Colombian president accuses Ecuador after ‘27 charred bodies’ found near border
Manchmal frage ich mich, ob wir in ’37 schon wieder dabei sind, die gleichen Fehler zu wiederholen. Die Römer haben ihre Straßen mit Gold gepflastert und sind trotzdem untergegangen. Die Deutschen haben ’14 gesagt, es sei der letzte Krieg, und jetzt? Jetzt sitzen wir wieder in den Ruinen unserer eigenen Dummheit. Die Börse ist nicht mehr die Börse, sie ist ein Spielplatz für Spekulanten, die mit Zahlen um sich werfen wie betrunkene Matrosen mit Flaschen. Die Arbeitslosenmärsche werden immer lauter, aber die da oben – die mit den dunklen Anzügen und den noch dunkleren Geheimnissen – lächeln nur und sagen: „Geduld, mein Lieber. Die Krise ist nur eine Phase.“ Als ob eine Phase einen Menschen verhungern ließe.
Gestern ist ein Mann in Berlin gestorben, weil er keine Kohle für die Heizung hatte. Heute wird in den Zeitungen groß darüber geschrieben, wie die Wirtschaft wieder wächst. Die Wirtschaft wächst nicht. Die Zahlen wachsen. Die Menschen wachsen nicht. Sie schrumpfen. Und während wir uns über Steuern und Devisen streiten, frieren Kinder in Kellern, und die Männer, die sie großziehen sollten, trinken sich in die Betonwände der Arbeitsämter.
Ich habe heute mit einem Typen gesprochen, der vor dem Krieg noch Schuhmacher war. Jetzt repariert er Schuhe für die, die welche haben. „Früher“, hat er gesagt, „hatte jeder zwei Paar. Jetzt hat jeder eins – und das auch nur, weil er es sich nicht leisten kann, es zu verlieren.“ Er hat nicht gelacht. Er hat nur geraucht. Und ich auch.
Draußen heult ein Auto vorbei, die Reifen quietschen wie die Stimmen derer, die keine mehr haben. Irgendwo brennt es. Immer brennt es. Mal ein Lagerhaus, mal ein Haus, mal eine Hoffnung. Die Feuerwehr kommt nicht. Die Polizei auch nicht. Die Politik? Die Politik ist schon längst weg. Sie sitzt in ihren Büros und unterschreibt Papiere, die niemand lesen kann, während unten die Menschen sich fragen, ob sie morgen noch Brot kriegen.
Manchmal denke ich, die Geschichte ist wie ein schlechter Roman. Man weiß von Anfang an, wie es endet. Man weiß nur nicht, ob man weglaufen kann, bevor die Bombe hochgeht. Und wir? Wir sitzen hier. Schreiben. Trinken. Rauchen. Als wäre das alles nur ein langer, müder Witz.
Evelyn hat aufgehört zu singen. Das Café ist leer. Draußen tropft es. Irgendwo tickt eine Uhr. Sie zählt die Sekunden, bis wir alle tot sind. Oder bis wir aufhören, es zu merken.