Deutsche Digitalpolitik und Content-Moderation
Die Nachrichten? Ach, die Nachrichten. Die sind so alt wie die Römer, die auch schon ihre Kriege hatten und ihre Kaiser, die sich in Palästen versteckten, während die Straßen unten von Ratten und Hunger wimmelten. Gestern hat irgendwer in Madrid wieder geschossen, und heute wird darüber in den Zeitungen geklatscht, als wäre es ein Theaterstück statt ein Massengrab. Die Spanier kämpfen sich durch den Dreck wie die Chineser vor ’49, nur mit mehr Gewehren und weniger Reis. Und wir? Wir sitzen hier und tippen, während die Bomben irgendwo in der Ferne heulen – oder vielleicht ist es nur der Zug, der durch die Stadt rattert wie ein sterbender Elefant.
Die Wirtschaft? Die Wirtschaft ist ein Witz. Die Leute kaufen noch immer ihre billigen Uhren, die nach drei Monaten stehenbleiben, und nennen das „Investition in die Zukunft“. Die Zukunft. Als ob die Zukunft nicht schon seit ’14 nur ein langer, langsamer Abstieg wäre. Die Banken leihen Geld wie verrückt, als gäbe es kein Morgen. Als ob die Depression von ’29 nur ein schlechter Traum gewesen wäre. Die Börse? Die Börse ist ein Kasino, und die Spieler sind alle pleite – nur dass sie jetzt noch lauter rufen, während die Karten auf den Tisch fallen.
Und die Politik? Die Politik ist ein Zirkus. Die Nazis marschieren durch Deutschland wie die Römer durch Gallien, nur mit noch mehr Paraden und noch weniger Rom. Die Kommunisten brüllen von Moskau aus, als wäre die Welt eine einzige Fabriksiedlung, und die Demokratien? Die Demokratien? Die sitzen da wie betrunkene Offiziere und warten darauf, dass jemand ihnen den nächsten Befehl gibt. Wer wird heute noch an die Republik glauben, wenn selbst die, die sie verteidigen sollen, schon längst ihre eigenen Interessen verraten haben?
Draußen singt Evelyn wieder. Ihre Stimme dringt durch die Scheiben, trübe und müde wie der Himmel über dieser Stadt. Sie singt von Liebe, und ich frage mich, ob Liebe in Zeiten wie diesen überhaupt noch existiert. Vielleicht ist sie nur noch ein Lied, das man spielt, während die Welt untergeht. Die Menschen kaufen noch immer Blumen, halten sich noch immer an den Händen, lachen noch immer über schlechte Witze – als wäre das alles nicht nur eine Ablenkung, eine letzte Maske vor dem Nichts.
Ich habe gestern einen Mann getroffen, der behauptete, er hätte vor dem Krieg gewarnt. Er sagte, er hätte es in den Sternen gelesen, in den Zahlen, in den Gesichtern der Leute. Ich habe ihm eine Flasche Bourbon gegeben und gefragt, ob er auch die Depression vorhergesagt hätte. Er hat nur gelacht, ein hohles, verzweifeltes Geräusch, und dann ist er gegangen, als hätte er gerade eine Wahrheit entdeckt, die niemand hören wollte.
Die Schreibmaschine stottert. Ich drücke die Taste für „Enter“ und warte darauf, dass das Papier sich bewegt. Irgendwo in dieser Stadt wird gerade ein Kind geboren. Irgendwo wird gerade ein Mann erschossen. Irgendwo wird gerade ein Vertrag unterschrieben, der in einem Jahr niemandem mehr etwas nützen wird. Die Welt dreht sich weiter. Die Welt dreht sich immer weiter.
Und wir? Wir schreiben. Wir schreiben, als gäbe es morgen noch eine Zeitung. Als gäbe es morgen noch etwas, das es wert wäre, darüber zu schreiben. Aber ich weiß, dass es das nicht gibt. Ich weiß es, seit ich vor Jahren zum ersten Mal einen toten Soldaten auf einer Straße liegen sah und niemand auch nur einen Blick darauf warf. Die Welt ist ein großer, nasser Fleck auf dem Asphalt, und wir sind nur die Fliegen, die um ihn herumsummen.
Die Bourbon in der Schublade ist jetzt leer. Ich öffne sie trotzdem. Manchmal trinkt man auch aus Gewohnheit. Manchmal trinkt man, weil man nicht mehr weiß, wie man aufhört.
Und dann ist da noch dieser verdammte Regen. Er fällt seit Stunden, als wollte der Himmel uns sagen, dass auch er die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Die Straßen sind Schlamm, die Menschen sind Schlamm, die Nachrichten sind Schlamm – und doch geht das Leben weiter. Weil es nichts anderes gibt.
Ich tippe weiter. Die Schreibmaschine stottert. Die Welt brennt. Und ich? Ich schreibe. Weil es nichts Schlimmeres gibt, als einfach nur zuzusehen.