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Dürre ist kein Schicksal. Sie ist Rechnung.

26. März 2026 — — — Ida Feuerbach

Die Erde in Ostafrika hat aufgehört zu atmen. Nicht mit dem langsamen, stöhnenden Keuchen der Jahreszeiten, sondern mit einem abrupten, trockenen Ruck. Die Regenfälle, die einst wie ein Versprechen über die Felder fegten, sind zu einer Erinnerung geworden – einer, die die Menschen hier nicht mehr einfordern können. Die Dürre kommt nicht allein. Sie bringt die Geier mit, die über den ausgedörrten Leichen der Tiere kreisen, und die Kinder, deren Bäuche zu früh zu groß werden. Sie bringt die Politiker, die mit leeren Händen reden, und die Banken, die mit Zinsen kommen wie mit einer Sichel über die Ernte.

Es ist kein Naturereignis. Es ist ein System, das die Erde ausblutet.

Die internationalen Versprechen hängen an den Wänden der Büros in Brüssel, Washington und Nairobi wie vergilbte Rechnungen. „Wir helfen“, steht da. „Wir sichern die Ernährungssicherheit.“ Doch die Hilfe kommt in Containern, die mit Saatgut gefüllt sind, das zu spät kommt, oder in Krediten, die an Bedingungen geknüpft sind, die niemand erfüllen kann. Die Weltbank spricht von „klimaresilienten Lösungen“, während die Bauern hier seit Generationen wissen, wie man mit der Erde spricht – und wie man sie verrät, wenn man sie nicht mehr hört. Die EU wirbt mit „grünen Deals“, doch die Subventionen für europäische Agrarindustrie treiben die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe, während die Bauern in Ostafrika ihre letzten Kühe schlachten müssen, um die Milch für die Kinder zu haben.

Die Widersprüche sind so dick wie der Staub, der über die Dörfer fällt. Die UN warnen vor einer humanitären Katastrophe, doch die meisten „Hilfsmaßnahmen“ sind nur Verzögerungstaktiken. Die Regierung in Addis Abeba verkauft Land an ausländische Investoren für „moderne Landwirtschaft“ – während die Bauern, die seit Jahrhunderten diese Böden kennen, mit leeren Händen dastehen. Die Dürre ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen, die tausend Kilometer entfernt getroffen wurden: von Handelsabkommen, die lokale Märkte ersticken, von Klimapolitik, die die Schuld bei den Betroffenen sucht, statt bei denen, die die Erde ausbeuten.

Die Menschen hier haben keine Zeit für Moral. Sie haben keine Zeit für Versprechungen. Sie haben nur noch Zeit, um zu graben, wo der Regen nie mehr kommt. Die Frauen sammeln Gras für das Feuer, das sie nicht mehr zum Kochen brauchen – sie brauchen es, um die Fliegen fernzuhalten. Die Männer gehen weiter, weiter in die Wüste, auf der Suche nach Arbeit, die es nicht gibt. Die Kinder lernen nicht mehr, wie man sät. Sie lernen, wie man bettelt.

Und die Erde? Die Erde erinnert sich. Sie speichert den Durst. Sie speichert die Schande. Irgendwann wird sie zurückgeben, was ihr gehört.

Was bleibt, ist der Staub. Und die Frage, wer ihn noch atmen kann.

✦ Ende des Artikels ✦
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