BMI lügt – und wir glauben ihm trotzdem
Der Body-Mass-Index ist ein Messer, das seit Jahrzehnten in die falsche Hand gegeben wird. Die neueste Studie aus Verona beweist, was Kritiker seit Jahren flüstern: Das Zahlenspiel aus Gewicht und Größe ist ein grober Kompass, der mehr verwirrt als hilft. Über ein Drittel der Erwachsenen landet in der falschen Kategorie – nicht wegen eines Rechenfehlers, sondern weil der BMI einfach nicht weiß, wovon er spricht.
Die Forscher um Professor El Ghoch haben 1.351 Italiener mit DXA-Scans (die goldene Messlatte für Körperfett) durchleuchtet. Das Ergebnis? Der BMI, dieser scheinbar unerschütterliche Richter, hat bei fast jedem dritten Erwachsenen die falsche Diagnose gestellt. Viele, die als „übergewichtig“ oder „fettleibig“ gebrandmarkt wurden, hatten gar nicht die passende Fettverteilung. Andere, die nach BMI-Regeln als „normal“ galten, trugen heimlich gefährliche Reserven. Besonders peinlich: Der BMI ignoriert Muskelmasse wie ein Thermometer, das nur die Raumtemperatur misst – nicht die des Patienten.
Warum halten wir dann an diesem Relikt fest? Weil es einfach ist. Der BMI ist wie ein billiger Taschenrechner: schnell, laut und immer da, wenn man eine schnelle Antwort braucht. Doch wer schon einmal einen Bodybuilder mit „übergewichtig“ klassifiziert hat, weiß: Die Wahrheit liegt im Körperfett, nicht im Zahlenwerk. Die Studie erinnert uns daran, dass Gesundheitsempfehlungen oft an der Realität vorbeischießen – und dass wir uns nicht von einfachen Formeln blenden lassen sollten.
Die Frage bleibt: Wenn der BMI lügt, wer soll dann die Wahrheit sagen? Und vor allem: Wer zahlt die Rechnung für die falschen Ratschläge?