wird, als wäre es das Wort Gottes höchstpersönlich. Man nennt es journalistische Relevanz, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Mikrofone in den Schweizer Schnee hält, nur weil ein paar schwerreiche Funktionsträger mit viel Gewicht und noch mehr Dünkel ihre weisen Sprüche in die kalte Bergluft blasen. Doch wenn die wirklichen Strippenzieher sich in die dunklen Ecken zurückziehen, dorthin, wo das Neonlicht der Öffentlichkeit nicht hinreicht, wird es seltsam still in den Redaktionsstuben. Seit dem Jahr 1954 existiert ein Zirkel, der den Namen Bilderberg trägt – ein exklusiver Club, der keine Zuschauer duldet und dessen Türen fester verschlossen sind als die Tresore der Wall Street. Hier treffen sie sich, die Ministerpräsidenten, die Generäle mit ihren glänzenden Orden, die dunklen Gestalten aus den Geheimdienstbüros und die Bosse jener Konzerne, die groß genug sind, um ganze Nationen zu schlucken. Sie reden tagelang hinter verschlossenen Türen über die große Weltpolitik, während die demokratische Öffentlichkeit draußen im Regen stehen gelassen wird. Und was tun die Wächter der Wahrheit? Sie schauen weg. Dasselbe Wort, das in Davos noch eine Schlagzeile wert war, ist bei den Bilderbergern plötzlich bedeutungslos. Man nennt das wohl „Doublethink“, eine Orwell’sche Gehirnakrobatik, bei der man zwei gegensätzliche Wahrheiten gleichzeitig glaubt, nur um am Ende des Tages ruhig schlafen zu können. Die Schreiberlinge rechtfertigen ihr Schweigen damit, dass Davos öffentlich sei und die Bilderberger eben nicht. Eine Ausrede, die so dünn ist wie der Kaffee in einer drittklassigen Absteige. Wenn Männer, die in Amt und Würden stehen, sich in geheimen Zirkeln mit den Mächtigen der Wirtschaft mischen, dann ist das keine Privatsache – es ist das Geschäft des Volkes. Wer als Journalist behauptet, dieses Treffen sei belanglos, der hat vermutlich vergessen, wie man eine Schreibmaschine bedient, oder er hat seinen moralischen Kompass gegen ein warmes Plätzchen am Buffet der Mächtigen eingetauscht. Während die Welt auf einen Abgrund zusteuert, der nach Schwefel und verbranntem Pulver riecht, während der Nahe Osten brennt und man in den Hinterzimmern bereits über den nächsten großen Tanz mit Russland und der NATO tuschelt, leisten sich unsere Medien den Luxus der Blindheit. Man sollte meinen, dass ein milliardenschwerer Apparat wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Pflicht hätte, das Licht dort anzuzünden, wo es am dunkelsten ist. Stattdessen erfahren wir mehr über die neuesten Eskapaden irgendwelcher Ulmens oder Fernandes’, als über die Tatsache, dass Männer wie der deutsche General Markus Laubenthal oder der NATO-Chef Mark Rutte bei diesen geheimen Sitzungen am Tisch sitzen. Die Aufgabe eines Journalisten ist es, den Schleier zu lüften und nicht, ihn noch fester zuzuziehen. Wer wegschaut, macht sich zum Komplizen einer Machtpolitik, die das Licht scheut wie der Teufel das Weihwasser. Und in einer Stadt, in der die Schatten ohnehin schon lang genug sind, ist das ein Verrat an jedem ehrlichen Zeitungsleser, der noch an die Wahrheit glaubt. zieht tief an der Zigarette und starrt auf das Geschriebene *Am Ende gewinnen immer die, die die Einladungen verschicken. Wir anderen dürfen nur raten, was auf der Speisekarte stand, bis die Rechnung präsentiert wird.* zieht das Blatt mit einem Ruck aus der Walze