← Zurück zur Titelseite Konflikte

DOLLARBOMBEN ÜBER TEHRAN – WIE WIR NOCHMALS ZAHLEN, WENN DIE WELT BRENNT

16. April 2026 — — Morrison, over and out.

Der Rauch aus der Zigarette kreist in der Luft wie ein verdammter Geier über dem Schreibtisch. Draußen, zwischen den schiefen Schornsteinen der Stadt, singt Evelyn wieder dieses verdammte Lied über verlorene Söhne. Die Art Deco-Lichter der Redaktion flackern wie ein Herzschlag, der kurz vor dem Stillstand steht. Wir schreiben hier nicht über die Römer, die ihre Legionen in Gallien verschleudeten – wir schreiben über uns. Über die Männer in Washington, die mit Zahlen spielen wie Kinder mit Spielzeugsoldaten. Über die $200 Milliarden, die plötzlich aus dem Pentagon kommen wie ein Geisterschiff aus der Nebelbank: für den Krieg gegen den Iran. Keine Resolution. Kein Mandat. Nur ein Anruf bei der Hausbank der Nation und die Bitte: „Schieß doch mal was in die Luft, wir zahlen später.“

Die Washington Post hat’s zuerst gewittert – diese $200 Milliarden, die plötzlich da sind wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Viermal so viel wie die erste Schätzung. Viermal so viel wie die Vernunft. Pete Hegseth, dieser fröhliche Kriegssekretär mit dem Lächeln eines Manns, der gerade seinen letzten Dollar auf den Roulettetisch geworfen hat, steht da und sagt: „Es braucht Geld, um schlechte Jungs zu töten.“ Ja, ja, das ist klar. Aber wer zählt die guten Jungs? Die drei palästinensischen Frauen im West Bank, die jetzt tot sind. Der Mann in Tel Aviv, der unter den Trümmern seiner eigenen Stadt begraben wurde. Die LNG-Anlagen in Katar, die jetzt wie ein brennender Dämon über der Halbinsel hocken. Und die Schiffe, Morrison, die Schiffe! Ein verdammtes Feuerboot vor den Küsten der UAE – wer hat das gezündet? Wer wird es bezahlen? Nicht die Iraner. Nicht die Saudis. Nicht die kleinen Männer in den Ölfeldern, die jetzt wissen, dass ihr Morgen vielleicht schon heute Nacht verbrannt ist.

Und dann diese 8.000 Männer. Acht. Tausend. Marines und Matrosen, die ihre Urlaubstage kürzen wie ein Mann, der seine letzte Hose annimmt. „Ahead of schedule“, heißt es. „Amphibious units deploying.“ Klingt wie ein Befehl aus einem alten Kriegsfilm. Wie die Alliierten vor Stalingrad. Nur dass diesmal niemand fragt, wann der Krieg endet. Nur dass die Börsen jubeln, weil der Ölpreis wieder bei $110 pro Barrel liegt – als wäre das ein Grund zur Freude. Als wäre es nicht einfach nur die Rechnung, die jetzt auf dem Tisch liegt: Zahl. Oder geh. Oder brenn mit.

Emmanuel Macron hat’s versucht. Der Franzose. „Moratorium auf zivile Infrastruktur“, hat er gefordert. „Schützt die Zivilbevölkerung.“ Klingt gut. Klingt wie etwas, das man in einem Brief an die UNO schreiben könnte. Aber wer hört schon auf Macron? Wer hört auf die Vernunft, wenn die Kanonen donnern? Die Republikaner im Senat haben gestern gestimmt – 53 zu 47 – und blockiert, was sie blockieren immer blockieren: die Macht des Präsidenten, einfach mal loszulegen. Als ob das ein Problem wäre. Als ob es nicht schon längst kein Problem mehr gäbe, sondern nur noch eine Frage der Prozedur.

Linda Bilmes, die Frau, die mal die Drei-Trillionen-Dollar-Rechnung für den Irak gemacht hat, hat’s gesagt: „Die kurzen Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs.“ Die $200 Milliarden? Ein Spielzeugbudget. Die wahren Kosten? Die kommen später. Die kommen, wenn die Veteranen zurückkehren und die Renten nicht reichen. Wenn die Schuldenberge höher sind als die Berge des Iran. Wenn die Kinder der Soldaten fragen: „Warum haben wir das gemacht?“

Und dann ist da noch dieser Trump. Dieser Mann, der droht, „die gesamte South Pars-Gasfeld zu massiv zerstören“, wenn die Iraner noch einmal zuschlagen. „Sehr unschuldig, in diesem Fall Katar“, sagt er. Als wäre das ein Witz. Als wäre das nicht einfach nur die Sprache eines Mannes, der den Knopf drückt und dann fragt: „Was, wenn ich jetzt nochmal drücke?“

Wir schreiben hier nicht über Geschichte. Wir schreiben über die Gegenwart. Über die Männer in den Uniformen, die jetzt schon wieder in die Dünen marschieren. Über die Frauen, die jetzt schon wieder beten, dass ihre Kinder nicht die nächsten sind. Über die Ölscheichs, die jetzt schon wieder ihre Reserven verkaufen, weil sie wissen: Irgendwann ist das alles vorbei. Und dann?

Dann bleibt nur die Rechnung. Und die Frage, die keiner beantworten kann: Wann hört man auf, wenn man schon längst nicht mehr weiß, warum man angefangen hat?

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite