EU DROHT MIT GESICHTSVERBOT – WÄHREND PALANTIRS ALGORITHMEN SCHON LÄUFT
Die EU will Gesichtserkennung in öffentlichen Räumen kappen – doch während Brüssel die Regeln schärft, kämpfen deutsche Behörden mit US-Konzernen, die längst Datenströme kontrollieren, die kein Datenschutzgesetz einfangen kann. Clearview AI wurde in den Niederlanden mit 26 Millionen Euro bestraft, weil es Gesichter aus dem Internet klaut wie ein Dieb in der Nacht. Doch in Berlin prüft man Palantir, während die Firma behauptet, Datenabflüsse seien „technisch ausgeschlossen“ – ein Argument, das selbst den Mann in der Suppenküche lächerlich finden würde, wenn er wüsste, wie viele Löcher in solchen Versprechungen sind.
Der AI Act soll die Wunde versorgen, doch die Blutung kommt von woanders: aus Washington. Die USA bauen seit Jahren ein Überwachungsnetz, das Europa nur als Spiegelung sieht. Predictive Policing – also Algorithmen, die Verbrechen vorher sagen sollen, bevor sie passieren – wird in den USA als Werkzeug verkauft, in Deutschland als Spiel mit dem Schicksal. Die Polizei in Hamburg testet bereits solche Systeme, während Datenschützer warnen: Die Maschinen lernen Vorurteile mit, wie ein Kind die Sprache seiner Eltern nachahmt. Und wer zahlt den Preis? Nicht die Firmen. Nicht die Politiker, die die Gesetze machen. Sondern die Menschen, deren Gesichter plötzlich zu Beweisen werden, bevor sie ein Verbrechen begangen haben.
Die Kontroverse um Palantir ist ein Fallbeispiel. Die Firma liefert Software an Behörden, die nicht nur Gesichter, sondern ganze Lebensdaten verknüpft: Mietverträge, Bankbewegungen, Sozialleistungen. In Deutschland wird geprüft, ob die Daten sicher sind. In den USA wird gelacht. Denn Palantir hat schon 2020 mit der CIA zusammengearbeitet, um Migrationsdaten zu analysieren – ein Projekt, das selbst der US-Kongress als „übertrieben“ kritisierte. Doch jetzt, wo die EU nachregulieren will, pocht Palantir auf „technische Unmöglichkeit“ des Datenabflusses. Ein Trick, der funktioniert, bis jemand die Kabel durchschneidet.
Clearview AI ist noch direkter: Die Firma hat eine Datenbank mit 20 Milliarden Gesichtern – gesammelt aus sozialen Medien, ohne Einwilligung, ohne Transparenz. Die niederländische Datenschutzbehörde hat sie bestraft, doch das System läuft weiter. Warum? Weil Clearview nicht in Europa sitzt. Weil die EU keine globale Sperre erlassen kann. Weil die Technologie schon da ist, bevor die Gesetze sie einholen.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob die EU die Regeln verschärft. Sondern: Wer kontrolliert die Datenströme, die schon jetzt fließen? Wer profitiert von Systemen, die Unschuldige zu Verdächtigen machen? Und wer zahlt, wenn die Algorithmen falsch liegen – wie oft sie das tun, weiß niemand genau. In den USA wurden bereits Hunderte Menschen wegen falscher Gesichtserkennung verhaftet. In Deutschland gibt es keine offiziellen Zahlen. Aber die Muster sind dieselben: Schwarze Menschen werden häufiger fälschlich identifiziert. Arme Viertel werden stärker überwacht. Und am Ende steht immer dieselbe Frage: Wem dient die Technik?
Der AI Act ist ein Anfang. Doch er greift nur an der Oberfläche. Die wahren Machtzentren sitzen in Silicon Valley, wo Daten zu Öl werden und Überwachung zur neuen Wirtschaftsmacht. Die EU kann Gesichter verbieten. Aber sie kann nicht verbieten, dass Palantir in Deutschland weiterhin Daten sammelt – nur unter dem Deckmantel „Sicherheit“. Sie kann nicht verbieten, dass Clearview AI weiter Gesichter klaut, solange es keine globale Strafverfolgung gibt. Und sie kann nicht verbieten, dass die Polizei irgendwann Predictive Policing einsetzt – nicht weil es funktioniert, sondern weil es billiger ist als echte Ermittlungen.
Die Drähte summen. Irgendwo in einem Serverraum in Colorado wird gerade eine neue Version des Algorithmus getestet. Irgendwo in Berlin wird über ein Verbot diskutiert. Und irgendwo in einem Vorstadtviertel wird eine Kamera installiert, die nicht nach Einbrechern sucht, sondern nach Risikopersonen. Die Technik ist neutral. Die Hände, die sie halten, sind es nicht.
--- Terminal Tribune – TIE Schattenwerk | 26. März 2026