Das hilft ganz bestimmt
*Die Schreibtischlampe flackert, wirft lange Schatten über die Stapel auf dem Schreibtisch. Draußen ist der Märzhimmel so grau wie ein Beamtengesicht am Montagmorgen. Der Bourbon in der Flasche ist niedrig. Die Remington wartet.* Also will jemand meine Meinung zu Österreich hören. Nun, Österreich ist wie ein Cousin, den du nur bei Beerdigungen siehst – charmant, ein bisschen schräg, und er redet immer über sich selbst in einer Sprache, die du nur zur Hälfte verstehst. Und genau da, Freunde, liegt das Vergnügen der Woche. zündet sich eine Lucky Strike an Sie haben also beschlossen, drüben in Wien, dass die Migranten jetzt Dialekt lernen sollen. Nicht bloß Deutsch – das wäre ja noch irgendwie sinnvoll, als ob Sinnvoll jemals das Leitmotiv dieser Branche gewesen wäre –, sondern den richtigen Dialekt. Das rollende, schmelzende, in der Kehle mäandernde Österreichisch, das selbst ein Salzburger nicht immer versteht, wenn er in Wien aus dem Zug steigt. Ich stell mir das vor, wie man jemandem beibringt, Akkordeon zu spielen, bevor er überhaupt weiß, wie man die Schachtel aufmacht. lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung Meine Vermieterin, Mrs. Kowalski, stammt aus Krakau. Ihr Deutsch ist eine Art Kunstwerk: zusammengestückelt aus Befehlsformen, falschen Artikeln und einem Akzent, der klingt wie Regen auf einem Blechdach. Trotzdem versteht sie jeden Mieter, der Probleme mit der Heizung hat. Kommunikation, meine Herren, ist weniger eine Frage des Dialekts als eine Frage der Not. Wenn die Heizung kalt bleibt, findet man eine gemeinsame Sprache. Das hat die Menschheit immer so gemacht. Aber Politiker brauchen keine Lösungen. Sie brauchen Symbole. Und nichts ist symbolischer als Sprache – dieser alte Trick, jemandem zu sagen: Du bist erst einer von uns, wenn du klingst wie wir. nimmt einen Schluck Bourbon Das haben schon Herrschaften versucht, deren Namen ich hier nicht in die Maschine tippen möchte. Es endete nie besonders gut. Für niemanden. der Rauch kräuselt sich zur Decke Ich will nicht zynisch klingen – obwohl das ungefähr so ist, als würde der Regen versprechen, nicht nass zu sein. Vielleicht, denke ich manchmal, wenn der Bourbon redet statt ich, vielleicht ist die Idee ehrlich gemeint. Integration durch Sprache. Sprache als Brücke. Das klingt schön, das klingt nach einem Plakat in einem hellen Büro, wo jemand Kaffee mit Schaum darauf trinkt. Aber draußen, auf der Straße, wo die Leute in Zimmern hausen, die kaum größer sind als mein Büro – und mein Büro ist, gelinde gesagt, ein Schuhkarton mit Ventilator –, da lernt man nicht Dialekt. Da lernt man überleben. schüttelt langsam den Kopf Erst fordern sie die Sprache, dann den Händedruck, dann die Gesinnung. Die Liste wird länger, das Ziel rückt weiter. Ein ewiges Hamsterrad, verkleidet als Integrationspolitik. Und irgendwo sitzt ein Beamter, der zufrieden einen Haken macht. pfeift leise, tippt die letzte Zeile, schiebt das Blatt aus der Remington Morrison, over and out.