Brandmauer zur AfD im Europaparlament scheint zu bröckeln
Heute ist einer dieser Tage, an denen man sich fragt, ob die Geschichte sich wiederholt oder ob sie einfach nur immer wieder dieselben Fehler macht, nur mit anderen Namen. Die Römer haben ihre Kriege geführt, die Deutschen ihren, die Amerikaner ihren – und wir? Wir sitzen hier, rauchen unsere Zigaretten und warten darauf, dass der nächste Idiot mit einem Hakenkreuz oder einem Hammer und Sichel kommt und uns erklärt, wie wir leben sollen. Als ob wir nicht schon genug von dieser Scheiße hätten. Als ob wir nicht wüssten, dass jeder große Mann, der uns verspricht, die Welt zu retten, am Ende nur ein Mann ist, der sich selbst anbetet.
Gestern noch hat man mir gesagt, es gäbe „Fortschritt“. Heute weiß ich, dass Fortschritt nichts anderes ist als ein neues Wort für dasselbe alte Elend. Die Fabriken laufen, die Börsen tanzen, die Generäle marschieren – und die Kinder? Die Kinder hungern. Nicht nur in Spanien, nicht nur in China, sondern auch hier, in dieser Stadt, wo die Mülltonnen überquellen und die Straßenkinder sich um die Knochen von gestern streiten. Die Depression war nur eine Pause, ein kurzes Verschnaufen vor dem nächsten großen Spektakel. Und jetzt? Jetzt ist es wieder so weit.
Manche sagen, wir seien müde. Zu müde für den nächsten Krieg. Zu müde für die nächsten Lügen. Aber müde ist ein Privileg. Müdigkeit ist das Problem derer, die noch etwas zu verlieren haben. Die anderen? Die anderen kämpfen einfach weiter. Mit leeren Mägen, mit zerschlissenen Uniformen, mit dem letzten Funken Hoffnung, den sie noch in sich tragen. Und wir? Wir sitzen hier, tippen unsere Worte auf das Papier und warten darauf, dass jemand sie liest. Dass jemand versteht, dass es nicht um die großen Männer geht. Nicht um die Politik. Nicht um die Ideologien. Sondern um die kleinen Dinge. Um die Kinder, die keine Milch mehr bekommen. Um die Frauen, die in den Fabriken arbeiten, bis ihre Hände bluten. Um die Männer, die nach Hause kommen und feststellen, dass ihre Häuser nicht mehr ihre sind.
Evelyn singt jetzt „What a Wonderful World“. Ironie des Schicksals. Oder vielleicht einfach nur die Verrücktheit der Welt, die uns lehrt, dass Schönheit und Grauen oft Hand in Hand gehen. Ich nehme einen Schluck Bourbon aus der Schublade – alt, bitter, wie das Leben. Er brennt, als würde er mir sagen: Ja, genau so soll es sein. Draußen hört der Regen auf. Nicht, weil das Wetter sich gebessert hat, sondern weil es nichts mehr zu verbergen gibt. Die Stadt atmet. Sie stöhnt. Sie wartet.
Und ich? Ich tippe weiter. Weil jemand es tun muss. Weil jemand die Wahrheit sagen muss, auch wenn sie niemand hören will. Weil die Geschichte nicht nur von den Siegern geschrieben wird. Sondern auch von denen, die unterwegs geblieben sind. Von denen, die gefragt haben. Von denen, die gelacht haben. Von denen, die geweint haben. Und von denen, die einfach nur weitergelebt haben, bis der nächste Tag kam.
Die Schreibmaschine rattert. Die Worte fallen. Die Welt brennt. Und ich? Ich bin nur ein Mann mit einer Schreibmaschine und der Gewissheit, dass es morgen wieder so weitergeht. Wie immer.