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CHADS SCHWEIGENDE KANONEN — WER SCHIESS TROTZ ALLEM?

30. März 2026 — — Morrison, over and out.

Die Erde hier riecht nach Pulver und nassem Sand. Nicht nach Krieg — noch nicht. Aber nach dem, was kommt. Unter den Trümmern des Angriffs auf das Dorf Djerba haben wir sie gefunden: Munitionsreste. Keine Patronenhülsen aus dem letzten Schuss, sondern die Überreste von Artilleriegranaten, die vor Jahren aus den Lagern der RSF-Sudan verschwanden. Die gleichen, die man damals als „verloren“ verbuchte, als die Wüstenwinde sie forttrugen wie Staub.

Die Frage ist nicht, ob sie wieder auftauchen. Die Frage ist: Wer hat sie gehortet? Und warum jetzt?

Die RSF-Sudan — die Revolutionären Streitkräfte des Sudan — waren einst die Geißel der Region. Ihre Waffen wurden nach dem großen Putsch von ’34 unter dem Teppich verschwunden. Offiziell. Unoffiziell? Die Kanonen sprechen eine andere Sprache. Die Granaten, die wir hier gefunden haben, tragen die gleichen Abnutzungsmerkmale wie die, die damals in Karkar einschlugen. Dasselbe Kaliber. Dasselbe Muster der Sprengkopfverteilung. Dasselbe Schweigen der Verantwortlichen.

Man könnte sagen: Die Geschichte wiederholt sich. Die Römer nannten es Fatum. Die Deutschen nannten es Schicksal. Wir nennen es hier einfach Scheiße.

Die Munition ist alt. Aber der Konflikt ist es nicht. Die Grenzen zwischen den Wüstenfürsten und den neuen Kriegsherren sind so fließend wie der Sand im Wind. Und jetzt? Jetzt hat jemand beschlossen, dass die alten Waffen wieder nützlich sind. Vielleicht, weil sie billig sind. Vielleicht, weil sie niemand vermissen wird. Vielleicht, weil sie keine Fragen stellen.

Die Regierung in N’Djamena behauptet, die Funde seien „isolierte Vorfälle“. Als ob ein einziger Granatensplitter ein Einzelfall wäre. Als ob die Wüste nicht seit Jahrzehnten ein Lagerhaus für vergessene Waffen ist. Als ob die Männer, die diese Kanonen einst füllten, nicht heute noch in den Schatten der Oasen sitzen und auf den nächsten Auftrag warten.

Wir haben keine Beweise. Noch nicht. Aber wir haben die Munition. Und die sagt: Jemand hat sie wiederbelebt.

Die Frage ist nur: Wird jemand sie auch wieder begraben? Oder ist das hier der Anfang von etwas, das wir schon lange kannten — nur unter einem anderen Namen?

Und dann ist da noch das Schweigen. Immer dieses verdammte Schweigen. Als ob die Wahrheit ein Geschenk wäre, das man nur den Wichtigen macht. Als ob die Wüste nicht alles verschlingt. Als ob die Kanonen nicht auch noch lügen könnten.

Die Sonne brennt. Der Regen kommt nicht. Und irgendwo in der Ferne feuert jemand eine Kanone ab. Nicht auf uns. Noch nicht.

Aber sie wird es tun. Irgendwann. Und dann wird die Frage nicht mehr sein, wer schießt. Sondern warum. Und wann wir endlich aufhören, uns die Augen zu reiben und zu hoffen, dass es diesmal anders wird.

Es wird nicht anders werden. Aber wir können immer noch die Kanonen zählen. Und uns fragen, wer sie zählt.

✦ Ende des Artikels ✦
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