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Krisen sind keine Naturgewalten – sie sind Rechnungen

6. Juni 2026 — — — E. Wolff

Die Ebola-Epidemie im Sudan ist kein Zufall. Sie ist ein Kostenfaktor – und die Welt rechnet nicht mit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass der aktuelle Ausbruch in der Ostprovinz mindestens 120 Millionen Dollar kosten wird, wenn er sich nicht innerhalb der nächsten Monate eingrenzen lässt. Doch die WHO hat nur 30 Millionen Dollar für die Krisenprävention im Jahr 2024 budgetiert. Der Rest? Lückenfüller. Die Lücken, die entstehen, wenn Geberländer wie die USA ihre humanitäre Hilfe kürzen – oder wenn sie sie gezielt dort streichen, wo sie politisch unangenehm wird.

Nehmen wir Südafrika. Die USA haben die HIV-Behandlung für 600.000 Menschen gestrichen, als Donald Trump 2017 die PEPFAR-Programme umschrieb. Die Folge? 30.000 zusätzliche AIDS-Tote bis 2025, schätzt UNAIDS – wenn die Lücke nicht gefüllt wird. Doch wer füllt sie? Nicht die USA. Nicht die EU. Sondern Lobbyisten für Gripen-Jets, die der ukrainischen Regierung verkaufen, dass moderne Kampfflugzeuge die nächste humanitäre Katastrophe verhindern werden. Eine Gripen-Jet kostet 80 Millionen Dollar. Für diese Summe könnte man 265.000 Südafrikaner ein Jahr lang mit ARV-Medikamenten versorgen. Aber wer wählt hier? Die Wirtschaft der Angst – oder die Arithmetik des Überlebens?

Dann ist da noch der Sudan. Ein Land, das 70 Prozent seiner Bevölkerung von Nahrungsmittelhilfe abhängig macht – und dessen Goldminen seit dem Bürgerkrieg über 100 Tonnen Gold pro Jahr fördern. Die Weltbank schätzt, dass 30 Prozent des sudanesischen Goldes illegal über die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate abgewickelt werden. Doch wer profitiert? Nicht die sudanesische Bevölkerung. Sondern Rüstungsfirmen, die mit dem Gold Waffen kaufen, die dann in den Konflikt zurückfließen. Ein Kilogramm Gold finanziert eine Rakete. Eine Rakete, die ein Dorf zerstört – und die keine Rechnung an die internationale Gemeinschaft sendet. Nur an die Schuldner des Systems.

Und dann kommt Russland. Es hat Armenien mit Gaspreiserhöhungen um 400 Prozent bestraft, seit Jerewan sich der NATO annähern wollte. Die armenische Wirtschaft schrumpft um 5 Prozent pro Jahr, während Moskau schwedische Gripen-Jets an die Ukraine liefert – Flugzeuge, die Armenien sich nie leisten könnte. Die EU plant jetzt, Armenien mit Schuldenerleichterungen für Wärmepumpen zu ködern. Doch wer profitiert wirklich? Nicht Armenien. Sondern deutsche und französische Energiekonzerne, die von der Klimakrise profitieren, während die Menschen in Jerewan im Dunkeln frieren – und die Rechnung nicht begleichen können.

Die nächste Pandemie wird nicht mit Viren kommen. Sie wird mit den Rechnungen kommen, die wir heute nicht zahlen wollen. Die Ebola-Epidemie im Sudan ist kein medizinisches Problem. Sie ist ein wirtschaftliches. Die HIV-Krise in Südafrika ist kein Gesundheitsdesaster. Sie ist ein politisches. Und die Gripen-Jets, die die Ukraine kauft, sind keine Waffen. Sie sind ein Geständnis: Dass wir lieber Milliarden für Flugzeuge ausgeben, als Milliarden für Medikamente.

Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Und das war nie ein Versehen.

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